Liefer-Engpass

15. Juni 2017 05:48; Akt: 15.06.2017 05:48 Print

Der Schweiz geht das Rindfleisch aus

Zuwanderung und Fitness-Trend: Schweizer essen heute vier Kilogramm mehr Rindfleisch als vor zehn Jahren.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Rindfleisch ist in der Schweiz Mangelware: Weil die Nachfrage steigt und immer mehr Bauernbetriebe schliessen, kann der Bedarf nicht mehr gedeckt werden. Das hat bereits Folgen für die Gastronomie: McDonald's kündigte Anfang Monat an, dass für die Produktion der Burger während zehn Wochen Rindfleisch aus Österreich importiert wird.

Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft ist bei Konsumenten besonders Rindshackfleisch gefragt: Im Vergleich zu 2015 nahm die abgesetzte Menge um knapp fünf Prozent zu. Und gemäss Zahlen von Pro Viande verzehrte letztes Jahr jeder Schweizer 14 Kilogramm Rindfleisch pro Kopf – das sind vier Kilogramm mehr als noch vor zehn Jahren. Um diesen steigenden Bedarf – nicht nur von McDonald's – zu decken, setzen die Händler auf Importe. Das Hackfleisch kommt aus Deutschland und Österreich, Südamerika liefert die Filets. Insgesamt haben sich die Importe seit 2009 verdoppelt.

Weniger Rindfleisch, weil Milchbetriebe eingehen

Branchenkenner führen die Entwicklung laut «Bauernzeitung» einerseits auf den Pferdefleisch-Skandal zurück. Aufgrund der Verunsicherung über die Qualität von ausländischem Fleisch sei die Nachfrage nach Schweizer Rindfleisch wieder gestiegen. Franz Hagenbuch vom Verband Swissbeef sieht den Hauptgrund für das fehlende Angebot indes in der grossen Zahl von Milchbetrieben, die dichtmachen müssen. In der Folge schwinde das Angebot an Kühen, die die Schweizer Bauern zur Schlachtbank bringen könnten.

Eine weitere Erklärung für die steigende Nachfrage nach Rindfleisch bringt die «Bauernzeitung» ins Spiel: Sie glaubt, dass es auch mit der steigenden Anzahl Muslime zusammenhänge. Gläubigen Muslimen ist es verboten, Schweinefleisch zu essen.

Tragen Muslime zum steigenden Konsum bei?

Auch für Franz Hagenbuch von Swissbeef ist die Zuwanderung ein Grund für den steigenden Konsum. «Dabei geht es nicht nur um die Glaubensrichtung, sondern um die Esskultur.» Viele Zuwanderer aus muslimischen Ländern hätten in ihrer Heimat Schaffleisch oder eben Rindfleisch gegessen. «Da ist es naheliegend, dass sie diese Gewohnheit hier beibehalten.» Dafür sprechen auch die Zahlen des Bundesamts für Statistik: Die Zahl der Muslime ist in der Vergangenheit stets gestiegen und betrug 2015 5,1 Prozent.

Ein weiterer Grund sei der allgegenwärtige Fitness-Trend: «Die Leute assoziieren Rindfleisch mit einem gesunden Produkt», so Hagenbuch. Dasselbe zeigt sich beim Poulet-Verzehr: Innert zehn Jahren ist der Pro-Kopf-Konsum von zehn auf zwölf Kilogramm jährlich gestiegen.

Für die Gastronomie ist das Import-Fleisch billiger

Doch warum steigen angesichts der grossen Nachfrage nicht mehr einheimische Bauern in die Rindermast ein? Laut Franz Hagenbuch lohnt sich das für Bauern heute kaum, da die Investitionskosten für einen Mastbetrieb sehr hoch seien. «Und bis das erste Kalb geboren ist, dauert es zweieinhalb Jahre», erklärt der Rindermäster. Da überlege sich mancher Bauer, ob er in das Geschäft einsteigen wolle.

Zudem könnten ausländische Produzenten deutlich unter Schweizer Preisen anbieten, was es für die hiesigen Grossverteiler und Gastro-Betriebe attraktiv mache, auf das fehlende Inland-Angebot zu verweisen und auf günstiges Import-Rindfleisch auszuweichen. «Da wir in der Schweiz auf höhere Standards setzen, sind die Importe nicht vergleichbar – qualitativ wie preislich», sagt Hagenbuch.

McDonald's betont derweil, «dass die tragende Rolle bei den Fleisch-Importen aus Österreich die Qualität und die Art des Fleisches spielt – nicht der Preis, auch wenn dieser in Österreich günstiger sein kann». Sprecherin Deborah Murith sagt: «Für 2017 wird das Jahresvolumen an Schweizer Rindfleisch 94 Prozent betragen. »

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Generation X am 15.06.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Und das, obschon Vegan doch so auf dem Vormarsch sein soll..:-)

  • speeeedy13 am 15.06.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer wieder

    ....und wie ist das jetzt mit einkaufen im Ausland...??

    einklappen einklappen
  • EBAF am 15.06.2017 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Politiker..

    ..sorgt euch doch endlich einmal darum, dass die Bauern für ihre Leistungen einen angemessenen Lohn erhalten, von welchem sie ohne grössere Abstriche gut leben können. Dann würden auch nicht laufend alle kleinen Betriebe geschlossen/aufgekauft und wir erhielten einen Teil unserer Unabhängigkeit zurück. Für Qualität muss man bereit sein, ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen - Haltet euch das immer vor Augen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • simon08/15 am 15.06.2017 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    super sache

    das fleisch wird importiert und wir bezahlen dennoch dieselben preise weiter. schönes system, was man da geschaffen hat. die hochpreisinsel lebe hoch.

  • Marianne am 15.06.2017 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Kühe

    unglaublich was da ab geht. Da heisst es doch dass das Fleisch knapp ist und man macht trotzdem AKTIONEN! Verkauft das Fleisch teurer dass nicht jedermann jeden Tag Fleisch Essen muss. Gebt den Bauern mehr Geld und tötet die Tiere mit etwas Liebe und lasst sie dafür länger Leben. Ja wir Essen auch Fleisch, aber kein Bebefleisch und vor allem nur 1 bis 2 Mal pro Woche. Auch kaufen wir kein Fleisch in DE. weil man weiss da die Tiere noch mehr gequält werden als in der Schwez.

  • Schämu am 15.06.2017 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartig

    Eigenartige Behauptung wegen Engpass. Solange es in den Läden Rindfleischaktionen gibt muss der Markt wohl nicht ausgetrocknet sein.

    • Red Dragon am 15.06.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schämu

      Wird doch so publik gemacht um die nun folgende preiserhöhung zu rechtfertigen

    einklappen einklappen
  • Prof. Dr. Abdul Nachtigaller am 15.06.2017 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Als ob es in der Schweiz produziertes Halal-Rindfleisch gäbe. So ein Schwachsinn, hier dürfen Säugetiere nicht auf die dafür geforderte Art geschlachtet werden. Muslime müssen also, bis auf Geflügel, alles Fleisch importieren. Sie haben auf das Schweizer Rindfleisch keinen Einfluss. Auch sollte man noch anmerken dass es für Halal-Importe ein Kontingent gibt.

    • Beobachter am 15.06.2017 19:02 Report Diesen Beitrag melden

      Was ist Halal? Teil 1

      Der Ursprung von Halal (erlaubt) ist eigentlich zu definieren was sicher (gesundheitlich unbedenklich) ethisch (Artgerechte Tierhaltung) und fair ist (hala gibt es in fast allen Bereichen des lebens wie zum Beispiel Kosmetik). Gemäss orginal halal müsste das Fleisch von Tieren stamen die mit Auslauhaltung gross gezogen wurden, keine langen Transporte und möglichst stress- und schmerzreie Schlachtung. Das war früher das Schächten. Auch war früher die Hygiene mangelhaft und zudem vertragen Schweine das heisse Klima nicht besonders gut. Sie warden schneller krank also hat man sie nicht gegessen.

    • Beobachter (Wortlimite) am 15.06.2017 19:09 Report Diesen Beitrag melden

      Was ist Hala? Teil zwei

      Ursprönglich war die Idee von halal eine Vergehen vor zu schlagen nach der die Tiere hygienisch geschlachtet warden und das Gesundheitsrisiko minimiert wird. Vor 4000 Jahren (die Technik wird ursprünglich von Abraham beschrieben glaube ich) gan es keine Tierärztliche Untersuchung und auch die keine Grossschlachthöfe. Damals war die Technik gut. Heute wird nur noch "wortgetreu" halal geschlachtet. Der Sinn ist verloren gegangen. Die Technik im Grossschlachthof ist extreme Tierquälerisch und auf auslaufhaltung, ein eigentlicher Kernpunkt von halal, achtet auch kaum jemand. Schade.

    einklappen einklappen
  • Zeus187 am 15.06.2017 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    Schwein schmeck sowiso besser!

    • Beobachter am 15.06.2017 19:13 Report Diesen Beitrag melden

      Ausserdem ...

      ware Schwein auch für Muslime erlaubt wenn es ein gesundes Schwein war das geschlachtet wurde. Im heissen Klima von Nordafrika und unter den damaligen Bedingungen waren sie halt sehr oft krank und Fleisch von kranken Tieren soll man nicht essen.Das ist der unterschied zwischen "glauben" und "verstehen". Wir sollten keine Kompromisse machen im Kantinenessen oder auf dem Schulhof. Es ist nicht nötig und gibt keinen wissenschaftlichen Grund.

    einklappen einklappen