Zoff im Haus

17. März 2017 05:37; Akt: 17.03.2017 05:37 Print

Nachbarn streiten wegen Garten, Kamera oder Lärm

von C. Kündig - Das Verhältnis zu Nachbarn beeinflusst gemäss Studien die Gesundheit. Fachleute berichten, was am häufigsten zu Nachbarschaftskonflikten führt.

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Der Ärger zwischen Nachbarn schadet nicht nur der Stimmung im Haus oder in der Nachbarschaft, er kann auch auf die Gesundheit schlagen, wie Studien zeigen. Versteht man sich hingegen gut mit den Nachbarn, kann sich das sowohl positiv auf das körperliche als auch auf das psychische Befinden auswirken. Forscher der University of Michigan haben herausgefunden, dass das Risiko für einen Herzinfarkt sinkt, wenn man seinen Nachbarn vertraut.

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Haben Sie sich auch schon mal mit Ihren Nachbarn gestritten?
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40 %
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Insgesamt 450 Teilnehmer

Auch das Institut für Sozialpädagogik in Frankfurt konnte nachweisen, dass die Sozialkontakte im Quartier wichtig für die Zufriedenheit der Bewohner sind.

«Einkommensschwache tolerieren mehr»

Der Sprecher des Mieterverbands Zürich, Walter Angst, sagt: «Die Stimmung, die ein schlechtes Verhältnis mit den Nachbarn mit sich bringt, belastet die Beteiligten schwer.» Einigen schlage das eindeutig auf die Psyche, andere würden sogar unter Schlafproblemen leiden.

Solche Konflikte könne es geben, wenn in einem Quartier plötzlich neue Einkommensgruppen einziehen, die andere Lebensvorstellungen haben, sagt Angst. «Oder wenn im zweiten Stock ein Student wohnt und im Erdgeschoss eine Person, die Nachtschicht arbeitet.» Diese Menschen hätten jeweils ganz andere Erwartungen an das Leben im Wohnhaus. Spürbar sei auch, dass einkommensschwache Haushalte mehr tolerieren und sich seltener bei der Verwaltung oder beim Mieterverband melden als einkommensstarke Haushalte.

Die Ursachen von Nachbarschaftskonflikten verändern sich im Lauf der Zeit, so Angst. «Im Jahr 1980 war es ein Riesenproblem, wenn jemand am Sonntag seine Wäsche aufgehängt hatte. Heute stehen andere Themen im Vordergrund, zum Beispiel lärmbezogene Konflikte.» Der Mieterverband Zürich habe letztes Jahr 420 Nachbarschaftskonflikte betreut.

«Ventil» für anderen Ärger

Auch die Freiwilligen der Nachbarschaftshilfe Zürich bekommen Nachbarschaftsstreitereien zum Teil hautnah mit, erzählt Geschäftsführerin Barbara Albrecht. Oft seien es kulturelle Unterschiede oder verschiedene Lebensmuster, die zu Problemen führten.

Albrecht vermutet, dass hinter den Themen, um die sich die Nachbarn streiten würden, oft ein anderes, komplizierteres Problem steckt. «Gewisse Leute regen sich über eine Sache auf, sprechen diese aber nicht direkt an, und schieben dafür etwas Anderes vor.»

Starke psychische Belastung für Beteiligte

So könne sich eine Person darüber ärgern, dass die Nachbarsfamilie sehr «unschweizerisch» erst um 23 Uhr das Abendessen zubereitet und die Kinder bis um diese Zeit draussen spielen. Albrecht: «Direkt ansprechen kann man so etwas aber nicht, deshalb reklamieren diese Leute dann dafür, wenn eines der Kinder sein Skateboard im Treppenhaus liegen lässt.» Das diene dann sozusagen als «Ventil» für den Ärger über die unterschiedliche Lebensansicht.

Dass solche Streitereien im Wohnhaus oder im Quartier gesundheitliche Folgen für die Beteiligten haben können, weiss Albrecht aus persönlicher Erfahrung: «Vor allem bei Konflikten, die nicht zu lösen sind, bemerkt man bei den Betroffenen eine psychische Belastung.»

«Einige Betroffene leidet an Schlafstörungen»

Streiten sich Haus- oder Wohnungseigentümer, werden in gewissen Fällen Friedensrichter involviert. Markus Zubler, Sprecher beim Verband der Friedensrichter und Vermittler, erzählt: «Am häufigsten streiten sich die Leute, die bei uns landen, um verschiedenen Ansichten rund ums Thema Garten.»

So würden sich viele über den Baum des Nachbarn beschweren, der zu viel Schatten wirft oder Laub auf dem eigenen Grundstück verursacht. «Streitpunkte sind auch hohe Hecken, die gemäss den Beschwerdeführern die Aussicht beeinträchtigen, Schatten werfen oder Insekten anziehen.»

«Sie befürchten, von der Videokamera des Nachbarn aufgenommen zu werden»

Auch die neuen Technologien würden heute gehäuft zu Problemen führen. Zubler: «Überwachungskameras sind immer öfter im Zentrum von Nachbarschaftsstreitigkeiten. So stören sich gewisse Leute an der Kamera, die der Nachbar auf dem Balkon installiert hat, weil sie befürchten, auch aufgenommen zu werden.»

Oft seien es eher ältere Leute, die sich an die Friedensrichter wenden würden, so Zubler. «Pensionierte haben wohl eher Zeit, sich bezüglich einer Sache zu streiten als Arbeitstätige.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gärtner am 17.03.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig :-((

    Ich bin "Kunden-Gärtner" und jeder dritte Kunde hat krach mit dem Nachbar oder sogar mit der gesamte Nachbarschaft... das wegen voll unnütze Sachen, einfaches zuleide machen, Neid, kein Respekt usw. da könnte ich Bücher schreiben. Als Gärtner erfährt man viel! :-)

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  • Wilma am 17.03.2017 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Es gibt leider immer mehr Menschen die nicht wissen was sich gehört und was nicht; besonders mit Lärmbelästigung. Ich bin für leben und leben lassen aber ab ca. 23 Uhr will ich Ruhe. Zu viel verlangt?

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  • Mr. Spock am 17.03.2017 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem in der Schweiz

    sind nicht die Differenzen beim Einkommen oder des Alters, das Problem ist der Neid und die Missgunst die unabhängig vorgenannter unterschiede herrscht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Renate Schmidt am 18.03.2017 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nachbarschaft Streit

    Wie ist das ,wenn Nachbarn 4× mal die Woche grillen! Es ist Eigentum ,und die Häuser stehen sehr nah zusammen. Habe dazu was gesagt schon ist man negativ ein gestellt.

  • Zambo am 18.03.2017 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht tolerieren

    Ich bin absolut harmoniesüchtig, doch würde mich jemand die ganze Zeit schikanieren und gängeln nur weil es ihn unterhaltet, werde ich ihn verwarnen. Funktioniert dies aber nicht werde ich meine Privatshäre notfalls mit einem saftigen Kinnhaken verteidigen.

  • Igel am 18.03.2017 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich kein Problem

    Ich behandle meine unanständige Nachbarn schon Jahrelang wie Zombies.( Mit toten kann man nicht sprechen).

  • jch am 17.03.2017 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neid und Missgunst!

    Ja das sind eben die "Probleme" der Eigenheim Besitzer!

  • Laura am 17.03.2017 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt halt Chaoten als Nachbarn

    Habe keinen Streit mit den Nachbarn obwohl mich von einigen schon nicht sehr begeistert bin.Pflege meinen Garten und halte in so gut es geht Unkrautfrei.Aber leider grenzen 2 Nachbargärten an meinen und diese haben einen wildwuchs und kümmern sich darum wenig , halb meter hoch unkraut das sich bei mir versäumt und das nervt.Habe mir jetzt mit einem Zaun abgeholfen und meinen Nachbarn mitgeteilt das ich alles ausreisse was in den Zaun hineinwächst.Vielleicht klappt es dann.