Zu kompliziert

06. Dezember 2016 06:05; Akt: 06.12.2016 09:00 Print

Hightech-Bedienung überfordert Autofahrer

Drei Viertel der Lenker lassen sich durch die moderne Technik im Auto ablenken. Das soll für viele Unfälle verantwortlich sein.

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Mehr als 100 Knöpfe rund um den Fahrersitz, riesige Touchscreens und vernetzte Systeme, die E-Mails oder SMS vorlesen oder Daten über Head-up-Displays auf die Scheibe projizieren: Moderne Autocockpits stecken voller Elektronik und komplizierter Bediensysteme. All das soll eigentlich das Autofahren erleichtern.

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Doch eine Studie der Allianz-Versicherung zeigt: Was helfen soll, lenkt auch von der eigentlichen Aufgabe im Auto ab, dem Fahren. Dies geben drei Viertel von 1600 Befragten in der Schweiz, Deutschland und Österreich an. «Je vielfältiger die Technik und je komplexer die Bedienung, desto höher ist die Ablenkung im Strassenverkehr», sagt Mathias Scheuber von der Allianz zu Studie.

Ablenkung zweithäufigste Hauptunfallursache

Die Verfasser machen denn auch die Ablenkung durch Technik im Auto und durch das Handy dafür verantwortlich, dass die Unfallzahlen zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gestiegen sind – auch in der Schweiz. So gab es 2014 insgesamt 51’756 Unfälle, 2015 waren es laut Astra rund 1500 mehr, nämlich 53’253 Unfälle.

Und: Die Ablenkung ist mit 8462 Unfällen nach der Missachtung des Vortrittsrechts (8539) die zweithäufigste Hauptunfallursache. Besonders problematisch an diesem Umstand: Abgelenkte und Unaufmerksame verursachen besonders viele Fussgängerunfälle – jene Gruppe, in denen die Zahl der Todesfälle zugenommen hat.
Die Allianz verlangt darum die Bedienung der verbauten Geräte zu harmonisieren und zu vereinfachen. So könnten diese typischen Unfälle und deren Folgen reduziert werden.

«Hightech-Auto ist eine faule Ausrede»

Für Thomas Rohrbach Sprecher des Bundesamts für Strassen Astra bieten moderne Fahrzeuge tatsächlich eine Fülle von Funktionen, die «durchaus Ablenkungspotenzial aufweisen können». Es liege auch in der menschlichen Natur, sich ablenken zu lassen.

«Hier muss sich jeder bewusst sein, dass die einzige Aufgabe des Menschen am Lenkrad die sichere Bedienung des Fahrzeugs ist.» Alles andere sei fakultativ und unter vielen Umständen ablenkend. Für Rohrbach ist es denn auch eine faule Ausrede, dem modernen Auto die Schuld zuzuschieben. Die Regel, die es zu befolgen gelte, sei ganz einfach: «Augen auf die Strasse, beide Hände am Lenker.»

«Wir können den Menschen nicht ändern»

Anders sieht dies Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte und Professor an der Universität Duisburg-Essen: «Heute kann man beim Autofahren 1000 Dinge einstellen oder verstellen, das ist verlockend.» Das reiche vom Musik-Suchen bis zur Fein-Einstellung der Heizung oder des Navigationsgeräts: «Die Möglichkeiten sich abzulenken sind deutlich grösser geworden.»

Die Hoffnung, der Mensch tue dies aus Vernunft nicht, dürfe man getrost begraben. «Er lässt sich leicht ablenken und wir können ihn nicht ändern.» Es gebe zwar immer mehr Möglichkeiten, den Lenker daran zu hindern, ablenkende Tätigkeiten auszuführen. «Neue Autos haben jetzt Sensoren, die solche Tätigkeiten bemerken oder die Bedienung des Navis während der Fahrt nicht erlauben.»

Roboterautos als Lösung

Aus seiner Sicht gibt es aber nur eine sichere Lösung gegen Ablenkung am Steuer: «Roboter übernehmen so bald wie möglich das Fahren. Sie lassen sich auch nicht von einer hübschen jungen Frau oder einem Unfall auf der Gegenseite beeindrucken.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kusi am 06.12.2016 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    wieder mehr Knöpfe!?

    So viele Funktionen wie ein modernes Auto heute bietet können nicht mehr über Knöpfe bedient werden, es braucht einen Touchscreen mit vielen Untermenüs. Und da liegt das Problem, auf dem Screen fühlt man nicht`s, man muss visuell den Butten suchen und das lenkt ab. Da hat die Autoindustrie noch einen Job zu machen.

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  • fluk am 06.12.2016 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sich der verantwortung bewusst sein

    egal was man wärend dem autofahren sonst noch tut ( lüftung, radio usw einstellen, zigi anzünden, was trinken) das fahren hat verd&$#tnochmal priorität und wer das nicht schnallt, kann mit dem öv fahren.

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  • DanielR am 06.12.2016 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zufrieden mit weniger

    Mir reichen meine drei analogen Anzeigen (Öl-Temp, Öl-Druck und Ladedruck) vollkommen aus. Aber mein Fahrzeug ist auch 10 Jahre alt. Aber das autonome Auto kommt sowieso daher haben wir die Probleme nicht mehr lange (leider).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DaviD am 07.12.2016 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Da lob ich mir...

    ..meinen 2er Golf (Country)! Einfach zu Bedienen und vorallem keine Elektronikprobleme.

    • Eddy am 07.12.2016 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DaviD

      Habe auch noch Golf 2. Fährt jeden Tag. Das geilste Auto was es gibt. Elektronikwahnsinn im Auto. Da kann man eben noch richtig fahren.

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  • Hugo von Sinnen am 07.12.2016 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Helferlein ....

    Was wichtig ist, Tempomat, Abstandshalter, Bremsassistent, automatisches Licht, und ein paar andere .....

  • Peter Lustig am 07.12.2016 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verborgene Schalter

    Wichtig ist nur der automatisch abschaltbare Kat! VW hat da einen neuen Trend gesetzt. Audi hat nun schon eine verbesserte Luxusversion serienmässig verbaut. Skoda will nächstes Jahr nachziehen. Bei Seat hat man noch nicht über den Preis entschieden.

  • Frida am 07.12.2016 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich will?

    Ein Auto das Gut verarbeitet ist, mit ABS Airback, Mehr brauchts nicht. Einziger Wunsch wäre ein Radio mit USB Mp3 funktion. So wie ein Auto von 2000 war. Dafür können sie mit dem Preis runter. Ich würde auch einen VW Jetta von 1990 Kaufen. Der hat damals nur 5 Liter Disel gebraucht. Wozu braucht man immer den Neusten Schnick Schnack

    • Tell am 07.12.2016 21:48 Report Diesen Beitrag melden

      aber sicher noch eine "Selfie" Kamera im

      Rückspiegel... wär doch süss - oder??? ;) "...mit USB MP3 Funktion. So wie ein Auto von 2000 war???" na super... welche Kiste hatte damals dies bereits??? halloo?

    • schellenursli am 07.12.2016 22:35 Report Diesen Beitrag melden

      2001 mit mp3 geht!

      Der alte Jetta/Golf hat noch einen Cassettenradio: also stecken Sie eine Adaptercassette rein, mit jack 3,5mm und diese in den Ipod o.ä.: schon haben sie Mp3 im 25 J alten auto, wie in meinem 15 J alten astra!;-) Rem: das neuste iphone geht halt nicht mehr, ohne klinkenstecker...zum Glück hab ich keins...

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  • Joël am 07.12.2016 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leichte Autos fahren besser

    Zudem das ganze unnötige Gewicht welches so auf das Auto gepackt wird... Ein M3 Coupé wiegt über 1,8 Tonnen, das ist ja nicht mehr normal... Bin glücklich mit meinem (leichten)Cupra von 2004 ;-) Radio, Klima und nen Turbo, mehr brauchts nicht hehe