Nein zur Rentenreform 2020

03. November 2017 21:10; Akt: 03.11.2017 21:26 Print

Gewerkschaften gegen Rentenalter 65 für Frauen

Das Nein zur Rentenreform 2020 hat der Gewerkschaftsbund noch nicht verdaut. Dissidenten in den eigenen Reihen hatten die Reform bekämpft.

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«Noch nie sind wir einer realen Rentenverbesserung so nahe gewesen»: SGB-Präsident Paul Rechsteiner an einer Delegiertenversammlung. (Archiv) (Bild: Keystone)

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Das Frauenrentenalter 65 ist für den Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) nach dem Nein zur Rentenreform im September kein Thema mehr. Bei einer neuen AHV-Revision will er sich dafür einsetzen, dass Frauen auch künftig mit 64 Jahren in Pension gehen können.

SGB-Präsident Paul Rechsteiner bedauerte an der Delegiertenversammlung am Freitag in Bern die verpasste Chance vom 24. September. «Noch nie sind wir einer realen Rentenverbesserung so nahe gewesen.»

Schelte für die Westschweizer

Den Delegierten lag ein Forderungskatalog vor zu künftigen Reformen bei AHV und beruflicher Vorsorge. Diese Positionen nahmen allerdings weit weniger Raum ein als die Rückschau auf den 24. September. Bei etlichen Votanten war der Ärger über diese Niederlage noch nicht verflogen.

Schelte anhören mussten sich die Westschweizer, die auf der linken Seite für ein Nein zur Altersvorsorge 2020 geworben hatten. Damit seien sie den Gewerkschaften in den Rücken gefallen und hätten demokratische Grundsätze missachtet. Um Forderungen zu stellen, brauche es Einigkeit, lautete der Tenor.

Höhere AHV-Renten

Das Massnahmenpaket des SGB-Präsidialausschusses hiessen die etwa neunzig Delegierten ohne Gegenstimme gut. Festhalten wollen sie am Frauen-Rentenalter 64. Die Altersvorsorge 2020 sei am Nein der Frauen zum Rentenalter 65 gescheitert, stellte eine Delegierte dazu fest. Innerhalb des SGB sei diese Position übergangen worden.

Auch wenn heute mehr Frauen erwerbstätig seien als früher, seien die Renten der Frauen nach wie vor schlechter, heisst es im verabschiedeten Massnahmenpapier. Als Gründe werden die tieferen Frauenlöhne, Teilzeitpensen von Frauen und längere Erwerbspausen wegen Familienpflichten genannt.

Der SGB pocht nach den Niederlagen für seine AHVplus-Initiative 2016 und die Rentenreform auf höhere AHV-Renten. Diese sollen namentlich mit den steigenden Gesundheitskosten Schritt halten. Zahlen enthält das Papier nicht, aber den Auftrag ans SGB-Sekretariat, für die nächste Versammlung im Mai konkrete Vorschläge auszuarbeiten.

Für den Kongress 2018 forderten die Delegierten zudem einen Bericht zur Einkommenssituation jener, die in den nächsten Jahren in Pension gehen. Dabei sollen die Renten und die Ausgaben, namentlich für Gesundheit und Krankenkassenprämien, analysiert werden. Gestützt darauf soll der Kongress über die künftigen Renten diskutieren können.

Missbrauch verhindern

Die AHV soll auch mehr Geld erhalten. Der SGB fordert zunächst einmal höhere Lohnbeiträge, auch hier ohne Zahlen zu nennen. Zusätzlich will er, dass das Mehrwertsteuer-Demografieprozent ab 2018 vollständig der AHV zukommt. So war es in der abgelehnten Rentenreform bereits vorgesehen gewesen.

Auch beim Vollzug will er Missbrauch bekämpfen. Gut verdienende Freiberufler wie Ärzte, Notare oder Anwälte sollen ihre Einkommen nicht in Form von Dividendenausschüttungen statt als Lohn beziehen. Dadurch entstünden der AHV Verluste von 300 bis 350 Millionen Franken im Jahr, schätzt der SGB.

Diese Forderung sei im Massnahmenpaket nicht aufgeführt, weil sie eine Vollzugsaufgabe sei, sagte SGB-Vorsorgeexpertin Doris Bianchi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Diese Form von Missbrauch müsse aber bekämpft werden.

Risiken nicht auf Versicherte verlagern

Forderungen hat der SGB auch für die berufliche Vorsorge. Die Delegierten verlangten eine Offensive gegen Profite in der zweiten Säule. Lebensversicherer dürften mit Sozialversicherungsleistungen nicht Profite machen. Versicherte müssten über die Verwaltungskosten ihrer Pensionskassen informiert werden.

Ebenso ist der SGB-Vorstand der Auffassung, dass die Pensionskassen die mit dem Kapitalmarkt verbundene Risiken und auch das Risiko der Langlebigkeit nicht auf die Versicherten verlagern dürften. Hier müssten die Arbeitgeber ihre Verantwortung wahrnehmen.

Lohnungleichheit beseitigen

Schliesslich verlangt der SGB mehr Schutz für ältere Angestellte. Sie bräuchten einen besseren Kündigungsschutz und die Sicherheit, bei einem Stellenverlust kurz vor der Pensionierung bis zum ordentlichen Rentenalter bei ihrer bisherigen Pensionskasse versichert bleiben zu können. Dies soll Renteneinbussen verhindern.

Ungleiche Löhne sind nach Auffassung mehrerer Delegierter mit ein Problem für die tieferen Frauenrenten. Die Versammlung beschloss, bei der Revision des Gleichstellungsgesetzes mehr Druck zu machen für die Beseitigung der Lohnungleichheit, wie der SGB in einem Communiqué schrieb. Behördliche Kontrollen und Sanktionen seien notwendig.

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • N. Ein am 03.11.2017 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht.

    Warum noch mehr zahlen, länger arbeiten.... Spart endlich zugunsten der AHV in der Entwicklungshilfe, im Asylwesen etc. Geld hat es genug! Leider wird es am falschen Ort eingesetzt.

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  • Goaner am 03.11.2017 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung?

    Gleichberechtigung bleibt ein Traum für alle Männer.

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  • Sehnsucht 6 7 am 03.11.2017 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung?

    Das sollte doch Gleichberechtigung sein oder seh ich das falsch. Funktioniert Gleichberechtigung nur dann wenns den Frauen zum Vorteil ist oder soll es für beide gelten? Wie wäre es wenn Männer auch mit 63 Jahren pensioniert werden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kojak am 05.11.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgabenseite klären

    Also über Frauenlöhne und Rentenhöhe kann man sich totdiskutieren. Was mich sehr interessieren würde ist, wie Frau und Mann ihre Rente AUSGEBEN. Da würde sich vermutlich schnell mal zeigen, dass der Mann zwar mehr hat, aber auch mehr für andere (Familienmitglieder) aufwendet, so dass für ihn selber gar nicht so viel mehr bleibt. Während Frauen ihr Einkommen in vielen Fällen für sich verprassen können (Familienkosten gehen auf das Konto des Mannes). Das fängt ja schon ganz früh beim Balzen an: Mann zahlt Eintritt, Abendessen, Drinks.. wieso soll diese Gewohnheit im Familienalltag später ändern?

    • Rose am 05.11.2017 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kojak

      Du lebst anscheinend im Mittelalter. Mein Partner und ich haben schon vor 40 Jahren vor unserer Ehe die Kosten für den Ausgang geteilt. Aber immer schön schubladisieren und sich wundern, dass keine anbeisst.

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  • Sue am 05.11.2017 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ich als Frau verstehe nicht warum wir nicht bis 65 arbeiten sollten? Wegen diesem mikrigen Jahr macht man einen Aufstand. Ich verstehe es wirklich nicht. Vielleicht kann mich ein Befürworter aufklären?

    • RF am 05.11.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sue

      Leider haben die Männer das AHV-Alter der Frauen bis auf 62 gesenkt. Dann wurde es wieder auf 64 erhöht. 1948 war das AHV-Alter 65/65. Das tiefere Rentenalter der Frauen verursacht jedes Jahr Mehrkosten in zweistelliger Milliardenhöhe. Es gibt keinen einzigen Grund warum die Frauen schon mit 64 pensioniert werden. Nach Verursacherprinzip müssten die Frauen bis 68 und die Männer nur bis 64 arbeiten. Dann könnten die Männer und Frauen den gleich langen Lebensabend geniessen. Dank der Umverteilung erhalten die Frauen jedes Jahr über eine Vielzahl von Gesetzen und Kassen 15 bis 20 Milliarden CHF?

    • Logiker am 05.11.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

      Ach liebe Leute

      Arbeitsscheue Frauen finden immer einen Weg, damit sie nicht arbeiten gehen müssen und andere (Ehemann, Ex-Mann, Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen usw.) für ihren Lebensunterhalt bezahlen lassen können. Die Umverteilungsproblematik bleibt auch bei einem höheren Frauen-Rentenalter bestehen.

    • Spatz am 05.11.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RF

      Verursacherprinzip? Wie jetzt? Weil Frau überhaupt lebt? Erklärung bitte!

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  • Ostschweizer am 05.11.2017 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Rentenreform oder Rentenklau?

    Statt ständig über die Erhöhung des Rentenalters und die Reduzierung des Umwandlungssatzes bei den Pensionskassen Guthaben zu diskutieren, wäre es für mich 1. Priorität den Kündigungsschutz für langjährige Mitarbeiter zu verbessern. Zudem sollte es bei Personen ab Alter 55 möglich sein, bei einer Kündigung, in der letzten Pensionskasse zu verbleiben, wenn kein neuer Job gefunden wird. Ich habe mit 58 meinen Job verloren, und war gezwungen, mein Geld auf einem Freizügigkeitskonto zu deponieren, Zinssatz 0.25%. Dieses Geld vergeben die Banken dann wieder mit Gewinn als Kredit.

  • Peter Keller am 04.11.2017 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerecht naja

    Wieviel älter werden die Frauen??

    • RF am 05.11.2017 00:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Keller

      4 Jahre. Die Lebenserwartung der Frauen ist 84 Jahre und das der Männer 81 Jahre. Der Lebensabend für die Frauen nach der Pension beträgt 21 Jahre und bei den Männern 16 Jahre. Differenz 5 Jahre.

    • Spatz am 05.11.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RF

      Naja, nach Studie. Es soll aber auch Frauen geben, die schon vor der Pensionierung sterben. Mit diesen Argumenten sollte man niemals über das Rentenalter diskutieren. Für mich: Gleichstellung Rentenalter = Gleichstellung Lohn. Wäre doch ganz einfach.

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  • Stiller Beobachter am 04.11.2017 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die gleiche Aussage

    Der alte Pauli schwaffelt doch schon seit zehn Jahren, das er kurz vor dem Durchbruch sei. Das muss wohl ein langer Tunnel sein wo der Rechtsteiner sich befindet.