Lebensretter warnen

20. Juni 2013 23:05; Akt: 20.06.2013 23:05 Print

Schwimmflügel schützen nicht vor dem Ertrinken

Viele Eltern lassen ihre Kinder mit Schwimmflügeln unbeaufsichtigt ins Wasser. Sie wiegen sich in falscher Sicherheit: Auch mit den aufblasbaren Hilfen an den Armen können die Kleinen ertrinken.

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Kinder müssen trotz Schwimmflügeln beaufsichtigt werden. Sonst laufen sie Gefahr, zu ertrinken. (Bild: Colourbox.de)

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Bei der momentanen Hitze und den überfüllten Badis geniesst das Thema Sicherheit bei Kindern höchste Relevanz. Erst gestern musste ein 4-jähriger Knabe nach einem Badeunfall im Swiss Holiday Park Erlebnis-Bad in Morschach SZ ins Spital eingeliefert werden. Weder die Kantonspolizei Schwyz, noch der Swiss Holiday Park wollten gegenüber 20 Minuten sagen, ob der Knabe dabei Schwimmflügel getragen hat.

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Häufige Todesursache

Genau vor diesen warnt die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG in einer Medienmitteilung. So würden «Flügeli» Kindern «keinerlei Schutz vor dem Ertrinken bieten». Denn die aufblasbaren Schwimmhilfen können laut Prisca Wolfensberger, Sprecherin der SLRG, von den Armen rutschen, defekt sein oder das Kind in eine gefährliche Situation bringen. «Für ganz kleine Kinder kann schon wenig tiefes Wasser gefährlich sein: Kippen sie um, können sie sich nicht mehr selber aufrichten.»

Deshalb versteht Wolfensberger nicht, wieso viele Eltern ihren Nachwuchs unbeaufsichtigt mit «Flügeli» ins Wasser gehen lassen: «Egal ob an Seen, Flüssen oder in der Badi. Ich sehe unzählige Mütter und Väter, die ihre Kinder in der Nähe von Gewässern aus den Augen lassen.» Zusätzliche Schwierigkeit bietet ein spezielles Verhalten der Kinder. «Entgegen der verbreiteten Meinung, dass Kinder schreien, wenn sie ins Wasser fallen, machen sie sich in Wirklichkeit kaum bemerkbar. Sie schreien und strampeln nicht», sagt Wolfensberger. Grund sei der sogenannte Stimmritzenkrampf, bei dem sich die Luftröhre infolge von Wasser in Mund und Hals verschliesse.

Ertrinkungsfälle liessen sich vermeiden

Einziger Schutz für die Kleinen ist gemäss der Expertin eine permanente Beaufsichtigung. So liessen sich 90 Prozent aller Ertrinkungsfälle bei Kindern vermeiden. Im Schnitt ertrinken in der Schweiz fünf Kinder pro Jahr. Damit ist Ertrinken die zweithäufigste Unfalltodesursache bei Kindern im Vorschulalter. Die Zahl der sogenannten Beinahe-Ertrinkungsfälle, in denen Kinder relativ lange unter Wasser waren, jedoch noch knapp vor dem Ertrinkungstod gerettet werden konnten, liegt laut Wolfensberger noch erheblich höher. Wegen der Unterversorgung des Hirns mit Sauerstoff trügen die Kinder dabei häufig körperliche und geistige Behinderungen davon.

(ame)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manu am 21.06.2013 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Eltern

    Ich war als Aushilfe 5 Jahre in der Sommersaison Bademeisterin und ich kann die Aussagen nur bestätigen. Die Eltern sind meist nirgends zu finden, oder dann an ihrem Smartphone beschäftigt. Baden sie dann mal mit ihren kleinen Kids, gehen sie mit ihnen ins tiefe Wasser mit Flügeli. Wenn ich ihnen dies verbiete, da Nichtschwimmer nicht ins tiefe Wasser gehören, tun sie blöd. Was ich ganz "toll" finde: Kinder die mit Flügeli vom Sprungturm springen! Oder die Verantwortung dem "grossen" Bruder abschieben.. Das kommt leider sehr oft vor..

  • Naomi am 21.06.2013 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich klar, oder?

    Eigentlich schon traurig, dass man Eltern auf so etwas hinweisen muss. Muss man? Muss man Eltern auch "beaufsichtigen", bevormunden? - Vielleicht.

  • Sarah am 21.06.2013 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke für den beitrag! Hoffe es gibt ein paar leser, die sich betroffen fühlen... Ist nämlich echt schlimm, wie naiv einige eltern sein können...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bea am 29.06.2013 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneller als gedacht

    Als Teenager habe ich im Freibad als Aufsicht ausgeholfen. Dabei gab es mal ein fast ertrunkenes Kind, das wurde von meinem Kollegen wiederbelebt. Kinder sind so schnell plötzlich weg. Ich selbst habe jetzt Kleinkinder und obwohl ich sie ständig beaufsichtige ist mir mein 3 jähriger von einem Spielplatz unbemerkt abgedampft. Es ist nichts passiert, aber andere haben das Glück nicht. Bei Wasser bin ich überempfindlich mit dabei sein. Meine Freundinnen sind immer wieder schockiert warum ich so viel schaue. Aber ich will nicht noch mal ein ertrunkenes Kind sehen und bestimmt nicht mein eigenes!!!

  • Naomi am 21.06.2013 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich klar, oder?

    Eigentlich schon traurig, dass man Eltern auf so etwas hinweisen muss. Muss man? Muss man Eltern auch "beaufsichtigen", bevormunden? - Vielleicht.

  • Doris Gugger BE am 21.06.2013 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korkanzug

    Ein Korkanzug um den Körper ist besser als Flügeli. So ist das Risiko sehr minim und Kinder lernen so schneller schwimmen.

  • Markus am 21.06.2013 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern sind selbst Schuld

    Man lässt seine Kinder eben nicht unbeaufsichtigt! Da gibts kein ABER.

  • R. S. am 21.06.2013 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am Wasser erhöhte Aufsicht nötig.

    Bei mir mussten die Kinder Schwimmwesten mit extra Kinnschutz tragen welche sie nicht selber öffnen konnten. Trotzdem war ich immer dabei obwohl jüngere Muetter dies belächelten. Später trugen sie Styropor Armringe die ziemlich satt sassen obwohl das Kind schwimmen konnte. Heute ist das Kind eine Super Schwimmerin.