Millionenteurer Flop

20. September 2012 10:55; Akt: 20.09.2012 13:25 Print

Bundesrat stoppt Insieme – 150 Millionen verlocht

Das Informatikprojekt Insieme der Eidg. Steuerverwaltung wird abgebrochen. Die Weiterführung wird als zu risikobehaftet beurteilt - somit wurden 150 Millionen Franken in den Sand gesetzt.

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Urs Ursprung musste wegen des Beschaffungsskandals beim Projekt Insieme als Direktor der Eidgenössischen Steuerverwaltung gehen. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) zieht beim umstrittenen Informatikprojekt Insieme der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) die Notbremse. Departementsvorsteherin Eveline Widmer-Schlumpf teilte der Finanzdelegation der Eidgenössischen Räte (FinDel) am Mittwoch mit, dass das Projekt abgebrochen wird. Eine Weiterführung des Projekts werde als zu risikobehaftet beurteilt, weshalb sich ein Abbruch aufdränge, teilte das EFD am Donnerstag mit. Die Projektleitung habe festgestellt, dass sich das Projekt verzögere und die gesprochenen Mittel bis Ende 2015 möglicherweise nicht genügen würden. «Es gab bis vor Kurzem keine effektive Kostenkontrolle», sagte EFD-Generalsekretär Jörg Gasser gegenüber Schweizer Radio DRS.

Ursprünglich sollte Insieme bis 2013 abgeschlossen werden. Das Budget des Informatikprojekts betrug 150 Millionen Franken. Bis Mai dieses Jahres waren davon 94 Millionen Franken ausgegeben worden. Noch sei nicht klar, wie viel das Projekt letztlich kosten werde, so Gasser.

Laut Communiqué ist zwar mittlerweile das Gesamtkonzept zur Ablösung der bisherigen Informatiksysteme erstellt, jedoch sind erst 10 Prozent der notwendigen Programmierarbeiten abgeschlossen. Neben mehrmaligen Methodik- und Softwarewechseln habe sich auch die zeitweise fehlende fachliche Führung negativ auf den Projektverlauf ausgewirkt. Die Projektorganisation soll nun retten, was vom Projekt übrig bleibt. Die Arbeiten, die abgeschlossen sind, sollen gesichert und bereits erstellte Komponenten des geplanten Systems in den Betrieb überführt werden.

Von Anfang an pannenbehaftet

Das Projekt Insieme verlief von Anfang an nicht nach Wunsch. Der Auftrag war 2006 zunächst an den US-Informatikkonzern Unisys vergeben, später aber wieder zurückgezogen worden. Die ESTV musste Unisys eine Entschädigung zahlen, die Kosten für die Episode beliefen sich auf 6,4 Millionen Franken.

2011 wurde die Projektleitung ausgewechselt. Wesentliche Teile des ursprünglichen Vorhabens mussten aus dem Projektumfang gestrichen werden. Eine eingeleitete Administrativuntersuchung förderte Unregelmässigkeiten bei Beschaffungen zutage. Auch die FinDel kritisierte mehrmals, dass Aufträge ohne Ausschreibungen vergeben wurden.

Konsequenzen gezogen

Infolge der Affäre um das Projekt wurde ESTV-Direktor Urs Ursprung im Juni 2012 freigestellt. Sein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Kurze Zeit später musste zudem der Entwicklungschef von Insieme gehen, weil seine Stelle entgegen den Regeln der Welthandelsorganisation WTO nicht ausgeschrieben worden war.

In Reaktion auf die Pannen bei Insieme hatte der Bundesrat bereits im Juli Anpassungen im Beschaffungswesen des Bundes beschlossen. Insbesondere soll das Controlling bei Beschaffungen verbessert und so sichergestellt werden, dass die gesetzlichen Vorgaben - etwa im Bezug auf Auftragsvergaben ohne Ausschreibungen - eingehalten werden. Zudem will die Regierung die Führung bei Grossprojekten stärken.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon Kuhn am 20.09.2012 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranten

    Tja, so kommt es heraus wenn sich NICHT Fachkräfte etwas zuviel zumuten und NICHT auf die Fachkräfte hören wollen

  • Hans Hagel am 20.09.2012 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    SUPER

    Ganz toll! Wirklich ganz ganz toll! (augenroll)

  • René Widmer am 20.09.2012 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Es könnte viel einfacher sein..

    Die 150 Millionen und noch viel mehr könnte man einsparen, wenn die Steuersysteme vereinfacht würden. Abschaffung von Stempel- und direkter Bundessteuer und alles über die Mehrwertsteuer abwickeln und finanzieren. Das wäre nachhaltig, günstig und verursachergerecht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Daniel am 20.09.2012 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Bund der Steuerzahler?

    Gibt es eigentlich in der Schweiz auch einen Bund der Steuerzahler (analog Deutschland)? Was hier manchmal für Geld verlocht wird, es ist eine Unverschämtheit. Entweder ist es Grobfahrlässigkeit, Bequemlichkeit oder Faulheit (Überprüfung und Controlling) oder es muss gar von Korruption gesprochen werden! Ich meinte schon, dass solche Misswirtschaft nicht einfach ungestraft bleiben sollte! Schön wenigstens zu lesen, dass immerhin in diesem Fall mal Köpfe gerollt sind. Meist jedoch werden solche Fälle diskret unter den Tisch gewischt...

  • Roman Bolliger am 20.09.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Schamesröte?

    Unglaublich. Kleine Gemeinde-, Kantons- und Bundesangestellte werden zunehmend wie Zitronen ausgepresst, werden direkt/indirekt Opfer von Sparmassnahmen. Und was passiert auf den obersten Ebenen? Da wird in arroganter und schludrigster Art über die Steuergelder des Volkes verfügt, Geld und Zeitressourcen werden auf fahrlässigste Weise zum Fenster raus geworfen. Da foutieren sich höchste Politiker und Beamte um das Gemeinwohl.

  • Frau am 20.09.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu den Wurzeln

    Leute lebt einfacher und verdient weniger Geld, dann zahlt ihr weniger für solche Leerläufe. Meine Worte

  • gerold am 20.09.2012 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    skandal

    unglaublich sowas. hoffentlich muss hier jemand von den Bossen den Hut nehmen - mit Schimpf und Schande.

  • Dr. Autofahrer am 20.09.2012 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Benzinpreis wird's schon richten

    Ist doch kein Problem, den Benzinpreis um 20 rp erhöhen und das Geld ist nd ein paar Wochen wieder drin und mit dem Rest machen wir schöne Politiker Geschenke...

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