Kosten-Vergleich

13. Juni 2017 12:08; Akt: 13.06.2017 12:08 Print

So teuer sind Auto und Zug wirklich

Der Verkehr auf den Autobahnen nimmt ständig zu, während der ÖV stagniert. Denn das Autofahren ist günstig geworden. So viel kosten Strasse und Schiene.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Kosten für den ÖV und das Autofahren gehen in entgegengesetzte Richtungen. Das Bahnfahren wird immer teurer, das Autofahren dank modernen Autos und tiefen Benzinpreisen billiger. Ein Musterauto im Wert von 35'000 Franken kostet gemäss TCS-Angaben gut 10'000 Franken im Jahr. Der grösste Teil geht für die Amortisierung drauf. Zurzeit beträgt der durchschnittliche Preis pro Liter Bleifrei 95 gemäss TCS-Angaben 1.48 Franken, jener für Diesel 1.54 Franken. In den letzten Jahren sind die Preise deutlich gesunken. Der Kilometerpreis nimmt ab, je mehr gefahren wird. Er sinkt zum Teil fast auf 20 Rappen pro Kilometer. Die A1 bei Wallisellen ZH ist die meistbefahrene Autobahn der Schweiz. Durchschnittlich fuhren hier letztes Jahr 147'000 Autos pro Tag – noch einmal zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mit 133'000 Autos pro Tag folgte der Bareggtunnel im Aargau auf Platz 2. Ebenfalls einen Podestplatz sicherte sich der Abschnitt auf der A2 bei Muttenz BL mit 132'000 Autos. Auch die Zählstelle beim Gubristtunnel zählt zu den Spitzenreitern. Das hat Schattenseiten: Auf dem Zürcher Nordring staut sich der Verkehr am häufigsten. Zurzeit wird eine dritte Tunnelröhre gebohrt. Im Vergleich wächst der Autoverkehr stärker als der öffentliche Verkehr. Bei den Personenfahrten der Eisenbahn gab es letztes Jahr sogar ein Minus. Das liegt aber auch an der Methodik. Von der schwindenden ÖV-Attraktivität sind nicht alle Regionen betroffen. Letztes Jahr überquerten zum ersten Mal mehr als eine halbe Million Menschen jeden Tag die Zürcher Stadtgrenze im Zug.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Verkehr auf den Autobahnen nimmt zu. An den fünf meistbefahrenen Abschnitten wurden letztes Jahr hohe Wachstumsraten verzeichnet. Gleichzeitig stagniert der Marktanteil des öffentlichen Verkehrs. Das Bundesamt für Statistik verzeichnete im vergangenen Jahr sogar einen Rückgang bei den Personenfahrten im ÖV.

Umfrage
Fahren Sie mehr Auto, wenn der Benzinpreis sinkt?
6 %
69 %
17 %
8 %
Insgesamt 11138 Teilnehmer

Das hat damit zu tun, dass Autofahren immer billiger wird. Moderne Autos verbrauchen weniger Treibstoff. Und sie werden günstiger.

Bahnfahren knapp günstiger

Der TCS geht davon aus, dass ein Musterauto mit einem Neupreis von 35'000 Franken und einer Laufleistung von 15'000 Kilometer im Jahr 10'435 Franken kostet. Das entspricht 70 Rappen pro Kilometer. Das Bundesamt für Statistik rechnet mit einem Kilometerpreis von 55 Rappen, während der öffentliche Verkehr mit 51 Rappen zu Buche schlägt.

Den grössten Anteil machen beim Auto mit einem Drittel Amortisationskosten aus. Danach folgen Garagierungskosten, Treibstoffkosten und die Wertminderung (siehe Bildstrecke). Bei einer höheren Laufleistung sinken die Kosten.

Die Hälfte geht für Steuern drauf

Treibstoffe sind in den letzten Jahren billiger geworden. Noch vor drei Jahren kostete ein Liter Bleifrei 98 durchschnittlich 1.84 Franken pro Liter. Zurzeit sind es gemäss Angaben des TCS 1.48 Franken (ein Liter Bleifrei 95) und 1.54 Franken (ein Liter Diesel). Im europäischen Vergleich ist das ein durchschnittlicher Wert.

Beim Benzinpreis machen gemäss Daten der Erdölvereinigung Steuern und Abgaben etwa die Hälfte aus. Die Mineralölsteuer beträgt 43 Rappen pro Liter, der Mineralölsteuerzuschlag weitere 30 Rappen. Hinzu kommen 0.45 Rappen Importabgaben und 8 Prozent Mehrwertsteuer. Diese Abgaben fliessen teilweise zurück in die Strassenfinanzierung.

Bahnfahren immer teurer

Der eigentliche Benzinpreis ist abhängig vom Ölpreis an der Börse. Dieser wurde in den letzten Jahren unter anderem durch das Fracking in den USA günstiger. Auch der Dollar-Wechselkurs und die Transportkosten auf dem Rhein beeinflussen die Preise. Je mehr Wasser der Rhein hat, desto mehr Treibstoff kann mit einem Schiff transportiert werden, was die Kosten tief hält.

Im Vergleich ist der öffentliche Verkehr relativ günstig. Ein GA der zweiten Klasse kostet 3860 Franken, eines der ersten Klasse 6300 Franken. Im Gegensatz zum Autofahren ist das Bahnfahren in den letzten Jahren aber teurer geworden. Denn die Passagiere decken einen immer grösseren Teil ihrer Kosten selbst. Hinzu kommt, dass Trassenpreiserhöhungen auf die Nutzer abgewälzt wurden.

Teuerung von 185 Prozent

Das GA 2. Klasse kostete noch vor 15 Jahren 2500 Franken. Noch stärker fiel die Teuerung bei regulären Tickets aus. Bei Retour-Billetts betrug sie seit 1990 knapp 185 Prozent, bei einfachen Tickets 152 Prozent, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Weder Strasse noch Schiene decken ihre Kosten. Der Deckungsgrad ist bei den Autos mit 90 Prozent zwar höher als beim Schienenverkehr mit 46 Prozent, schreibt das Bundesamt für Statistik.

Autos kosten 5,4 Milliarden Franken

Weil die gesamten Strassenkosten aber 14-mal so hoch sind wie jene des ÖV, sind die ungedeckten Kosten in absoluter Höhe immer noch grösser. Mit 5,4 Milliarden Franken werden Autofahrer jedes Jahr durch die Allgemeinheit subventioniert, der ÖV mit 4,5 Milliarden Franken.

Zu den nicht gedeckten Kosten der Strasse zählen solche, die durch Unfälle, Umweltbelastung und zusätzliche Gesundheitskosten entstehen.

(ehs)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat am 13.06.2017 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut überlegt

    Natürlich fahre ich wenn das Benzin teurer wird weniger Auto. Gehe dann nur noch alle 2 Tage arbeiten... was denken sich diese "Experten" in Bern eigendlich?

    einklappen einklappen
  • Germane am 13.06.2017 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Der ÖV stagniert?

    Was soll ich tun? Nachts aus Langeweile fahren? Der ÖV stagniert weil zu den Kernzeiten Morgens, Abends und Nacht am WE die Züge brechend voll sind. und gegen volle Züge helfen teure Autos auch nicht.

    einklappen einklappen
  • Seltener öV Nutzer am 13.06.2017 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fahrt ( Zürich - Solothurn) und zurück

    Fahrt die Strecke mal mit der SBB ohne irgendwelche Vergünstigung wie Halbtags oder ähnliches.. ca. 75.- hin und zurück. Geht auf Sharoo miete dir ein auto in der nähe für die Gleiche Strecke und du fährst günstiger.. 50-60 chf.-

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rita Gobbi am 14.06.2017 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überfüllte Strassen

    Wenn nur Fahrzeuge unterwegs wären, die bar bezahlt sind, sähe die Sache auch anders aus...

  • Thomas am 14.06.2017 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ungleiches Mass

    Beim GA "heult"man, dass es innert 15 Jahren vin 2500 auf 3860 verteuert wurde. Beim Benzin redet man von den hohen Preisen vor 3 Jahren, es sei billiger geworden ?? meine erste Tankfüllung vor 15 (!!) Jahren lag ca. bei 1.28!

  • Triathlet am 13.06.2017 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Benzinpreis ist mir schnuppe....

    Für mich spielt es keine Rolle, wie hoch der Benzinpreis ist, denn ich tanke stets immer nur für 20 Franken :-)

    • H.P.Müller am 14.06.2017 06:21 Report Diesen Beitrag melden

      Ausland ist der Sprit Blliger

      Und wenn es geht im Ausland

    einklappen einklappen
  • C.Käser am 13.06.2017 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Kosten

    des Strassebaus/-unterhalt die angeblich von der Allgemeinheit subventioniert werden nicht ausschliesslich auf die Anzahl zugelassenen Fahrzeuge/Fahrzeughalter/-Fahrzeug- und Treibstoffsteuerzahler abgebrochen sondern auf die Anzahl beförderter, steuerpflichtiger Personen (wie im ÖV es gemacht wird) dann zahlen die Nutzer der Strassen in der Summe weit mehr Steuern als in den Strassenbau gesteckt wird. In sehr vielen Fahrzeugen sitzt nur eine Person, in vielen aber auch mehr als nur ein Person. Von Subventionierung der Strasse kann da also gar nicht geredet werden.

    • H.P.Müller am 14.06.2017 06:23 Report Diesen Beitrag melden

      Strasse Zahl und Zahlt

      Die Strasse Subvetioniert den Bund über Zölle und die MwSt. Und den OV über Treifstoff Agaben. Die LSV fliest auch in den OV

    einklappen einklappen
  • XBerta am 13.06.2017 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frisierte bilanz

    was nicht einberechnet wird sind die extraposten wie trottoir, radstreifen, bushaltestellen, fussgängerüber- und unterführungen...dies alles wird auf rechnung des autofahrers erstellt...da kann die öffentliche hand schon ihren teil beitragen...die genannten 5,4 mia. stimmen aber definitiv nicht, wenn man weiss wie rechnen geht... zudem ist die bauart viel zu luxuriös (rand- und stellstreifen auf jedem meter, beschilderungswald, kreiselkunstwerke, golfrasen entlang der autobahn etc.)