Studie

21. Mai 2015 17:16; Akt: 21.05.2015 17:16 Print

Jugendliche Opfer sind oft selbst gewalttätig

Forscher haben in der Öffentlichkeit weniger Jugendgewalt festgestellt. Die Verbreitung von Pornos und gewaltverherrlichenden Games hat dagegen zugenommen.

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Körperverletzungen, Raub oder Erpressungen sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Jugendliche sind in der Öffentlichkeit seltener gewalttätig, bei der Zahl sexueller Straftaten gibt es dagegen wenig Veränderung. Gewalt wird öfter virtuell ausgeübt, wie aus einer Studie hervorgeht, die in Lugano vorgestellt wurde.

Körperverletzungen, Raub oder Erpressungen seien in den letzten Jahren stark zurückgegangen, sagte Denis Ribeaud von der ETH Zürich am Mittwoch in Lugano. Dort tauschten sich über 300 Fachpersonen aus der ganzen Schweiz über Präventionsmassnahmen im Bereich der Jugendgewalt aus. Er und seine Kollegin Sonia Lucia vom CHUV Lausanne verglichen die Situation der Jugendgewalt in Zürich und Lausanne miteinander.

Weniger Gewalt im öffentlichen Raum

Formen von Körperverletzung und Raub unter Jugendlichen hätten abgenommen, so die Forscher. Dies sei vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: Der Drogen- und Alkoholkonsums bei Jugendlichen sei in den vergangenen 12 Monaten zurückgegangen. Ausserdem hielten sich Menschen aus dieser Altersgruppe weniger im öffentlichen Raum auf.

Jugendliche blieben dagegen tendenziell öfter daheim - die Verbreitung von Pornos und gewaltverherrlichenden Computerspielen habe zugenommen. Cybermobbing und Online-Hassreden seien neue Formen der Gewalt.

Sexuelle Gewalt sei zudem nicht mehr von Altersunterschieden geprägt. Sie komme immer häufiger auch unter Gleichaltrigen oder zwischen kaum älteren Jugendlichen vor. Die Gewalt durch Ältere in den Familien sei hingegen rückläufig, sagte Sonia Lucia zum Abschluss ihres Vortrags.

Mehr Machos und undurchsichtige Rollenverteilung

Laut den Forschern lassen sich zwei weitere Phänomene unter Jugendlichen beobachten, die 2015 heranwachsen: Opfer seien heute auch oft selbst Gewalttäter - und erstatten selten Anzeige.

Zugleich finde eine «Machoeinstellung» bei männlichen Jugendlichen eine immer grössere Akzeptanz: «Ein richtiger Mann sei bereit zuzuschlagen, wenn jemand seine Familie beleidigt», lautet ein Beispielsatz, den die Forscher zitieren.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 17 Jähriger am 21.05.2015 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Macho-Einstellung

    Und da fragt man sich wieder, woher kommt bloss diese Macho-Einstellung? Die meisten werden es wissen.

  • Schööfli am 21.05.2015 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer mit Gewalt

    Also mit Gewalt die Beleidigungen gegen die eigene Familie zu lösen entstammt sicher nicht der Schweizer Kultur. Oder will man uns das jetzt auch noch zuschieben oder übernehmen wir diese Art von Konfliktlösung? Hoffe nicht!

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  • A.H. am 21.05.2015 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Gerechtigkeit für Opfer?

    Die körperliche und seelische Unversertheit eines jeden Menschen ist das höchste Gut auf Erden. Unsere Justiz muss Gewalttäter viel härter sanktionieren und opfergerechte Strafen einführen! Weg mit dem Therapitis-Staat, hin zum Wiedergutmachungs-Staat! Danke.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel H. am 22.05.2015 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Kultur

    Nun wer denkt, das Schweizer Volk, sei ein Friedliches Volk, der sollte sich nochmal mit der Schweizer Geschichte auseinander setzen. Dies zur Schweizer Kultur. Des weiteren weigert sich Herr und Frau Schweizer, ein Gesetz zu zu lassen, das Kinder vor GEWALT in der Familie SCHÜTZT! Eltern dürfen Ihre Kinder mit Gewalt Bestrafen! Kinder haben in der Schweiz kein Recht, auf Gewaltfreie Erziehung! Also wer sich über Gewalt bei Kindern wundert, sollte bei sich und der Gewalt anfangen nach zu denken !

  • Art am 22.05.2015 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dominik wirft Alle in den

    gleichen Topf. Logischer Weise sind diejenigen die aus Kriegsgebieten kommen eher zu Gewalt bereit. Steht ja im Titel: Die OPFER werden mal selbst GEWALTTÄTIG. Das zu erkennen und benennen braucht man kein Mut oder Jurist zusein. Finden sie Lösungen Dominik. Die Leute könnten "geheilt" und gebraucht werden von der Gesellschaft.

  • Konrad21 am 22.05.2015 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuschte über jetzige G.

    Die Hipster Generation: Sie ist alles Andere als was man von einer Jugend erwartet: Sie ist konservativ, wieder gewaltverherrlichend, Ihr Leben spielt sich nur in der Digitalen Welt ab. Sie sind nicht liberal oder aufgeschlossen wie in den 90er. Sie gehen nicht mehr raus und Unternehmen was. Nein Stattdessen passen Sie sich vollständig der Alten vor 60er Generation an, Spiessig aber zugleich wieder Machoverherrlichend. Egozentrik statt Solidarität. Die Jugend dreht das Rad der Zeit zurück.

  • Fabi am 22.05.2015 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Macho = Cool

    Das Problem ist das man heutzutage als "Cool" gilt wenn man sich wie ein Macho aufführt und Probleme macht. Aber wir wissen ja alle woher das kommt.

  • Reto Maurer am 22.05.2015 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Da kommt etwas auf uns zu!

    Bin seit 3 Jahren Jugendarbeiter. Die erwähnte Machohaltung hat sich in den letzten Jahren in die Schweiz importiert und wird leider inzwischen auch schon von den "dümmeren" Inländern übernommen. Viele Schweizer (speziell Mädchen) gehen inzwischen gar nicht mehr in den Ausgang oder seltener in die Öffentlichkeit, weil sie die Konfrontation scheuen. Eigentlich tragisch... aber leider Realität und erst der Anfang.