Dialekt-Kurse für Deutsche

21. Januar 2017 21:57; Akt: 23.01.2017 11:47 Print

«Rübli, das sind Karotten»

Ein deutscher Student will seine Landsleute mit Dialekt-Kursen besser in der Schweiz integrieren. So soll man auch beim anderen Geschlecht punkten.

Youtuberin RockDestiny erklärt, was beim «Poschte» in der Migros zu beachten ist. (Video: schweizerdeutsch-lernen.ch)
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Michael Jakob (22) aus München zog vor 18 Monaten für ein Master-Studium an der ETH nach Zürich. Hier angekommen, machte ihm die Sprachbarriere trotz seines süddeutschen Dialekts zu schaffen. «Nach einem Monat in der Schweiz war ich komplett überfordert. Ich hätte nie erwartet, dass es so anders ist», sagte er der «Aargauer Zeitung».

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Sollen Deutsche in der Schweiz Schweizerdeutsch lernen?
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Nach vier Monaten habe er sich die Frage gestellt, die sich laut ihm alle Deutschen, die länger in der Schweiz leben, stellen: «Soll ich es lernen, oder reicht es, wenn ich es verstehe?» Er entschied sich dazu, es zu lernen. «Ich finde Schweizerdeutsch eine schöne Sprache, ich will es am Leben erhalten.» Er glaube, auf diese Weise integriere man sich besser. Es sei auch ein Zeichen des Respekts.

Beauty-Expertinnen als Schweizerdeutschlehrerinnen

Doch der Student fand kein geeignetes Lernmaterial. Ein schlecht aufbereitetes Online-Wörterbuch und teure Offline-Kurse für über 1000 Franken im Monat waren für ihn nicht zufriedenstellend. Darum gründete er im Frühling 2016 die Plattform «Schweizerdeutsch-lernen.ch».

Für 97 Franken erhält der lernwillige Ausländer Zugang zu zahlreichen Videos, bei denen er von Zürcher, St. Galler, Berner und Basler Tutoren unterrichtet wird. Diese stammen aus Jakobs Freundeskreis und von Youtube: Junge Frauen, die sonst Beauty-Tutorials oder Festival-Videos machen, haben nun für ihn Sprachvideos aufgenommen. Die Deutschen werden in den Videos zum Beispiel von YouTuberin Anne mit zum «Poschte» in die Migros genommen, und es wird erklärt: «Rübli, das sind Karotten. Härdöpfel, das sind Kartoffeln.» Gezeigt wird auch, wie man einen Arzttermin am Telefon vereinbart.

Flirten auf Bündnerdeutsch

Die Plattform erfreut sich grosser Beliebtheit. 300 Abonnenten haben das Programm bereits genutzt. Jakob zahlt sich und seinem Partner einen Lohn von 2000 Franken aus. Die Website besuchen monatlich etwa 2000 Leute, auf Facebook hat seine Sprachhilfe fast 12'000 Likes. Nutzer schwärmen: «Unglaublich! Es gibt echt zu jeder Alltagssituation ein Video, man kann alles sofort umsetzen.»

Sollten sich die Deutschen in der Schweiz einmal einsam fühlen, so gibt es im Schweizerdeutsch-Wörterbuch auch die Sektion «flirten». Im Nachschlagewerk sind die Sätze im Bündnerdialekt verfasst, um auch einen Ostschweizer Dialekt zu berücksichtigen. «Möchtisch mit miar en Kaffi go trinka?», lernt man dort zu fragen. Auch das klassische «Kunnsch du hüfig do hära?» steht auf der Vokabelliste, genauso wie die wichtige Frage «Häsch du a Fründin?».

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • a.ezeh76 am 22.01.2017 00:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rübli

    wenn sie schon schweizerdeutsch lehren will, sollte sie es selbst auch aussprechen können! Wer sagt denn "Rübli"? Das heisst ganz klar " Rüebli".

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  • Mb75 am 22.01.2017 02:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz wichtig

    anstelle von: 'ich krieg dann mal' heisst es korrekt: 'ich hätte gerne'.....

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  • Martin Brändle am 22.01.2017 01:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht!

    Liebe Deutsche: Ja, es ist toll (und auch sehr wünschenswert!), wenn/dass Ihr unser "Schwizerdütsch" versteht! Aber bitte, bitte, bitte versucht nicht, es zu sprechen? Warum? Weil es bei 95% absolut lächerlich tönt! .....übrigens: Bei einem großen Teil von uns Schweizern tönt es leider genauso lächerlich, wenn die versuchen, richtiges (Hoch-)Deutsch zu sprechen ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mirko Timm am 22.01.2017 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    nö Das sind Möhren keine karotten

  • Martial2 am 22.01.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lustig, interessant...

    Auch Baslerdytsch mit originellen Ausdrücke wie: E Gugge, e Schwöbli, e Rahmtäfi, Nondefahne, übersetzt in der Reihefolge: Eine Tragetasche, ein Brötchen, Rahm-Bonbon, Herr Gott noch ein mal (französisch: Nom de Dieu)!!

  • Martial2 am 22.01.2017 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommunikation ist wichtig...

    Ausländer sollten nicht die über 20 Schweizer Dialekte lernen, verstehen reicht schon. Wenn wir nach Deuschland, Österreich, Frankreich reisen, werden wir bestimmt nicht alle diese Dialekte lernen wollen, oder?

  • china am 22.01.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt und viel Spass beim lernen

    Finde ich super dass einige Leute den Aufwand "Schwitzerdütsch" zu lernen auf sich nehmen. Kleiner Tip, das Iphone kann man auch auf Schwitzerdütsch einstellen. Toi Toi Toi beim lernen und willkommen in der Schweiz.

  • Bartmann am 22.01.2017 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dialekt, MundArt oder Sprache?

    Ich lebe seit über 30 Jahren in der Schweiz und der einzige Grund warum man mir das nicht anhört ist, dass ich die ersten 6 Jahre lang nur zugehört und strickt Hochdeutsch gesprochen habe. Ich han e noii schpraach dezue gunnä un nid beedi draagä. Übrigens sollten Schweizer stolz auf ihre Mundart sein, es sind Sprachen mit eigenen Vokabeln und Grammatik, nicht "nur" Dialekte. Und manches lässt sich nur so treffend ausdrücken, nicht übersetzen. Mein Tipp an Deutsche: ein korrektes Grüezi statt hartem Grützi kann nicht schaden, aber hört erst richtig zu bevor ihr radebrecht!

    • Martial2 am 22.01.2017 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bartmann

      Auch in Deutschland gibt es herzige schöne Dialekte wie: Bayerisch, Schwäbisch, hingegen berlinerisch weniger... Ansichtssache!

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