Fall Yannick Buttet

03. Dezember 2017 05:42; Akt: 03.12.2017 17:33 Print

«Er muss sein Amt niederlegen»

Stimmen, wonach Politiker Yannick Buttet zurücktreten soll, werden lauter. Auch der Druck auf sein mutmassliches Opfer soll gestiegen sein. Die CVP-Spitze will nun ihre Haltung festlegen.

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Laut «SonntagsBlick» ist der kürzlich zurückgetretene SVP-Fraktionspräsident Adrian Amstutz mit Parteikollegin Céline Amaudruz bei einer Aussprache über den Fall Yannick Buttet hart ins Gericht gegangen. «Ich habe nie gesagt, dass sich Frau Amaudruz nicht öffentlich zu Belästigungen äussern dürfe und ich habe auch nie gesagt, dass sie damit der Partei schade», stellt Amstutz gegenüber 20 Minuten klar. Die Stimmung im Bundeshaus sei sehr angespannt gewesen, wie sie kürzlich bei einem Besuch während der Session festgestellt habe, sagt Michelle Singer, Präsidentin der Jungen SVP Emmental. «Männliche SVP-Parlamentarier trauten sich nicht mehr, mir drei Küsse zu geben, sondern gaben mir nur noch distanziert die Hand.» Frauenrechtlerinnen sind beruhigt. «Wäre Frau Amaudruz für ihre Reaktion im Fall Buttet kritisiert worden, wäre dies ein weiteres Beispiel gewesen für eine Kultur, die sexistisches Verhalten toleriert und Frauen, die darauf aufmerksam machen, ihres Platzes verweist», sagt Jessica Zuber, Geschäftsführerin der Frauenorganisation Alliance F. Der Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet soll in der Nacht auf den 19. November 2017 einen Polizeieinsatz in Siders ausgelöst haben, als er vor dem Haus seiner Geliebten stand, so «Le Temps». Auch Frauen aus dem Umfeld des Bundeshauses beklagen sich in der Zeitung über Buttet: Wenn er trinke, werde er aggressiv. Er habe einen «unkontrollierbaren sexuellen Drang». Die Frauen äussern sich anonym – laut «Le Temps» aus Angst vor Konsequenzen. Buttet schreibt der Zeitung, es sei ihm bewusst, dass er manchmal unfreiwillig Personen verletzt haben könnte. Nicht mehr Angehöriger der Armee: Yannick Buttet in Offiziersuniform im Nationalrat. (Archiv) Céline Amaudruz sorgte für Aufregung, als sie sich als erste Parlamentarierin namentlich über sexuelle Belästigung im Parlament äusserte.

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Der Druck auf den wegen Belästigung beschuldigten CVP-Nationalrat Yannick Buttet, aus dem Parlament zurückzutreten, ist weiter gewachsen. Immer mehr Parteikollegen wenden sich vom 40-jährigen Walliser ab. Im Präsidium der CVP Schweiz herrscht laut «NZZ am Sonntag» die Meinung vor, er solle als Nationalrat aufhören. «Persönlich bin ich der Meinung, dass er sein Amt niederlegen muss», sagte Elisabeth Schneider-Schneiter, Basler Nationalrätin und Mitglied des CVP-Präsidiums. Die Parteispitze will sich dem Bericht zufolge am Montag treffen, um eine Haltung festzulegen. CVP-Präsident Gerhard Pfister erklärte dem «SonntagsBlick», es sei völlig offen, welche Entscheide getroffen würden.

Laut «SonntagsBlick» gibt es im Wallis dem Vernehmen nach Druckversuche auf Buttets mutmassliches Stalking-Opfer, die Anzeige gegen den Nationalrat zurückzuziehen. Die CVP-Lokalpolitikerin und alleinerziehende Mutter solle damit die Partei schützen. Sie wollte sich nicht dazu äussern.

«Kein Böser, aber er hat ein Problem»

Derweil meldeten sich mehrere Politikerinnen, denen Buttet nach übermässigem Alkoholkonsum negativ aufgefallen war. Buttet sei «kein Böser, aber er hat ein Problem, wenn er zu viel getrunken hat», zitierte der «SonntagsBlick» eine Ratskollegin aus der Romandie. «Le Matin Dimanche» berichtet, dass Buttet am 20. September nach der Wahl von Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) betrunken seine Genfer Kollegin und SVP-Vizepräsidentin Céline Amaudruz begrapschte. Die Zeitung zitierte zwei weitere Zeuginnen aus dem Wallis, wo er mehrmals Frauen unsittlich die Hand auf den Po gelegt haben soll.

Ein Umfrage bei 73 Politikerinnen im Bundeshaus durch «Le Matin Dimanche» ergab, dass von 23 Antwortenden deren 5 sagten, sie seien während ihrer parlamentarischen Tätigkeit Opfer von sexueller Belästigung geworden. 15 erklärten, sie hätten sich schon einmal wegen unangemessener Äusserungen von Ratskollegen unwohl gefühlt.

(sda/foa)