Jugend und Sex

20. Januar 2017 20:50; Akt: 20.01.2017 20:50 Print

«Freundschaft plus hat etwas Ungezwungenes»

von D. Pomper - Jeder Zehnte unter 24 schläft mit guten Freunden. Psychologin Eveline von Arx weiss warum.

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61 Prozent der 14- bis 24-Jährigen fällt es schwer, sich zu binden. 40 Prozent der 14- bis 24-Jährigen schlafen nur in einer festen Partnerschaft miteinander. Für vier Prozent ist gar die Ehe Bedingung für den Beischlaf. Ein Viertel vergnügt sich bei einem One-Night-Stand, 14 Prozent haben Affären. Jeder Zehnte gibt an, auch einmal mit guten Freunden Sex zu haben. (Screenshot aus dem Film «Friends with Benefits» mit Justin Timberlake und Mila Kunis) Das Gleiche gilt auch für Oralsex. Wobei ebenfalls jeder Zehnte angibt, grundsätzlich keinen Oralsex zu praktizieren. Mögliche Sexpartner lernen die Jungen hauptsächlich im Ausgang (37%) und im Freundeskreis kennen (25%). Das Datingportal Tinder nutzt dagegen gerade mal ein Prozent. 17 Prozent der Männer haben mindestens schon einmal für eine sexuelle Leistung bezahlt, 25 Prozent schliessen es nicht aus. Fast 60 Prozent geben an, dass sie das nie tun würden, 55 Prozent finden es problematisch, Prostitution in Anspruch zu nehmen. Pornografie konsumieren 88 Prozent der 14- bis 24-jährige Männer, 57 Prozent mindestens zwei- bis dreimal die Woche. 63 Prozent der jungen Frauen geben an, nie Pornos zu schauen, 15 Prozent einmal pro Woche. 17 Prozent aller Jugendlichen würden sich als porno- oder sexsüchtig bezeichnen. Ein Prozent ist deswegen in psychologischer Behandlung. Fünf Prozent der jungen Frauen haben mindestens schon einmal Geld oder Geschenke gegen sexuelle Leistungen angenommen, jede Zehnte schliesst es nicht aus. 86 Prozent würden das nie tun. 86 Prozent der Frauen fühlen sich von Männern genügend respektiert. Bei den Männern fühlen sich neun von zehn Männern von Frauen respektiert.

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Frau von Arx*, 40 Prozent der 14- bis 24-Jährigen haben erst Sex, wenn sie in einer Beziehung sind. Erstaunt Sie das?
Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Jugendlichen heutzutage gleich mit jedem ins Bett springen. Aus meiner Tätigkeit mit Jugendlichen weiss ich, dass sich ein grosser Teil gerade auch das erste Mal innerhalb einer Beziehung wünschen. Sie wollen in einem vertrauten Rahmen Sex haben, mit einer Person, für die sie Gefühle empfinden.

Dennoch haben immerhin 40 Prozent bereits bei einem One-Night-Stand oder mit einer Affäre Sex.
Sexuelle Erfahrungen können ja durchaus auch in Bekanntschaften gemacht werden, die von kürzerer Dauer oder weniger verbindlich sind.

Jeder Zehnte gibt an, mit «guten Freunden» zu schlafen oder Oralsex zu haben. Was muss man sich darunter vorstellen?
Man vergnügt sich mit jemandem, der einem vertraut ist und zu dem eine gute Verbindung besteht – ohne dass man nach aussen als Paar auftritt. Diese Freundschaft plus hat etwas Unbeschwertes, Ungezwungenes.

Ist bei Sex unter Freunden nicht oft bei zumindest einem doch etwas Gefühl dabei?
Vielleicht sind sogar beide ein wenig verliebt! Aber sie haben einfach keine Lust, sich zu binden. Solange sich keiner unter Druck fühlt, in einer Freundschaft mehr zu geben als er will, ist alles im grünen Bereich.

Die Mehrheit der Jugendlichen braucht nicht die grosse Liebe für Sex. Auf Sex gegen Geld haben die meisten aber keinen Bock: 60 Prozent der jungen Männer geben an, dass sie nie für Sex bezahlen würden. 55 Prozent finden es problematisch, Prostitution in Anspruch zu nehmen. Warum diese Skepsis?
Offenbar ist die Käuflichkeit von Sexualität für die meisten jungen Männer keine Option. Vielleicht ist ihnen diese Beziehungsform zu begrenzt.

Ausländer (24%) und Schweizer mit Migrationshintergrund (26%) bezahlen gemäss der Umfrage häufiger für Sex als Schweizer (14%). Was könnten die Gründe dafür sein?
Da bin ich überfragt. Dazu müsste man wirklich weitere qualitative Befragungen durchführen und mit den betroffenen Männern sprechen.

Auch junge Frauen sind von Prostitution betroffen. Fünf Prozent geben an, mindestens schon einmal Geld oder Geschenke gegen sexuelle Leistungen angenommen zu haben, jede Zehnte schliesst dies nicht aus. Was denken Sie darüber?
Ob es moralisch verwerflich ist, wenn die Frau mit jemandem Sex hat und dafür eine Label-Tasche geschenkt bekommt – darüber möchte ich nicht urteilen. Wenn ich eine Tochter hätte, die solche Deals einginge, würde ich sicher das Gespräch mit ihr suchen und sie fragen, warum sie das mache, welche Bedürfnisse sie dazu bewegten und was sie sich davon erhoffe.

Die Umfrage zeigt weiter: 88 Prozent der 14- bis 24-jährigen Männer schauen Pornos, 57 Prozent mindestens zwei- bis dreimal die Woche. 17 Prozent aller Jugendlichen würden sich als porno- oder sexsüchtig bezeichnen. Ab wann sollte man handeln?
Spätestens wenn man dadurch die Schule, Lehre, Arbeit, aber auch Freundschaften und Hobbys merklich vernachlässigt, sollte man etwas ändern und sich allenfalls auch Hilfe suchen. Gerade den ganz Jungen müssen Eltern und Schule bewusst machen, dass das, was sie da sehen, nicht der Realität entspricht. Die Bilder könnten sie sonst unnötig unter Druck setzen, gerade weil ihnen die Erfahrung fehlt.

Das Verhältnis zwischen jungen Männern und Frauen scheint hierzulande entspannt: Beide Geschlechter fühlen sich gegenseitig mehrheitlich respektiert. Einer von zehn Männern aber fühlt sich von Frauen respektlos behandelt. Wann ist das der Fall?
Wenn sie das Gefühl haben, dass die Frauen mit ihnen spielen, sie ausnutzen, sie herablassend behandeln. Diese Form des fehlenden Respektes ist kränkend und kann sich auf subtile Weise äussern. Viele Männer reden dann auch nicht darüber, weil sie allenfalls befürchten, als Weicheier abgestempelt zu werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lover am 20.01.2017 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch mit Sosse!

    Freundschaft plus ist nichts anderes als eine Affäre. Es tönt einfach weniger verrucht. Aber etwas anderes ist es nicht!

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  • KillerQueen am 20.01.2017 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Geschichte....

    Jedem das seine, soll doch jeder selber entscheiden.^^

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  • Rapunzel am 20.01.2017 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    1 von 10 Frauen auch

    Das Gleiche hat die Umfrage doch gegenüber Frauen herausgebracht - wird es hier als normal angesehen, dass Frauen sich genauso "wenig" respektiert behandelt fühlen? Oo

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 40Plus am 21.01.2017 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plus ist kurzfristige Freude

    Als Mann kann ich den Frauen einen guten Tipp geben. Ihr bleibt nicht ewig attraktiv und anziehend. Wenn ihr in dieser Zeit nicht den richtigen findet - und auf das solltet ihr euch konzentrieren - dann werdet ihr zwangsweise nur noch Bekanntschaften plus geniessen können. Der richtige Mann ist logischerweise nicht der, der nur das Plus sucht.

  • Dodo am 21.01.2017 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurzaffairen sind besser

    Ich fand Freudschaft+ früher echt gut. Doch dann fand ich den letzten aufeinmal gut und musste es beenden.. ich hab lange stillschweigend, gelitten.. Seither bin ich lieber alleine, als dass ich mir das nochmals antun möchte.. Für mich gibts seither nur noch Kurzaffairen, mit welchen ich nie eine Beziehung eingehen würde..

  • Susanne am 21.01.2017 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polygamie

    Ja das ist doch super. Ich verstehe viele Leute nicht die gegen "Friends with benefits" sind.. Menschen sind sowieso geschaffen für Polygamie.. Das sieht man bei vielen Menschen die unglücklich in Monogamischen Beziehungen sind und sich das Jahre lang antun. Kann ich nicht nachvollziehen..

    • RF302 am 21.01.2017 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susanne

      Aha. Spannende These. Und die anderen sind dann also glücklicher? Das sieht man ja auch bei vielen... Es ist wohl eher das Misstrauen ins Gegenüber das kontinuierlich wächst... Ich denke, dass man immer etwas bei einem Partner liegen lässt. Und am Schluss hat man kein Vertrauen mehr. Ich sage es mal so: Ist man ein Apfel und lässt sich Stück für Stück abbeissen, ist man am Schluss das "Bütschgi/Gräubschi" oder was auch immer.

    • rodeo am 21.01.2017 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RF302

      du kannst alles so benennen , wonach dir zumute ist , glücklicher wirst auch du danach nicht sein. tip : such bei dir selbst weiter , fündig wirst du allemal. ( selbstkritik vorausgesetzt , inkl. weitsicht ) , viel spaßs

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  • Der 1 von Mio am 21.01.2017 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die 1e sonst keine

    Jeder mensch ist ein juwel.. Traurig das menschen sowas tun. Ich verstehe nicht warum man sowas macht.. früher fand man sein herzblatt und hatte es für immer, da gab es niemand anderes.. heute spielt man mit menschenkörpern als wären sie Stühle oder Hotels.

    • rodeo am 21.01.2017 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der 1 von Mio

      nein , ein stuhl oder ähnliches ist kalt , der mensch , solange er lebt , ist warm , noch fragen ?

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  • Freundin ohne Vorgänger am 21.01.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bezihungs angst

    und dann ist man nurnoch der/die next bessere.. Schade das man solches macht, früher war man stolz drauf die erste und einzige zusein oder nicht vorgänger besitzt zuhaben.. manche männer oder Frauen legen noch wert drauf das der partner keinen Vorgänger/In gehabt zu haben, auch anders rum. schade um die heutige menschheit. Da verstehe ich, warum viele angst haben in eine Beziehung zu gehn. finde ich traurig :(

    • rodeo am 21.01.2017 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freundin ohne Vorgänger

      wir leben im 2017 , ihre denkweise basiert in den jahren , als es noch kein farbfernsehen gab , dennoch respekt zolle

    • RF302 am 21.01.2017 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @rodeo

      Darf man im 2017 keine Werte mehr haben?

    • rodeo am 21.01.2017 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RF302

      solange man lebt , sind werte menschlicher art zugegen , vor falscher auffassung geschriebenen inhaltes ist niemand befreit

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