«Mary Poppins»

03. April 2012 22:39; Akt: 04.04.2012 01:29 Print

Nicht nur Reiche wollen eine Nanny

von Zora Schaad - Die Nachfrage nach Kindermädchen steigt rasant. Ab zwei Kleinen kann diese Betreuung bereits günstiger sein als eine Krippe. Die Nanny-Lehrgänge platzen aus allen Nähten.

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Mit den Kleinen Büchlein anschauen oder auch Hausarbeiten übernehmen: Nannys sind derzeit sehr gefragt. (Bild: colourbox)

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Sie kochen das Mittagessen, bauen Legotürme und pflegen selbst kranke Kinder: Immer mehr Eltern holen sich eine Nanny ins Haus, die sich während ihrer Abwesenheit um die Kinder kümmert. «Bei uns gehen täglich ein bis zwei Anfragen nach einer privaten ‹Mary Poppins› ein. Pro Jahr macht das mehrere Hundert Anfragen – achtmal mehr als noch vor drei Jahren», sagt Gisela Ebnet von NannySwiss. Viele Eltern schätzen es, sich nicht an die starren Zeiten einer Krippe ­halten zu müssen, so Ebnet.

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Ca. 1000 Nannys in der Schweiz

Nicht nur Superreiche setzen auf eine eigene Kinderfrau: «Wenn beide Elternteile berufstätig sind, kann es sich unter Umständen bereits ab zwei Kindern, sicher ab drei finanziell lohnen, eine Nanny zu engagieren», bestätigt Hedwig Beck von Childcare Service einen Artikel im «Boten der Urschweiz.» Sie schätzt, dass es in der Schweiz über tausend Nannys gibt.

Nanny-Lehrgänge sind gefragt

Diese Erfahrung machten auch Werber Stefan S.* und ­seine Frau Hanna S.*, eine selbstständige Orthopädin. Sie sind Eltern eines Babys und einer zweijährigen Tochter. «Am Anfang fanden wir die Vorstellung einer Nanny übertrieben. Doch dank unserem Kindermädchen sind wir zeitlich flexibler. Finanziell kommt es auf das ­Gleiche heraus.»
3500 bis 4500 Franken verdiene eine Nanny im Monat, erklärt Susanna Lichtensteiger vom Schweizerischen Roten Kreuz Zürich. Günstiger kommt das Nannysharing (siehe Box). Im Kanton Zürich bietet das Rote Kreuz seit 2009 jährlich vier Nanny-Lehrgänge an – «und die Nachfrage ist gross», so Lichtensteiger.

«Viele sind zwischen 30 und 35 Jahre alt»

Frau Ebnet**, wer wird Nanny?
Gisela Ebnet:
Ich zum Beispiel. Viele unserer Nannys sind ­zwischen 30 und 35 Jahre alt und haben eine pädagogische Ausbildung. Erfahrung mit Kindern ist ein Muss. Die Frauen müssen einen Strafregisterauszug vorweisen und zu uns an ein Bewerbungsgespräch kommen. Die meisten Nannys kommen aus der Schweiz oder aus Deutschland; einige aus Süd- oder Osteuropa.

Warum soll ich mein Kind nicht einfach in eine Krippe schicken?

Viele Familien haben Schwierigkeiten, einen Krippenplatz zu finden. Nannys sind ausserdem viel flexibler und hüten auch mal am Abend oder wenn das Kind krank ist. In ­einigen Familien übernehmen die Nannys auch einen Teil der Hausarbeit.

Leben die Nannys bei den Fa­milien?
Das ist unterschiedlich und hängt von den Wünschen der Eltern und den Platzver­hältnissen der Familie ab. Wir vermitteln etwa 20 bis 25 Prozent sogenannte Live-in-­Nannys.

*Namen von der Redaktion geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bibiana am 04.04.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Zuckerschlecken

    USA lässt grüssen. Ich war da auch 1 Jahr lang Nanni um die Sprache zu lernen.

  • Noemi am 04.04.2012 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die alte Leier...

    Warum sollte eine Frau und Mutter nicht das Recht haben ebenfalls eine BEZAHLTE Tätigkeit auszuführen (oder würde es euch in den Sinn kommen die Väter mit den gleichen Vorwürfen zu konfrontieren?). Aber noch interessanter finde ich, dass im Falle einer Scheidung genau dieselben Leute über die "faulen" Frauen herziehen, die ihre armen, schuftenden Männer ausnehmen anstatt arbeiten zu gehen! Was in zahlreichen Ländern seit Jahrzehnten völlig normal ist (und deren Kinder leiden ja auch nicht an irgendwelchen kollektiven Schäden) hat bei uns immernoch mittelarterliche Züge...

  • guardian am 04.04.2012 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wie heisst die?

    Für die Nanny oben auf dem Foto, würde ich meine Frau und die Kinder verlassen. Problem gelöst.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peschä am 04.04.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Krippen zu teuer?

    Wenn schon ab zwei bis drei Kinder eine Nanny günstiger ist, als die Krippe, sind Krippenplätze eindeutig zu teuer! Müssen etwa Mittelständler die Krippenplätze für Geringverdiener quersubventionieren?

  • Noemi am 04.04.2012 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die alte Leier...

    Warum sollte eine Frau und Mutter nicht das Recht haben ebenfalls eine BEZAHLTE Tätigkeit auszuführen (oder würde es euch in den Sinn kommen die Väter mit den gleichen Vorwürfen zu konfrontieren?). Aber noch interessanter finde ich, dass im Falle einer Scheidung genau dieselben Leute über die "faulen" Frauen herziehen, die ihre armen, schuftenden Männer ausnehmen anstatt arbeiten zu gehen! Was in zahlreichen Ländern seit Jahrzehnten völlig normal ist (und deren Kinder leiden ja auch nicht an irgendwelchen kollektiven Schäden) hat bei uns immernoch mittelarterliche Züge...

  • Andy m am 04.04.2012 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit ist auch wieder gefragt!

    Wo ist da die Eigenverantwortung geblieben gegenüber dem schwächsten Familienmitglied (Kind) darf dieses nicht einmal mehr die Geborgenheit der Eltern geniessen koennen. Denkt bitte auch einmal an das Kind und schraubt eueren Ego, Luxus zurück oder wenn es dann immer noch nicht reicht dann kann ja ein Elternteil am Abend oder Randzeiten arbeiten gehen um so die noetigen finaziellen Mittel zu beschaffen. Wer Kinder & Familie will muss eben früh planen koennen und auch verzichten koennen, den mit Familie ist nicht mehr alles moeglich wie früher ohne Kinder!

  • Lena Müller am 04.04.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nanny Lehrgang SRK

    Den Nanny Lehrgang vom SRK kann ich übrigens sehr empfehlen für alle angehenden Nannys oder solche die schon längere Zeit in dem Beruf arbeiten.

  • Grossfamilie am 04.04.2012 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Krippen

    Krippen sind gut für Kinder, weil sie mit anderen Kindern spielen können und ihre Sozialkompetenz entwickeln können. Heutzutage gibt's kaum noch Grossfamilien. Als wäre es gut für Kinder den ganzen Tag mit Erwachsenen zu verbringen. Das war früher auch nicht so.

    • Iris am 04.04.2012 11:44 Report Diesen Beitrag melden

      Früher

      Stimmt, weil früher blieben sehr viele Mütter daheim mit ihren Kindern und gingen mit diesen raus auf den Spielplatz, wo noch viele andere Kinder waren, wo man Sozialkompetenzen lernen konnte. Nur heute will man die Kinder ja nur noch kriegen und nicht Zeit mit ihnen verbringen müssen.

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