In Atomwaffen investiert

09. Dezember 2016 08:40; Akt: 09.12.2016 18:57 Print

«Schlecht, dass UBS von Rüstungsfirmen profitiert»

von D. Pomper - Die UBS unterstützt laut einer Studie Firmen, die Atomwaffen herstellen. Das will die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee mit einer Volksinitiative verhindern.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die UBS schneidet im neusten «Don’t Bank on the Bomb»-Report nicht gut ab. Der Bericht, der 20 Minuten vorliegt, führt Banken auf, die Geld in Konzerne investieren, die an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind. Hinter dem Bericht stehen die niederländische Organisation PAX sowie die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen Ican. Die Studie zeigt, dass die UBS 2015 5,6 Milliarden Dollar in entsprechende Firmen gesteckt hat. 2014 waren es noch 5,1 Milliarden, 2013 3,7 Milliarden. Neben Investments der UBS handelt es sich auch um Investments der Kunden.

Umfrage
Die GSoA will Investitionen in Rüstungsfirmen verhindern. Finden Sie das gut?
40 %
57 %
3 %
Insgesamt 1714 Teilnehmer

Für die Studienautoren gelten auch Firmen wie Airbus oder Boeing als Atomwaffen-Hersteller. Dies, obwohl beide Grosskonzerne nur am Rande in diesem Geschäft tätig sind. Sie kritisieren, dass die grösste Schweizer Bank in beide Firmen investiert und sie bei Finanzierungsvorhaben unterstützt hat. «Die Banken dürfen nicht ausblenden, dass Boeing und Airbus neben Herstellern von Passagierflugzeugen auch Zulieferer für die Atomwaffen-Industrie sind», sagt Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe Schweiz ohne Armee GSoA. So würde Airbus neben Passagierflugzeugen auch Nuklearraketen für die französische Armee herstellen. Boeing sorge für den Unterhalt von US-Atomwaffen. Problematisch sei vor allem die Beteiligung am US-Rüstungskonzern Raytheon, der viel konkreter an der Entwicklung von neuen US-Nuklearraketen beteiligt sei.

UBS: «Fragwürdiger Bericht»

«Es ist verwerflich, dass Grossbanken wie die UBS von Atomwaffen-Herstellern und Rüstungsunternehmen profitieren, die Kriege anheizen», sagt Lempert. Waffen seien für die Investoren nämlich ein gutes Geschäft. Aktienindizes mit Rüstungsherstellern haben dieses Jahr um 25 Prozent zugelegt. Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, unterstützt die GSoA: «Mit diesem Engagement macht sich die UBS mitverantwortlich für die Kriege in Nahost, die Millionen von Menschen in die Flucht treiben.»

Sprecher Samuel Brandner entgegnet, dass die UBS «weder direkt noch indirekt» die Entwicklung, Herstellung oder den Kauf umstrittener Waffen durch Unternehmen finanziere, die dem schweizerischen Bundesgesetz über das Kriegsmaterial zuwiderhandeln. Ausserdem sei der im Bericht gewählte Ansatz «höchst fragwürdig», da er auch «zivilwirtschaftliche Unternehmen wie Boeing oder Airbus» mit einschliesse.

Bundesrat gegen Investitionsverbot

Nun will die GSoA Investitionen in Rüstungsfirmen verhindern. Im April 2017 lanciert sie zusammen mit den Jungen Grünen die Volksinitiative «Für ein Verbot von Kriegsgeschäften». Der Schweizerischen Nationalbank, Stiftungen sowie Einrichtungen der staatlichen und beruflichen Vorsorge soll die Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten untersagt werden. Ausserdem soll der Bund «sinngleiche Bedingungen für Banken und Versicherungen auf nationaler und internationaler Ebene» fördern. Als Kriegsmaterialproduzenten gelten gemäss dem Textentwurf Firmen, die mehr als fünf Prozent ihres Jahresumsatzes mit der Herstellung von Kriegsmaterial erzielen.

Bereits vor zwei Jahren hatte SP-Nationalrätin Evi Allemann erfolglos versucht, jede finanzielle Beteiligung an Firmen, die neben verbotenem Kriegsmaterial auch andere militärische oder zivile Güter herstellen, zu verbieten. Der Bundesrat hatte den Vorschlag abgelehnt mit der Begründung, dass er zu weit gehe.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dario am 09.12.2016 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie des Schicksals

    Will ja mal wissen, wie viele Mitglieder von "der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee" in die Ferien fliegen mit einem Airbus oder einer Boeing Maschine. Sind ja auch massiv im Rüstungssektor tätig. Müsste man nun den Mitgliedern Ferien per Flugzeug verbieten?

  • Henry James Moody the third am 09.12.2016 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Profit

    Ich will nicht sagen dass Ihr alle damit einverstanden sein müsst. Aber sagt mal ehrlich, verwundert euch das? Firmen haben nur 1 Ziel, Profit zu machen. Ihr alle seit jetzt empört aber habt ihr das bis anhin wirklich nicht realisiert?

    einklappen einklappen
  • Doppelmoral am 09.12.2016 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das merkt man erst jetzt?

    Irgendwo her müssen ja die Zinsen kommen! Aktien von Rüstungsfirmen und Waffen rentieren gut. Es liegt weniger an den Banken sondern eher wer Aktien kauft. Der Käufer muss sich überlegen was er unterstützen will! Und wo Geld ist hört bei den meisten die Moral auf! Wenn sich die ganze Welt die Köpfe einschlagen macht es die Aktionäre reich!

Die neusten Leser-Kommentare

  • HomerJ am 09.12.2016 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und?

    So ist numal die heutige Welt. Atomwaffen sind sogar nich harmlos da kein vernünftiger Staatschef sie je zum Einsatz bringen wird. Sie dienen mehr als Abschreckungsmittel. Uch bin zwar nicht bei der UBS aber mich würden solche Investitionen kein wenig stören als Kunde genauso wie 99% aller anderen Kunden. Solange damit mein Geld in der Bank gesichert ist, würde ich es sogar begrüssen. Wenn wir nicht investieren, dann ein macht es ein anderer. Besser wir investieren, dafür werden wir dann nicht benachteiligt.

  • Raphael Zsc am 09.12.2016 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Sehr schlecht

  • Cavi33 am 09.12.2016 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso, das ist schon richtig

    Einmal mehr ein Bericht der allzu viele Fragezeichen hinterlässt. Eine Welt ohne Kriege gibt es nicht also kann sich die UBS ihre Anlagen selbst aussuchen, demjenigen dem das nicht passt kann ja zu einer anderen Bank.

  • Mansaylon am 09.12.2016 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heiliger wie der Papst

    Was für eine Heuchlergesellschaft. So lange in der Schweiz irgend eine Firma Waffen und deren Zubehör herstellt, profitiert irgendwer auch davon. Zumal sind damit auch noch Jobs verbunden. Diese Waffen werden sicher nicht nur fürs Tontaubenschiessen verwendet. Stellt die Herstellung von Kriegsmaterial komplett ein, oder lasst die scheinheiligen Diskussion darüber.

  • Eckzahn am 09.12.2016 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Perverse "Spielchen"

    Diese perversen "Spielchen" werden einmal auf alle Verursacher und deren Nachkommen zurückfallen. Leider gehören wir alle dazu. Man ist quasi schon verdammt mit der Geburt.