Geschlechter-Streit

12. August 2017 14:12; Akt: 12.08.2017 15:08 Print

«Einige Politiker haben mit starken Frauen Probleme»

von Nikolai Thelitz - Warum haben es Frauen in der Politik schwerer? Politikerinnen streiten, ob dies an Vorurteilen oder am Kinder- und Karriere-Wunsch liegt.

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Zu unabhängig, zu sachorientiert, nicht kontrollierbar und darum den Männern im Bundeshaus generell suspekt – so beschreibt die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) Frauen in der Politik. Die Tessinerin Laura Sadis sei viel kompetenter als ihr FDP-Parteikollege Ignazio Cassis, trotzdem sei Letzterer Bundesratskandidat. Grund dafür sei reine Machtpolitik.

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Werden Frauen in der Politik diskriminiert?
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3 %
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«Bald 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts mag ich das Argument, man finde im entscheidenden Moment keine Frauen, nicht mehr hören», sagt sie dem «Tages-Anzeiger». Weil FDP-Frauen-Präsidentin Doris Fiala auf eine Forderung nach einem Frauen-Doppelticket verzichtet habe, drohe nun Cassis gewählt zu werden.

«Das Wort eines Mannes gilt immer noch mehr»

SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf pflichtet Fehr bei. «Es stimmt, Sadis wäre eine sehr geeignete Kandidatin gewesen. Doch einige Politiker haben offenbar mit starken Frauen Probleme, vor allem auf der bürgerlichen Seite.» In der SP habe sie nie Diskriminierung erfahren, doch viele Männer auf der rechten Ratsseite würden Frauen oft nicht ernst genug nehmen.

«Ich habe häufig das Gefühl, eine Wortmeldung eines Mannes wird immer noch stärker gewichtet als diejenige einer Frau.» Auch die Medien berichteten immer noch oft über das Aussehen von Politikerinnen, bei Politikern ist dies selten der Fall.

«Junge Männer müssen Verantwortung übernehmen»

Dabei seien die Frauen bereit für einen Wandel. «Viele Frauen trauen sich ein anspruchsvolles Amt zu, werden aber nicht beachtet.» Hapern würde es einzig noch bei der gleichmässigen Verteilung der Kinderbetreuung in einer Partnerschaft.

«Junge Männer sind jetzt gefordert, Verantwortung für die Kinderbetreuung zu übernehmen. Und Arbeitgeber müssen endlich von der Vorstellung abrücken, dass Karriere immer an eine 100-Prozent-Stelle gebunden ist.» Zudem müsse man auch mehr Krippenplätze schaffen. «In Frankreich funktioniert das super, und die Geburtenzahl steigt.»

«Abstrus und unfundiert»

Die von Jacqueline Fehr angegriffene Doris Fiala sagt: «Das ist so abstrus und unfundiert, dass es eigentlich nicht weiter kommentiert werden muss. Jacqueline Fehr projiziert allenfalls persönliche Frustration, weil sie damals bei der Bundesratswahl gegen Simonetta Sommaruga untergegangen ist.»

Auch sei die Attacke gegen Männer in dieser Form unnötig. «Gerade hat die traditionell geprägte FDP Waadtland Isabelle Moret als offizielle Kandidatin nominiert.» Moret sei für das Bundesrats-Amt genauso geeignet wie Cassis. «Die beiden sind in ihren Fähigkeiten auf Augenhöhe. Die FDP-Fraktion wird nun ein Ticket besprechen und aller Voraussicht nach kann die vereinigte Bundesversammlung entscheiden, ob für sie die Tessin-Frage oder die Frauen-Frage wichtiger ist.»

«Ich wurde als Frau nie anders behandelt»

Es stimme zudem nicht, dass Frauen den Männern im Parlament grundsätzlich suspekt seien. «Ich habe mich noch nie anders oder schlechter behandelt gefühlt, weil ich eine Frau bin», sagt Fiala. Ihr Geschlecht sei in ihrer Karriere nie ein Nachteil gewesen. Frauen müssten so wie Männer Niederlagen einstecken, sie habe das gerade erst in der Ausmarchung zur Stadtratskandidatur in Zürich erfahren. Niederlagen auf das Geschlecht zu reduzieren, werde den Fakten nicht gerecht.

Dass es immer noch so wenige Frauen in der Politik habe, sei nicht auf das Misstrauen der Männer, sondern auf die Dreifachbelastung durch Karriere im Beruf, Politik und Familie zurückzuführen. «Frauen erledigen immer noch den Löwenanteil der Kinderbetreuung. Wenn sie sich für eine Polit-Karriere entscheiden, müssen sie oft im Beruf massiv kürzertreten oder auf Kinder verzichten. Nur wenige Frauen schaffen alles zusammen, egal welcher Partei sie angehören.»

Auch deshalb gebe es weniger Frauen, die überhaupt ein politisches Amt anstreben würden. «Zwar ist die Gleichberechtigung auch in diesem Bereich absolut erstrebenswert, aber hier müssen wir realistisch bleiben und vorantreiben, was im Rahmen des Möglichen umsetzbar und verkraftbar ist.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paprika am 12.08.2017 06:43 Report Diesen Beitrag melden

    Opferrolle

    Ist die Opferrolle nicht herrlich schön! Für das eigene Versagen gibt es immer die bösen Männer die dafür verantwortlich sind!

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  • Stöff am 12.08.2017 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Es sind immer die gleichen (SP) - Frauen, welche mit ihren eigenen Problemen und einhergehendem Frust auf die Gesamtheit schliessen wollen. Naja, so sind sie wenigstens wieder einmal in der Presse.

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  • Liseli am 12.08.2017 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwürdig

    Fiala hat Recht. Probleme sind nicht die Frauen, sondern die unfähige Politiker, Politikerinnen die einmal in Parlament, vergessen wessen Interresse sollten sie vertreten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bud am 12.08.2017 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es lebe der Frauenpower

    ich wiederhole: unbedingt mehr Frauenpower, starke Frauen sind nötiger den je den was einige Männer in der Politik zeigen ist zum schreien !!

  • Fraz am 12.08.2017 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missverstandene Stärken

    Ja warum haben sie es bloss schwerer? Vielleicht weil es ihnen einfällt, junge Männer zu Memmen zu machen nur um ihre eigenen Bedürfnissen nachgehen zu können? Oder weil es ihnen, gerade in der Politik, halt an den nötigen Voraussetzungen fehlt? Früher sagte man, hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Heute begnügen sie sich nicht mehr damit, ihren Männern Stütze zu sein, und ihre Kinder zu starken Menschen zu machen. Obwohl sie das gut könnten weil da ihre Stärken liegen. Sie treten nach vorne und wollen mitreden und mithandeln bei Dingen, die nicht ihren Stärken entsprechen. Das ist sehr, sehr schade, werden dadurch doch alle zu Verlierern. Die Frauen weil sie sich nicht bestätigen können und den Ansprüchen nicht gewachsen sind, die Männer denen es privat an Rückhalt und Unterstützung fehlt, die Kinder, weil sie sowieso als letzte kommen. Frauen leisten immer weniger für die Gesellschaft, fordern aber immer mehr. Das ist wirklich sehr schade.

  • Klar am 12.08.2017 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Johnny

    Das meinen nur priska fehr und frau seiler graf, weil sie meinen sie seien stark!

  • Ein Mann am 12.08.2017 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Frust!

    Wenn ich mir die Kommentare hier anschaue, tut es mir einfach leid um den armen Kerl, der jetzt sein an sich doch sympatisches Image von "Marko 32" aufgeben musste, um hier wieder in die Rolle des unter laufend wechselnden Namen auftretenden Stammtischrowdys aufzutreten. Muss echt frustrierend sein.

  • Lorenzo am 12.08.2017 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Überraschung!

    Ich dachte, Sie schreiben in Ihren Werbe-Richtlininen, dass Sie bezahlte Reklame ausdrücklich ausweisen? Warum gilt das nicht für die von Ihnen im Auftrag politischer Parteien geführten Schmutzkampagnen, wie dieser?