«Hässlicher Antisemitismus»

15. August 2017 10:47; Akt: 15.08.2017 14:52 Print

Aroser Hotel provoziert Shitstorm in Israel

In einem Aushang forderte ein Apartmenthaus explizit jüdische Gäste auf, sich vor dem Baden zu duschen. In Israel ist die Empörung über den «antisemitischen Akt» riesig.

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Das Aparthaus Paradies in Arosa beherbergt immer wieder jüdische Gäste – aus Grossbritannien, den USA oder Israel. Nun steht es aber im Zentrum eines weltweiten Shitstorms. Ausgelöst hat diesen ein israelischer Familienvater, der sich nach einem Besuch des Hotels gegenüber israelischen Medien empört über den offenen Antisemitismus im Gästehaus zeigte.

Für Empörung sorgt insbesondere ein Aushang, den die Verantwortliche am Samstag beim Pool angebracht hatte: «An unsere jüdischen Gäste: Bitte duschen Sie, bevor Sie schwimmen und auch nachher. Wenn Sie gegen die Regel verstossen, bin ich gezwungen, den Swimmingpool für Sie zu schliessen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.»

«Antisemitischer Akt der übelsten Sorte»

Ein Foto des Schildes verbreitet sich nun rasend schnell im Internet, sämtliche israelischen Medien berichteten über den Fall. Sogar das Aussenministerium des Landes schaltete sich ein. Die stellvertretende Aussenministerin Tzipi Hotovely verurteilte die Aktion des Gästehauses als «antisemtischen Akt der übelsten Sorte». Sie forderte juristische Konsequenzen für die Urheberin des Aushangs – und verlangte eine offizielle Entschuldigung.

In der «Jerusalem Post» wird sie mit den Worten zitiert: «Leider ist Antisemitismus in Europa immer noch eine Realität und wir müssen sicherstellen, dass die Bestrafung von Vorkommnissen wie diesen abschreckend wirken für jene, die immer noch das Virus des Antisemitismus in sich tragen.»

Gästehaus bedauert Wortwahl

Angebracht hat den Aushang R. T.* Sie betont, es handle sich nicht um ein Hotel, sondern um ein Haus mit Ferienwohnungen, die etwa Booking.com vermietet würden. Sie sei die Abwartin und die Ansprechpartnerin für Gäste. Nach Reklamationen habe sie am Samstag den Aushang angebracht. «Die Wortwahl war falsch. Im Nachhinein ist man immer schlauer», sagt sie zu 20 Minuten. Es seien jeweils jüdische Gäste ohne zu duschen schwimmen gegangen, weshalb sie sich direkt an die Gruppe adressiert habe.

Überrumpelt hat sie der Shitstorm: «Seit gestern klingelt das Telefon ununterbrochen, zudem habe ich viele gehässige Mails bekommen.» Auch das Aussendepartement habe sich bei ihr gemeldet. Sie hält fest: Sie sei sicher keine Antisemitin, «sonst würden wir keine jüdischen Gäste beherbergen».

*Name der Redaktion bekannt

(daw)