Mindestlohn-Initiative

15. April 2014 12:17; Akt: 15.04.2014 12:48 Print

Unternehmer sehen Frauen als Verliererinnen

Vertreter verschiedener Branchen warnten heute an einer Medienkonferenz vor den Auswirkungen der Mindestlohn-Initiative. Viele Stellen würden verschwinden.

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: Verdient bis zwei Jahre Berufserfahrung 6692 Franken. Zwischen zwei und fünf Jahren Berufserfahrung 7923 Franken und ab fünf Jahren 8462 Franken. : In einer Bierbrauerei wird im Schnitt 41 Stunden pro Woche gearbeitet. Ein gelennter Brauer verdient 4459 Franken. Nach acht Jahren sind es 4896 Franken. : In einer Confiserie steigt der Lohn mit der Ausbildung. Mit Berufsattest beträgt er 3445 Franken, mit Fähigkeitsausweis 3845 Franken und mit Meisterdiplom als Produktionsleiter 5313 Franken. : Drogisten arbeiten pro Woche 42 Stunden. In wirtschaftlich schwächerer Region verdienen sie 3708 Franken, in wirtschaftlich stärkerer Region 4225 Franken. Als Geschäftsführer mit höherer Fachschule beträgt der Zahltag sogar 6542 Franken. : Ein Elektroingenieur arbeitet 41,5 Stunden pro Woche. Sein Einstiegslohn beträgt 5959 Franken, mit Erfahrung gibts satte 9285 Franken. : Mitarbeiter ohne Berufslehre erhalten 3407 Franken, Mitarbeiter mit Berufsattest 3707 Franken. Mit Berufslehre gibts 4108 Franken. : Ein Senn verdient trotz der harten körperlichen Arbeit gerade einmal 160 bis 225 Franken pro Tag. : Bis zum 25. Altersjahr verdienen Softwareentwickler 5169 Franken, ab dem 30. Altersjahr 6746 Franken. : Ein Journalist verdient als Volontär durchschnittlich 4099 Franken, als Redaktor 7541 Franken und als Ressortleiter 8310 Franken. : Köche arbeiten 42 Stunden pro Woche und verdienen dafür 4810 Franken. : Lastwagenchauffeure fahren 48 Stunden pro Woche. Ab dem vierten Berufsjahr verdienen sie 4450 Franken, vorher verdienen sie 4250 Franken. : Ein gelenter Mauer verdient 5553 Franken, ein Vorarbeiter 6080 Franken. : Eine Näherin verdient 3420 Franken mit Berufslehre. Nach 3-jähriger Berufspraxis gibts 4360 Franken. : Ein Oberarzt verdient 8506 Franken im Monat. Zum Vergleich: Ein Assistenarzt erhält 7463 Franken, ein Chefarzt 12'824 Franken und der Direktor eines Unispitals gar 14'732 Franken. Eine Arztgehilfin hingegen verdient zwischen 4000 Franken und 5170 Franken. : Laut dem Zürcher Personalgesetz verdienen Aspiranten 5217 Franken, ein Gefreiter 5511 Franken und ein Wachtmeister 6197 Franken. . Er verdient ab dem 24. bis zum 29. Altersjahr 6823 Franken. Für Vierzigjährige gibt es laut dem Lohnbuch 8182 Franken, für Fünfzigjährige sogar 8359 Franken. : Unter 18-jährige Raumpflegerinnen verdienen 3351 Franken, über 18-jährige 4655 Franken oder 25 Franken pro Stunde. : Als Schneesportlehrer lohnt es sich, eine Ausbildung zu machen. Denn Mit eidgenössischem Fachausweis verdient ein Lehrer minimal 70 Franken pro Stunde, als Hilfslehrer minimal 30 Franken. Sie verdient bei höchstens 23 Arbeitstagen im Monat einen Nettolohn von 2300 Franken. Die Tagespauschale beträgt 190 Franken. : Uhrmacher werden für ihr Geschick mit dreijähriger Lehre mit 3650 Franken, mit vierjähriger Lehre mit 4000 Franken entlöhnt. : Detailhandelsangestellte arbeiten rund 41 Stunden in der Woche und werden nach einer dreijährigen Lehre dafür mit 3900 Franken entlöhnt. Mit vierjähriger Lehre gibts 200 Franken mehr. : Wäschereimitarbeiterinnen profitieren von einer guten Ausbildung. Mit Berufsattest gibts 3375 Franken, Mit dreijähriger Lehre 4264 Franken. : Sogar dieser ungewöhnliche Beruf wird im Buch aufgeführt. Ein gelernter Yachtbauer verdient 5454 Franken, ab 30 sogar 6729 Franken. : Spezielle Entlöhnungen gibts für Zirkusartisten. Der angegebene Mindestlohn richtet sich nach Können und Bekanntheitsgrad des Künstlers, beträgt aber mindestens 2000 Franken oder 9.20 pro Stunde. Berufsüblich ist eine 50-Stunden-Woche.

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Für Hotelleriesuisse-Präsident Guglielmo Brentel ist die Mindestlohn-Initiative «des Teufels». Auch Vertreter anderer Branchen warnen eindringlich vor den negativen Folgen eines landesweit einheitlichen Mindestlohns. Als Verlierer sehen sie vor allem Frauen und Berufseinsteiger.

Wo es Mindestlöhne gebe, würden schwächere Arbeitnehmende häufiger durch Maschinen oder produktivere Mitarbeiter ersetzt, sagte Gewerbeverbands-Präsident Jean-François Rime (SVP/FR) am Dienstag vor den Medien in Bern.

Berufseinsteiger mit wenig oder keiner Erfahrung hätten grosse Mühe, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Probleme sieht Rime auch auf jene Frauen zukommen, die heute dank einer Teilzeitstelle ein Zusatzeinkommen verdienen können: Deren Stellen würden mit einem Mindestlohn verschwinden.

Hohe Kosten für Unternehmen

Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt glaubt ebenfalls, dass eine Annahme der Initiative, über die am 18. Mai abgestimmt wird, für Berufseinsteiger negative Folgen hätte. Gerade nach einer Lehre würden Stellen mit einem tiefen Lohn gute Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten, sagte er.

Dass Lehrabgängern wie auch Ungelernten mindestens 22 Franken pro Stunde bezahlt werden müsste, ist in den Augen der Gegner eines der grössten Probleme der Initiative. Sie befürchten, dass dadurch auch die Löhne für Berufsleute mit Erfahrung angehoben werden müssten.

Arbeitnehmer müssen sich für Lohn anstrengen

Weil ein Unternehmer seine ganze Lohnskala anpassen müsste, würden sich die Kosten der Initiative auch nicht bloss auf 1,6 Milliarden Franken belaufen, wie dies die Initianten behaupteten, sagte Alain Guttmann, Präsident des Maschinen- und Anlagebauers Bobst Group.

Auch Brentel hält eine Lohndifferenz für notwendig, um den Wert der Aus- und Weiterbildung zu veranschaulichen. «Jemand soll von seinem Lohn leben können, aber dafür soll er sich erst anstrengen und sich weiterentwickeln», sagte der Hotelleriesuisse-Präsident.

Nachteile für Randregionen

Ihn stört zudem, dass der Mindestlohn überall gleich hoch sein soll. Die Initiative blende damit die regionalpolitische Dimension aus, sagte Brentel. Die Initiative fordere für die Zürcher Bahnhofstrasse dieselben Bedingungen wie im Luzerner Hinterland oder im Berner Oberland, kritisierte auch Rime. Diese Gebiete würden damit einen der wichtigsten Wettbewerbsvorteile verlieren, nämlich die tiefen Kosten.

Die Initiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) fordert einen landesweiten Mindestlohn von 22 Franken – rund 4000 Franken pro Monat. Rund 330'000 Arbeitnehmende, zwei Drittel davon Frauen, arbeiten heute für einen tieferen Lohn. SP und Grüne unterstützen die Initiative, die übrigen grossen Parteien wie auch der Bundesrat bekämpfen sie.

(sda)