Konkurrenz zu Pfefferspray

04. März 2016 21:57; Akt: 05.03.2016 12:33 Print

Schweizer bewaffnen sich mit Elektroschockern

von R. Landolt - Bei Personenkontrollen findet die Polizei vermehrt Elektroschock-Geräte. Das Internet macht den Import einfach.

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In der Schweiz sind Elektroschockgeräte verboten. Laut Waffengesetz können sie die «Widerstandskraft von Menschen beeinträchtigen oder die Gesundheit auf Dauer schädigen». (Bild: Boris Roessler)

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«Ein zuverlässiger Elektroschocker, der in brenzligen Situationen ein deutlich höheres Gefühl von Sicherheit gibt» – so bewirbt ein deutscher Online-Händler das Modell «PTB 500‘000 Volt Mini». Durch seine geringe Grösse passe er in jede Hosentasche. In nur vier bis fünf Sekunden bringe das Gerät einen Angreifer «durch Muskelkrämpfe zu Fall» und verursache «einen Schock für mehrere Minuten aufgrund sehr starker Nervenschmerzen».

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Produkte wie dieses finden derzeit reissenden Absatz. Die Kölner Silvester-Übergriffe führten in vielen deutschen Waffengeschäften zu leeren Regalen. Bis zu 500‘000 Volt Spannung entwickeln die Modelle, die in Deutschland ohne Waffenschein erhältlich sind. Ihr Stromstoss ist damit 50-mal stärker als der eines elektrischen Kuh-Zauns. In der Schweiz sind die Geräte verboten: Laut Waffengesetz können sie die «Widerstandskraft von Menschen beeinträchtigen oder die Gesundheit auf Dauer schädigen».

Doch auch hierzulande bewaffnen sich immer mehr Menschen mit Elektroschockern: «Bei Personenkontrollen stellen wir vermehrt Waffen wie Messer, Schlagringe und Elektroschock-Geräte sicher», sagt Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen.

Angst vor Übergriffen

Im Kanton St. Gallen wurden bis 2011 jährlich weniger als zehn Fälle mit Elektroschockern registriert, 2015 waren es bereits 24. Die St. Galler Grenzwache fand letztes Jahr gar 80 Geräte. Auch die Stadtpolizei Zürich stellte in den letzten zwei Jahren eine Zunahme fest, wie Sprecher Marco Cortesi sagt. Die meisten gäben an, sich selbst verteidigen zu wollen, falls etwas passiere. «Sie haben Angst vor Übergriffen und fühlen sich so sicherer.»

Der deutsche Händler sagt auf Anfrage, dass Elektroschocker bei Frauen wie Männer gefragt seien. Die Zürcher und die St.Galler Stadtpolizei finden sie hingegen primär bei Männern: «Frauen tragen eher die legalen Pfeffersprays», so Dionys Widmer. Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen, sagt, zur Zunahme habe wohl auch der immer populärere Online-Handel stark beigetragen. «Im Netz ist fast alles zu haben», sagt auch Cortesi von der Stadtpolizei Zürich.

«Sie können Ihr Gerät in Deutschland oder Österreich abholen»

Elektroschocker sind übers Internet einfach zu beziehen: In einem Blog wird etwa darauf hingewiesen, dass Elektroschock-Geräte in der Schweiz illegal sind. «Solltest du dennoch einen kaufen wollen, kannst du das online machen.» Der angegebene Link führt zum Online-Händler Amazon. Dieser preist die Elektroschocker als «Viehtreiber» an – mit dem Hinweis, dass ein Versand in die Schweiz nicht möglich ist. Im Internet sind die günstigsten Produkte ab 40 Franken erhältlich.

Wie man dieses Hindernis umgehen kann, verrät ein Anruf beim deutschen Online-Händler: «Sie können selbstverständlich eine Adresse in Deutschland oder Österreich angeben und das Gerät dort abholen.» Einziges Problem: Auch bei ihm seien die Elektroschocker ausverkauft, «nur in Österreich sind noch ein paar erhältlich».

Welche Modelle bei Schweizern besonders beliebt sind, kann Cortesi von der Zürcher Stadtpolizei nicht sagen: «Es gibt zu viele unterschiedliche Modelle.» Er weiss aber, dass viele als Handy oder Taschenlampe getarnte Elektroschocker im Umlauf sind. Sicher ist, dass es sich bei den gefundenen Geräten «nicht um die Taser handelt, die die Polizei einsetzt und die einen mit einem Schuss vorübergehend ausser Gefecht setzen», so Widmer von der Stadtpolizei St.Gallen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba1314 am 04.03.2016 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneller isch de gschwinder

    Wenn die Opfer bewaffnet sind mit Elektroschocker dann wohl auch die Täter..

  • a_yo am 05.03.2016 04:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht besonders Fragwürdig.

    Da wundert man sich wieso? Jeden Tag liest man von Vergewaltigungen, Einbrüchen, Schlägereien und Tötungsdelikten. Und es geht gar nicht darum, sich gegen Ausländer oder Flüchtlinge zu schützen. Sondern darum sich wehren zu können wenn man angegriffen wird. Gerade als Frau. Egal gegen wen..!

  • Robib Lee am 05.03.2016 04:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben mit der Gefahr

    Die schweizer Regierung unternimmt meines Erachtens viel zu wenig um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Möglichkeit für Zivilisten sich zu bewaffnen bildet nur einen Teil der Lösung. Jedoch ein unglaublich wichtiger! Die Polizei kann einfach nicht immer überall sein. Ganz nach dem Motto "security is a shared responsibility" müssen wir Bürger uns und unsere nächsten schützen. Dazu gehört Wachsamkeit, Reaktion, Courage und AUSRÜSTUNG.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ombra am 05.03.2016 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht so eng sehen...

    prävention ist besser als behandeln...

  • Babydragon am 05.03.2016 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kampfsport für Frauen

    eigentlich schade das wir so was brauchen .aber in dieser Zeit wo Gewalt und Terror immer mehr ein tehma ist .kann ich es sehr gut verstehen das man sich schützen kann ist voll ok .Man hört immer wieder das Frauen angegriffen werden .und da kan so ein schocker gut sein ..was auch gut und vorteilhaft wãre das Frauen kampfsport ausüben könnten .würde selbsvertrauen geben und in einer notsitvation kann es auch helfen .auch bei einen angrif von einem Mann ...die Frau legt den Mann mit kampfsport zu Boden und für den tãter eine unangenehme Situation der völlig überraschend besiegt wird von der Frau ..sie kann Dan dovonrennen und die Polizei rufen oder bei möglich keit ihn sogar festhalten bis Polizei eintrifft .

  • Realist am 05.03.2016 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser Pfefferspray

    Was ist, wenn die Täter aufrüsten mit Elektroschocker? So oder so eine gefährliche Waffe, die bei Personen mit Herzproblemen sogar zum Exitus führen können. Pfefferspray ist ebenfalls wirkungsvoll, jedoch wenigen gefährlich.

  • Robib Lee am 05.03.2016 04:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben mit der Gefahr

    Die schweizer Regierung unternimmt meines Erachtens viel zu wenig um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Möglichkeit für Zivilisten sich zu bewaffnen bildet nur einen Teil der Lösung. Jedoch ein unglaublich wichtiger! Die Polizei kann einfach nicht immer überall sein. Ganz nach dem Motto "security is a shared responsibility" müssen wir Bürger uns und unsere nächsten schützen. Dazu gehört Wachsamkeit, Reaktion, Courage und AUSRÜSTUNG.

    • Terribile am 05.03.2016 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Robib Lee

      voll den Ton getroffen.

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  • a_yo am 05.03.2016 04:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht besonders Fragwürdig.

    Da wundert man sich wieso? Jeden Tag liest man von Vergewaltigungen, Einbrüchen, Schlägereien und Tötungsdelikten. Und es geht gar nicht darum, sich gegen Ausländer oder Flüchtlinge zu schützen. Sondern darum sich wehren zu können wenn man angegriffen wird. Gerade als Frau. Egal gegen wen..!