Roboter und Games

06. Mai 2017 13:59; Akt: 06.05.2017 13:59 Print

Sieht so die Schule der Zukunft aus?

Programmieren mit «Minecraft» und ein Roboter als Klassenassistent: Experten erklären, wie das digitale Schulzimmer aussehen könnte.

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Im Informatik-Unterricht hätten Schweizer Schüler noch viel Aufholbedarf. Zu diesem Schluss kommt nicht nur Marc Weder, Leiter für Bildung bei Microsoft Schweiz, sondern auch die Bildungskommission des Nationalrats. Sie will dazu eine «Informatik-Offensive» lancieren. Doch wie sähe der Informatik-Unterricht der Zukunft überhaupt aus?

Programmieren schon in der Primarschule
Laut dem Lehrplan 21 ist Programmieren bereits ab der dritten Klasse Bestandteil des Informatikunterrichts. Marc Weder von Microsoft hält das für sinnvoll. Ihm zufolge könnte man die Grundlagen dafür bereits in der Unterstufe legen.

Dieser Meinung ist auch Marloes Caduff. Als sie keinen Programmier-Kinderkurs für ihre Tochter fand, gründete sie das Start-up Codillion, wo sie nun Kurse für 5- bis 12-Jährige anbietet. «Die meisten Programmiersprachen sind nach dem gleichen Grundprinzip aufgebaut. Kinder verstehen das schon in jungen Jahren», erklärt sie. Beim Programmieren würden die Kinder auch ihr Denken trainieren. «Heute sind sie gewohnt, unterhalten zu werden.» Mit Programmieren könnten sie auf neue Art kreativ tätig sein.

Games als Lehrmittel
Spiele zur Informationsvermittlung sind im Klassenzimmer nichts Neues. Die Digitalisierung eröffnet aber auch hier neue Möglichkeiten. Marc Weder macht folgendes Beispiel: «Der Lehrer hat im Fach Geometrie Symmetrie erklärt. Die Schüler können sich darauf im Spiel ‹Minecraft› einloggen und gemeinsam symmetrische Figuren bauen.» Sie seien durch das Game nicht nur motivierter, sondern könnten das Konzept auch direkt anwenden. «Dadurch lernen sie nebenbei, im Team zu arbeiten.»

Lehrer wird zum Lern-Coach
«Der Lehrer wird wegen der neuen Technik nicht verschwinden, aber seine Rolle wird sich wandeln», erklärt Martin Kathriner, Mitbegründer von Learnify.ch und digitaler Stratege bei Samsung. Durch die neuen Möglichkeiten der neuen Technologien können sich die Schüler viel mehr Wissen selbst aneignen. Das könne mit Lernprogrammen geschehen oder durch die Zusammenarbeit online. «Der Lehrer gibt dann mehr die Lernziele vor und betreut die Schüler auf dem Weg dahin.»

Tablets statt Bücher
Computer und Tablets spielen auch in den Schulen eine immer wichtigere Rolle. Vielleicht arbeiten Schüler vor allem noch mit Tablets. Computerprogramme können Wissen auf interaktive Weise vermitteln. Das ist aber nicht genug. Martin Kathriner erklärt: «Ein Tablet allein macht noch keinen besseren Unterricht.» Wichtiger sei, dass Lehrer wissen, wie sie die neuen Mittel pädagogisch nutzen.

Das Schulzimmer wird mobiler
Die digitale Kommunikation sorgt dafür, dass die Schüler nicht mehr zwingend im Schulzimmer anwesend sein müssen. Heute hat jeder Schüler irgendeine Art Computer zu Hause.

Marc Weder erklärt: «Vor allem in der Oberstufe gibt das Lehrern und Schülern mehr Flexibilität.» Die Schüler müssten dann nicht immer anwesend sein und könnten trotzdem in Kontakt miteinander stehen. Und an Universitäten ist es bereits heute Standard, dass Unterrichtsstunden aufgezeichnet und übertragen werden können.

Personalisierter Schulstoff
Heute versuchen Lehrer das Niveau etwa dem Durchschnitt der Klasse anzupassen. «In Zukunft wird es möglich sein, den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben automatisch den Fähigkeiten des Schülers anzupassen», erklärt Marc Weder.

Talentierte Schüler würden sich dadurch nicht mehr langweilen, und schwächere Schüler würden sich nicht mehr überfordert fühlen. Das könne so funktionieren: Alle Schüler lösen Aufgaben zum selben Thema. Die ersten paar Aufgaben sind eher einfach. Wenn ein Schüler sie gut beantwortet, werden die nächsten Fragen mit der Zeit immer schwieriger.

Verwertung von Daten
Im digitalen Schulzimmer fallen viele Daten an. Das können Lehrer und Experten wiederum nutzen, um Lehrmittel und Unterricht zu verbessern. «Wenn ein Lehrer dank digitalen Werkzeugen sieht, dass die meisten Schüler nicht in der Lage sind, eine Aufgabe zu lösen, kann er sie anpassen oder, falls nötig, etwas nochmals erklären», sagt Weder.

Roboter unterstützen Lehrer
Roboter werden Hilfsaufgaben in der Schule übernehmen, zur Unterstützung der Lehrpersonen. Zudem könnten laut der Sendung «SRF My School» Roboter die Organisation von Gruppenarbeiten übernehmen.

(asc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mutter am 06.05.2017 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoll, aaaaber ....

    .... nur dann, wenn auch Platz geschaffen wird für Natur (die echte draussen vor der Tür), Bewegung (und zwar richtig), Musik, Zeichnen und Basteln (mit den Händen) Sozialkompetenz (ohne tech. Unterstützung) .... nur dann, wenn die Kinder auch in Sachen Verantwortung, Gefühle, Empathie usw. gezeigt bekommen und nicht noch mehr auf Konsum getrimmt werden.

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  • Ich am 06.05.2017 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Puh

    Nun, irgendwann einmal kommt der Erlöser und zieht den Stecker. Hier will man Arbeitssoldaten heranzüchten und keine sozialen Wesen. Wer immer es immer noch nicht merkt wohin die Reise geht, sollte mal lieber wieder ein gutes Buch über das lernen und Kindsein lesen.

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  • Susanne am 06.05.2017 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nichts

    Mensch bin ich froh, dass es keine 2 Monate mehr geht und mein juengsted Kind zur Schule raus ist ! Wenn ich denke was die heute noch lernen. Man erzieht sie als Roboter fuer die Wirtschaft und Arbeitswelt. Sie duerfen keine Kinder mehr sein und lernen dass wichtigste nicht. Verantwortung zu uebernehmen und sich um sich selbst zu kuemmern und sich zu versorgen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Panther am 07.05.2017 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sepia economica

    Bevor das Wirtschaftsungeheuer bzw. die Sepia economica ihre Tentakel nach unseren Kindern ausstreckt, um sich diese zu eigen machen, indem sie die Ausbildung, welche sich primär nach ökonomischen Bedürfnissen ausrichtet, übernimmt, so hoffe ich, dass die Schweizerinnen und Schweizer diesmal wachsam sein werden und merken, was eigentlich trotz des wirtschaftlichen Wohlstands in ihrem Land geschieht. Ein Leben für die Wirtschaft in einer virtuellen Cyberspace Welt mit uniformierten Individuen, ist ein Leben in einem goldenen Käfig, wo jedes Vöglein das Liedchen seines Halters zwitschert.

  • Jakob am 06.05.2017 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    macht die Augen auf

    wenn man bedenkt, dass in ca 20 Jahren nur noch jeder 2 arbeitet und wir alle dank der digitalisierung/ künstlicher Inteligenz uns unseren Hobbys widmen können hmmm für was brauchen wird dieses verdumende Schulsystem noch. lassen wir die Kinder Kind sein und Spass haben.

    • Sepp Trub am 07.05.2017 01:59 Report Diesen Beitrag melden

      junge Eidgenossen

      @Jakob: Richtig, der Ueli und s"Vreneli muessen sich mit der Welt adaptieren, sonst ist dann nix mit Teppich-Etage, dafuer aber ein lebenlang im Untergeschosse an Post sortieren und in miesen, engen Wohnsilos hausen.

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  • zumba am 06.05.2017 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aus und schluss damit

    Schule für reiche, studieren für reiche, der kleine zahlt den reichen noch die Ausbildung, das muss abgeschafft werden. Wann seht ihr endlich ein, das die normal Verdiener die Reichen ernähren. Stoppen wir diese Ungerechtigkeit.

  • Demokrat am 06.05.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon interessant

    das Schulsystem ist einfach zu teuer für uns. Lohnt sich nicht. alles was nicht Lohnt müssen wir abstellen. Es Lebe Kapitalismus.

  • IT Angestellter am 06.05.2017 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nix

    Ich arbeite selbst in solch einer Schule. Es muss immer das neuste sein und doch verstehen die Leute die Grundlagen nicht. Einstellungen richtig machen fehlanzeige doch solche Leute bekommen eine Matura und besetzen spitzenpositionen. Gute Nacht. Wenn etwas nicht auf anhieb geht dann wird gleich ausgerufen weil es ja zu Hause geht. Die Leute haben keine Vorstellung dass IT mehr abverlangt als ein Lehrer der Anleitungen schreibt wo man hirnlos klicken muss. Die Lehrer sind dafür schlicht unterqualifiziert und können nix, verdienen aber mehr als Piloten. Aber die Welt geht mit jubel zugrunde

    • Bob am 06.05.2017 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @IT Angestellter

      Diese Aussage ist wie so oft sehr gelungen...Sie rufen ja selbst aus, arbeiten an einer Schule und übertragen die gemachte Erfahrung flächendeckend auf die gesamte Lehrerschaft. Und was soll der Lohnvergleich? Viele Lehrpersonen, welche bei uns diese Fächer unterrichten kommen zufällig aus der Informatik und passen ganz und gar nicht in das von ihnen beschriebene Muster. Egal welchen Inhalt ein Artikel über den Bildungsbereich thematisiert; es gibt Leute, welche alles immer auf die selbe Aussage hinunterbrechen.

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