Nach Übergriffen

08. Januar 2016 08:27; Akt: 08.01.2016 08:27 Print

Flüchtlinge sollen Frauen-Kurse besuchen

Ein kurzer Rock ist keine Aufforderung zum Sex: SP-Politikerin Silvia Schenker will Flüchtlinge in Aufklärungskurse schicken.

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Wie in Skandinavien sollen Asylsuchende auch in der Schweiz im Umgang mit Frauen geschult werden.

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Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz sollen Frauen in der Silvesternacht sexuell belästigt worden sein. Während in Zürich noch nach der Täterschaft gesucht wird, gab es im Nachbarland bereits erste Festnahmen: Nach Angaben der Polizei handelt es sich mehrheitlich um «frisch eingereiste Asylbewerber» aus dem nordafrikanischen Raum.

Mögliche Ursachen für die Taten sehen Fachleute in der gesellschaftlichen Isolation, der fehlenden Tagesstruktur und der patriarchalischen Kultur der Flüchtlinge. Dass diese Kombination potenziell gefährlich ist, wissen auch die Behörden. Vielerorts werden die Asylbewerber präventiv mit dem Thema sexuelle Belästigung konfrontiert.

«Gute und schlechte Beispiele»

Im Kanton Graubünden würden die Asylsuchenden etwa im Erstaufnahmezentrum darüber informiert, dass sexuelle Kontakte mit Minderjährigen strafbar seien, sagt Marcel Suter, Präsident der Vereinigung der Kantonalen Migrationsbehörden. Oder es werde ihnen klargemacht, dass sie die Schülerinnen von nahe gelegenen Schulhäusern nicht belästigen dürfen. Die Einführung sei wichtig, da die Asylsuchenden teilweise aus Regionen stammten, wo Minderjährige unter Zwang verheiratet würden. «Damit die Botschaft auch ankommt, werden zum Teil auch interkulturelle Übersetzer beigezogen.» Die Asylsuchenden müssen unterschreiben, dass sie die Regeln verstanden haben. Suter hält fest, verglichen mit den Flüchtlingen des arabischen Frühlings habe es in letzter Zeit wenig Probleme gegeben.

Auch in Zentren, die von der Fachorganisation AOZ geführt werden, ist sexuelle Nötigung Thema. Die Asylbewerber würden darauf hingewiesen, dass jegliche Verstösse gegen die Schweizer Rechtsordnung der Polizei gemeldet würden, sagt Kommunikationsleiter Thomas Schmutz. «Der respektvolle Umgang mit dem anderen Geschlecht wird anhand von guten und schlechten Beispielen thematisiert.»

Flüchtlinge sollen in den Frauenkurs

Noch einen Schritt weiter gehen skandinavische Länder wie Norwegen oder Dänemark. Dort gibt es bereits Kurse, in denen die Asylsuchende darüber instruiert werden, welche Regeln in Europa im Umgang mit Frauen gelten.

SP-Nationalrätin Silvia Schenker würde solche Kurse auch in der Schweiz begrüssen. «In den Deutschkursen sollten die Flüchtlinge auch lernen müssen, wie man in der Schweiz mit Frauen umzugehen hat.» Je nach Herkunftsland sei es für junge Männer etwas Neues, plötzlich in einer offenen Gesellschaft zu leben. «Deshalb ist beispielsweise die Botschaft wichtig, dass ein kurzer Rock oder ein tiefer Ausschnitt keine Aufforderung zum Sex darstellt.» Sie denkt darüber nach, den Bundesrat in einem Vorstoss auf das Modell aufmerksam zu machen.

«Übergriffe wie in Deutschland verhindern»

Wenig von solchen Intensivkursen hält SVP-Nationalrat Heinz Brand. «Es ist die Aufgabe der Flüchtlinge, sich mit unserer Kultur vertraut zu machen und sich zu integrieren.» Erwachsene Menschen bräuchten keinen Kurs, um den Umgang mit Frauen zu erlernen. Entscheidend sei, dass den Migranten bereits bei der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung unmissverständlich gesagt werde, «dass Frauen bei uns kein Freiwild sind und bei Angriffen auf deren persönliche Integrität schwerwiegende Konsequenzen drohen». Bei der Diskussion über Kurse seien zudem auch die hohen Kostenfolgen zu bedenken.

Dieses Argument lässt Schenker nicht gelten: «Wenn wir verhindern können, dass Übergriffe wie in Deutschland passieren, lohnt sich die Investition allemal.» Davon profitierten nicht nur die potenziellen Opfer, sondern auch die anderen Asylbewerber. «Der ganz grosse Teil, der sich nie etwas zuschulden kommen lässt, droht sonst unter Generalverdacht zu geraten.»

(daw/jbu)