Schwere Vorwürfe

06. Februar 2012 16:06; Akt: 06.02.2012 16:09 Print

100 Schüler solidarisieren sich mit Lehrer100 Schüler solidarisieren sich mit Lehrer

von David Maccabez - Ein Lehrer in Neuenburg soll drei Schüler misshandelt haben. Doch jetzt stellen sich rund hundert Jugendliche auf die Seite des Lehrers und gehen auf die Strasse.

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An der Neuenburger Schule «Centre des Deux-Thielles au Landeron» soll ein Lehrer drei Schüler misshandelt haben. Doch an diesem Montagmorgen demonstrierten etwa 100 Schüler in der Eiseskälte, um ihren Lehrer zu unterstützen. Ihrer Meinung nach liegt die Schuld bei diesen drei Schülern und nicht bei dem Pädagogen, denn diese galten schon länger als schwierig.

Die Jugendlichen sind sich einig: Der Lehrer sei super, lustig und sympathisch. Keiner könne sich vorstellen, dass er sich physisch an Schülern vergreifen könnte. «Das ist der beste Lehrer, den ich je hatte», sagt eine Schülerin. «Er war immer ruhig und nett. Er hat uns viele Dinge beigebracht, vor allem auch, wie man sich in einer Gemeinschaft verhalten soll», erklärt eine andere.

Matteo, ein ehemaliger Schüler des betroffenen Lehrers, gesteht, dass er es nur dank ihm in die nächste Stufe geschafft habe. «Er hat mir viel geholfen. Er konnte manchmal auch streng sein, aber er hat immer gerecht gehandelt. Er konnte auch cool sein und uns zum Lachen bringen.» Für sie alle steht fest: Die drei Schüler, die den Lehrer beschuldigen, sind Lügner.

Ein ganz ordentlicher Aufmarsch

Shadya, 15 Jahre alt, ist eine der Organisatorinnen der Demonstration. Sie ist stolz, dass so viele Leute mitmachen: «Das ist wirklich toll zu sehen! Dieser Lehrer ist Opfer einer Ungerechtigkeit und das dürfen wir nicht durchgehen lassen.»

Ein Lehrer gab an, froh zu sein, dass sich die jungen Leute für diese Sache einsetzten. Ohne ein Urteil über die drei Schüler abgeben zu wollen, sagte er, dass so etwas jedem Kollegen hätte passieren können. In seinen Augen ist dieser Fall von Anfang an schlecht geregelt worden und es sei an der Zeit, dass Möglichkeiten gefunden würden, die solche Situationen von vornherein verhindern würden.

Einige Eltern, die im Hintergrund am Geschehen teilnahmen, bestätigten die Aussagen der Demonstranten. Es handle sich um einen sympathischen Mann, einen guten Lehrer, der in der Lage sei, sich zu kontrollieren. Keiner glaubt daran, dass dieser gewalttätig sein könnte.

Verkündung in Neuchâtel

Nachdem die Demonstranten sich vor dem Schulgebäude versammelt hatten, gingen sie gemeinsam zum Bahnhof. Unter polizeilicher Überwachung fuhren sie nach Neuchâtel, wo sie von Philippe Gnaegi, dem Chef des Departements für Bildung, Kultur und Sport, angehört werden wollten.

Da dieser nicht anwesend war, wurden sie vom stellvertretenden Generalsekretär des Departements, Thierry Christ, empfangen. Dieser richtete das Wort an die Schüler und drückte seine Bewunderung aus: «Ich freue mich, dass so viele junge Leute sich für einen Lehrer einsetzen. Dieser ist sicher glücklich darüber, dass er so unterstützt wird.» Anschliessend wiederholte er, dass es die Schulleitung sein wird, die über mögliche Sanktionen oder das Fallenlassen der Vorwürfe entscheiden wird.

Die Direktion schweigt

Die Schulleitung selbst äusserte sich nicht weiter zu dem Fall und verwies auf ihre Pressemitteilung vom vergangenen Freitag. Darin gibt die Schulleitung an, über das schwierige Verhältnis zwischen den drei Schülern und dem Lehrer Bescheid gewusst zu haben: «Es haben Treffen mit dem Lehrer stattgefunden, um ihm beim Erfüllen seiner Aufgaben helfen zu können. Ebenso fanden Elterngespräche statt, bei denen es darum ging, eine angebrachte Lösung zu finden.»

Der Lehrer selbst hatte gefordert, dass die Schüler in eine andere Klasse versetzt werden sollten. Die Schulleitung kam dieser Forderung jedoch nicht nach: Die Versetzung in eine andere Klasse oder eine andere Schule hätte das Problem nur verschoben, statt eine Lösung zu bringen. In Extremfällen bliebe nur eine Option, die für die Schulleitung aber nur schwer zu akzeptieren sei, nämlich der Ausschluss eines Schülers. Dies würde jedoch dazu führen, dass der Schüler sich selbst ausgeliefert wäre.

Die Schulleitung versichert, sich weiter um die Sache zu kümmern: «Im Anschluss an die Vorkommnisse vom 31. Januar war die Direktion damit beschäftigt, die Gemüter zu beruhigen, die Situation zu klären und die entsprechenden Behörden zu informieren. Es haben Treffen mit den Eltern der betroffenen Schüler stattgefunden, sowie zwei Gespräche mit dem Lehrer, der seitdem krankgeschrieben ist. Von einer Kündigung seiner Stelle war jedoch nie die Rede. Ebenso wurde mit der Klasse gesprochen, um die Schüler zu beruhigen und ihnen zuzuhören. Ein Vertretungslehrer wurde eingesetzt, dieser erhält eine besondere Unterstützung bei seiner Aufgabe.»

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(Aus dem Französischen übersetzt von: Viktoria Weber)