Selbsttest

09. März 2017 17:14; Akt: 09.03.2017 17:30 Print

Besteht unser Redaktor die Gymiprüfung?

von Nikolai Thelitz - Würde ich es nach 12 Jahren nochmals ans Gymi schaffen? Das wollte ich herausfinden. Lesen und schauen Sie, wie es mir an der Prüfung erging.

Wie ging das nochmal mit dem Dreisatz? 20-Minuten-Redaktor Nikolai Thelitz an der Gymiprüfung. (Video: Alice Grosjean/Nikolai Thelitz)
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Schwitzige Hände und zittrige Knie: am letzten Montag traten hunderte Zürcher Schüler zur Gymiprüfung an. Unter ihnen meine Wenigkeit: Nikolai Thelitz, 27, Inland-Journalist bei 20 Minuten. Vor zwölf Jahren bestand ich die Aufnahmeprüfung mit einem Notenschnitt von 4,4 – nun wollte ich wissen, ob ich es heute immer noch schaffen würde. Die Kantonsschule Büelrain in Winterthur erklärte sich dazu bereit, mich die Prüfung absolvieren zu lassen, mit den Fragen vom letzten Jahr.

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Glauben Sie, dass Sie die Gymiprüfung bestehen würden?
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Eigentlich hätte ich mich vorbereiten wollen, hatte mir sogar Lernkärtchen und ein Grundlagenheft für Mathematik gekauft und alte Prüfungen ausgedruckt. Die Lernmaterialien blieben allerdings liegen, zu lange waren meine Arbeitstage und zu gross mein Bedürfnis, am Wochenende einfach zu entspannen. Doch ich machte mir keine Sorgen – zumindest Deutsch sollte ich als Journalist ja schon können.

Welche Wortarten lassen sich noch mal nicht deklinieren?

Am Montagmorgen um acht Uhr traf ich in der Kanti Büelrain ein. Auf den Gängen des modernen Schulhauses tummelten sich nervöse Schüler, die in ihre Handys starrten oder einander beruhigten. Zahlreiche Eltern waren vor Ort, um ihre Kinder zu begleiten – so viele, dass die Gänge der Schule verstopft waren. Ich (ohne elterliche Unterstützung) musste mich in ein separates Zimmer vorkämpfen, um die Prüfung zu absolvieren.

Dann ging es los. Die Deutsch-Prüfung bereitete mir wenig Probleme, bis auf den Grammatikteil. Welche Wortarten lassen sich schon wieder nicht deklinieren? Was ist eine Partikel? Keine Ahnung. Das Aufsatzthema: eine Geschichte weiterschreiben. Der Ich-Erzähler wird in meiner Version kurzerhand zum Terroristen. Er legt seine Motivation dar, traut sich kurz vor dem Anschlag aber dann doch nicht. Seine Komplizen führen das Attentat jedoch aus. Einen Vierzehnjährigen würde man wohl zum Schulpsychologen schicken. Ich rechne mit der Note 5.

Pyramiden-Volumen berechnen? Keine Ahnung!

Guten Mutes verlasse ich die Schule. Doch morgen würde es schwieriger werden. Prüfungen in Französisch und Mathematik standen an. Ich nahm mir fest vor, noch ein wenig zu lernen. Daraus wurde aber wieder nichts. Am nächsten Morgen wachte ich deshalb leicht panisch auf. Was würde mich erwarten? Ich hatte schon ewig keine Matheaufgabe mehr gelöst, und in den letzten Jahren höchstens ein paar Sätze Smalltalk auf Französisch gewechselt. Erinnerungen von gescheiterten ­Vokabular-Prüfungen in Französisch, von Conditionel und Subjonctif kamen in mir hoch.

Ich erinnerte mich an meine versiebten Matheprüfungen, von schriftlicher Division über Wahrscheinlichkeitsrechnung bis hin zur Integralrechnung. Als ich die Prüfung aufschlug, atmete ich auf. Ich musste einen Bruch kürzen, das gelang mir. Die zweite Aufgabe war kniffliger, und ich vergass glatt, dass ich die binomische Formel hätte anwenden müssen.

Dann sollte ich verschiedene Dreisatz-Textaufgaben und Gleichungen lösen. Das klappte besser als gedacht. Ich bekam ganze Zahlen als Lösungen, immerhin ein gutes Indiz. Nächste Aufgabe: Das Volumen einer Pyramide ausrechnen. Ich hatte keine Ahnung, wie die Formel lautet. Naja, egal, weiter.

Bin ich bald der «dümmste Journalist der Schweiz»?

Beim Französisch machte ich einiges nach Gutdünken, schrieb so, wie ich auch rede. Da im Französisch aber die Endungen oft gleich klingen, war ich mir trotzdem unsicher. Das Hörverständnis lief besser als erwartet – irgendwo ist vieles noch gespeichert.

Der Druck fiel von mir ab. Ich sollte wohl schon bestehen, dachte ich. Meine Einschätzung nach der Prüfung: 4,75. Zurück im Büro angekommen, machten die Kollegen schon Witze. Wenn ich durchfalle, würde mich die Boulevard-Konkurrenz als «dümmsten Journalisten der Schweiz» betiteln, meinte einer.

Das Resultat: überraschend gut

Am nächsten Morgen kamen die Resultate. Mit zittrigen Händen holte ich das Blatt mit den Resultaten aus dem Mäppchen. Schnitt: 5,55. Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Viele Kollegen gratulierten mir, einige nannten mich Streber. «Du bist wie diese Mädchen, die immer geklagt haben, wie schlecht es gelaufen sei, und dann die Klassenbesten waren», sagte einer.

Die korrigierte Gymiprüfung

Mein Fazit: Auch nach vielen Jahren bleibt offenbar doch noch einiges im Kopf hängen, was ich in der Schule gelernt habe. Zwar sitzen nicht mehr alle Matheformeln oder Grammatikregeln, aber ein Dreisatz gelingt mir leicht, ein Gleichungssystem mit zwei Unbekannten mit etwas Grübeln. Wenn jemand etwas auf Französisch erzählt, kann ich es einigermassen gut wiedergeben. Insgesamt war die Prüfung doch eine Knacknuss. Ich will aber nicht wissen, wie ich mich bei der Matura-Wiederholung anstellen würde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom E. G. am 09.03.2017 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Glückwunsch

    Na dann, Glückwunsch. Ich kam wegen 0.5 Punkten damals nicht ins Gymi und habe dann das KV und die Informatik-Lehre gemacht. Heute auch sehr zufrieden.

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  • Maturand und Lehrling am 09.03.2017 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nach 12 Jahren

    Natürlich nicht. Auch am Gymi lernt man so vieles, das zwar interessant ist und zur Allgemeinbildung gehört, das man aber sehr schnell wieder vergisst, wenn man es nicht braucht (Algebra, Chemie etc). Dasselbe gilt aber auch für Berufsschulen (Buchhaltung etc).

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  • jonas meier am 09.03.2017 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fake

    falsche endnoten angegeben. Rechnen Sie die erreichte anzahl durch die möglichen und werden sehen, dass Sie nie auf diese Endnoten kommen. #nicetry

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 20minLeser am 10.03.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Matura

    Wieso Gymiprüfung? Der Redaktor sollte die Matura nochmal machen & schauen, ob er diese noch schaffen würde ;-)

  • Butch am 10.03.2017 00:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übel!

    Tolle Notenskala! 66/80 Punkten: 5.75. 26/40 Punkten: 5.25. So hätte ich auch gerne Prüfungen geschrieben!

  • Psychologe am 09.03.2017 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schriftbild :-(

    Mir gibt sein Schriftbild weit mehr zu denken ... :-( Hätte ich eine Bewerbung mit einer solchen Schrift erhalten, wäre diese Person nicht in die engere Wahl gekommen.

  • marko 32 am 09.03.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Test

    Nein

  • IndianSummer am 09.03.2017 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toller Aufsatz

    Glückwunsch! Der Text ist echt gut geschrieben, das beste ist aber echt, wie sich der Lehrer oder die Lehrerin über die Handschrift beschwert, aber selbst nicht wirklich schöner schreibt... :)