Sicherheitsexperte Stahel

22. März 2016 16:08; Akt: 22.03.2016 16:08 Print

«Auch die Schweiz braucht schärfere Kontrollen»

Sicherheitsexperte Albert A. Stahel sagt, was die Anschläge in Brüssel für die Schweiz bedeuten. Er fordert mehr Kontrollen und eine verstärkte Überwachung der IS-Rückkehrer.

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Sicherheitsexperte Albert A. Stahel fordert verstärkte Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Herr Stahel, was bedeuten die Ereignisse in Belgien für die Schweiz?
Die Schweiz muss ihre Sicherheitsmassnahmen steigern – und zwar rapide. Wir können diese Ereignisse nicht mehr ignorieren und darüber hinwegsehen. Diese Anschläge betreffen auch die Schweiz.

Wie konkret?
Es braucht schärfere Kontrollen und diese ganze Szene der IS-Reisenden und -Rückkehrer muss besser überwacht werden. Wir müssen wissen, wer die sind und ob potenzielle Täter unter uns leben.

Die Explosionen geschahen aber im Check-in-Bereich des Flughafens. Soll man den etwa auch abriegeln?
Es wird darauf hinauslaufen, dass Check-in-Bereiche künftig nicht mehr ohne Kontrollen zugänglich sind. Das ist der Preis, den wir für mehr Sicherheit an den Flughäfen zahlen müssen. Künftig kann man die Familie nicht mehr zum Check-in bringen, sondern wird sich zu Hause verabschieden müssen.

Wird das auch die Mitarbeiter der Flughäfen betreffen? Am Flughafen Genf wurde 33 muslimischen Gepäckbearbeitern bereits der Zutritt zum Rollfeld untersagt.
Klar, auch bei anderen Flughäfen in der Schweiz müssen Mitarbeiter einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden. Denn Flughäfen sind für Terroristen natürlich das Primärziel. Aber auch an Bahnhöfen, überall wo Menschen sich versammeln, müssen die Kontrollen und die Überwachung verbessert werden.

Einen Hauptbahnhof Zürich kann man doch nicht abriegeln?
Natürlich nicht und die SBB haben auch schon viel in Sachen Sicherheit unternommen. Aber Bahnhöfe sind für potenzielle Täter nun mal wie Flughäfen «lukrative» Ziele. Es braucht erhöhte Sicherheitsmassnahmen und engmaschige Kontrollen. Eingänge, Ausgänge, Perrons – das muss man im Auge behalten.

Damit schafft man aber auch ein Klima der Angst.
Hören Sie, wir sind nicht mehr auf der Insel der Seligen. Wir müssen uns der Realität stellen. Im Moment sind vor allem Frankreich und Belgien im Fokus. Aber auch Deutschland könnte ins Visier von Terroristen geraten – und auch in der Schweiz sind Anschläge möglich.

Wo könnten diese stattfinden?
Die Schweiz hat zum Beispiel vergangene Woche vier IS-Mitglieder vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona zu teilweise langen Haftstrafen verurteilt. Auch dafür könnten IS-Mitglieder Vergeltung suchen. Als gefährdete Städte würde ich Genf, Zürich und Basel nennen.

(num)