Hygiene-Probleme

18. September 2014 20:59; Akt: 18.09.2014 20:59 Print

Asylzentren kämpfen mit Krätze und Bettwanzen

Bettwanzen und Krätze grassieren in den Asylzentren. Einige Gemeinden schweigen das Thema tot, andere greifen im Kampf gegen die Wanzen zu radikalen Mitteln.

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Schweizer Asylzentren sind von Bettwanzen und Krätzemilben befallen. (Bild: Wikipedia)

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Wenn Asylbewerber ihren Weg in die Schweiz finden, führt sie dieser häufig durch unhygienische Orte wie die überladenen Flüchtlingskutter oder die Lager in Nordafrika. Auch in der Schweiz erwarten die Flüchtlinge aber hygienische Probleme: Bettwanzen und Krätze grassieren in den Asylzentren.

Offen bekennen sich nicht alle zu den Hygieneproblemen. Die Anwohner in Mont-sur-Lausanne VD beklagen sich im «Le Matin» darüber, dass die Gemeinde Fälle von Krätze und Bettwanzen totgeschwiegen habe, die ein Asylzentrum in der Nähe einer Schule befallen hatten.

«Es ist nicht der Fehler der Asylbewerber», sagt ein Anwohner. «Was mich aber wütend macht ist, dass die Gemeinde das Problem nicht wahrhaben will.» Erfahren hätte die Öffentlichkeit nichts, wenn die Anwohner nicht interveniert hätten, sagt er.

Dass die Information über die Bettwanzen nicht veröffentlicht worden sei, habe nichts mit Geheimhaltung zu tun, sagt Erich Dürst, Leiter des Waadländer Migrationsamts. Die Information sei einfach nicht für «genügend relevant» befunden worden, um darüber zu informieren.

Kleider von Asylbewerbern werden tiefgefroren

Offener geht man im Kanton St.Gallen mit dem Thema um. «Vor Bettwanzen warne ich schon seit Jahren», sagt Urs Weber, der Leiter der Asylabteilung im Migrationsamt in St.Gallen. Auch Fälle von Krätze seien ihm bekannt, Sorgen würden ihm aber vor allem die Wanzen machen.

«Wenn Bettwanzen erst mal in den Zentren sind, kriegt man sie fast nicht mehr raus», sagt Weber. «Abtöten kann man die Viecher nur mit extremer Hitze oder Kälte.» Krätze hingegen sei zwar übel, könne aber medizinisch relativ gut behandelt werden.

Die Schuld für den Befall sieht Weber nicht bei den Asylbewerbern. «Bettwanzen können überall vorkommen. Ich habe sogar schon von Luxushotels gehört, in denen Wanzen gefunden wurden.» In den Zentren würden aber viele Personen zusammenkommen, was schnell zu einem Befall führen könne.

Um die Unterkünfte zu schützen, greift man nun in St. Gallen zu radikalen Mitteln. «Asylbewerber, die aus den Bundeszentren zu uns kommen, müssen die Kleider, die sie am Leib tragen, waschen und den Rest abgeben. Danach wird ihr gesamter Besitz erst mal drei Tage lang tiefgefroren, um die Wanzen zu eliminieren.»

(nsa)