Deutscher Handwerker

21. April 2017 14:21; Akt: 21.04.2017 15:26 Print

«Ich habe in der Schweiz mehr in der Tasche»

Lebt es sich in der Schweiz tatsächlich besser als in Berlin oder Paris? Leser berichten von ihren Erfahrungen.

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«Schweizer neigen dazu, den eigenen Wohlstand zu überschätzen», sagt Ökonom Marco Salvi von Avenir Suisse im Interview mit 20 Minuten. Das Wohlstandsniveau in Deutschland und Österreich sei aber kaum geringer. In den Leserkommentaren wird gestritten, wo es sich besser lebt – in der Hochpreisinsel Schweiz mit ihren hohen Mieten oder doch im benachbarten Ausland?

Klar ist: Die Schweiz schneidet bei Kaufkraftvergleichen regelmässig sehr gut ab. Laut einer Studie der UBS, die Preise und Löhne in Städten weltweit verglichen hat, arbeitet man in Zürich für einen Big Mac 11 Minuten, in Wien 12, in München 13, in Paris 15 und in Rom 18 Minuten lang. Die Untersuchung der Grossbank zeigt aber auch: Die hohen Preise fressen einen Teil des Lohnvorteils auf.

Verkäuferin verdient doppelt so viel

So verdient eine Verkäuferin in Deutschland gemäss der UBS-Studie 21'802 Euro, in Zürich sind es 50'366 Euro. Abzuziehen sind Steuern und Sozialabgaben. Diese sind in Berlin höher, dafür ist die Krankenkasse bereits inbegriffen.

Eine durchschnittliche Miete kostet in Berlin monatlich 640 Euro oder 7680 Euro im Jahr, in Zürich 1640 Euro oder 19'680 Euro im Jahr. Der monatliche Warenkorb mit Lebensmitteln für eine dreiköpfige Familie schlägt in Deutschland mit 387 Euro zu Buche, in der Schweiz dagegen mit 682 Euro. Unterschiede gibts aber auch bei Dienstleistungen: Ein Damenhaarschnitt beispielsweise kostet in Berlin 13 Euro, in Zürich 80 Euro.

«Monatliche Fixausgaben fressen den Vorteil auf»

Zahlreiche Leser haben diese Unterschiede am eigenen Leib zu spüren bekommen. Über eine Temporärfirma kam Christian Kruimer (34) aus dem deutschen Frankenland in die Schweiz:«Anfänglich war ich natürlich schockiert über die Preise. Aber ich habe die Rechnung gemacht und gesehen, dass ich viel mehr verdiene.» In Deutschland verdiente der Industriemechaniker rund 8 Euro in der Stunde, nun verdient er als Hebebühnenmechaniker einen branchenüblichen Lohn.

Obwohl er zusammen mit seiner Partnerin in der Stadt Zürich in einer Mietwohnung wohnt, hat er aber mehr in der Tasche. «Wir fahren zweimal im Jahr in die Ferien – das war in Deutschland undenkbar. Handwerker leben in der Schweiz definitiv besser und verdienen für die gleiche Arbeit mehr.»

«Grosse Sprünge liegen nicht drin»

Detailhandelsfachfrau Michèle Binder verschlug es aus dem wohlhabenden Luxemburg in den Kanton St. Gallen: «Auf dem Papier verdiene ich rund 1000 Franken mehr, ich habe aber nicht mehr im Geldbeutel, da etwa die Krankenkasse in Luxemburg von der Firma bezahlt wird.» Die Schweiz sei nicht nur bei den Lebensmitteln sehr teuer, sondern auch beim Zugbillett, bei der Garage oder beim Arzt.

«Ich muss mir gut überlegen, was ich mit dem Geld mache. Grosse Sprünge liegen nicht drin.» Dennoch hoffe sie, eine lange Zeit bleiben zu können. «Die Schweizer sind meistens sehr freundlich und hilfsbereit.»

Kleinerer Lohn – aber eine eigene Wohnung

Umgekehrt sind aber auch Schweizer im Ausland zufrieden mit dem Einkommen: Projektleiter Daniel Küttel (39), der bei einer Webdesignagentur arbeitet, zog 2015 wegen seiner heutigen Frau in die Nähe von Stuttgart. «Wenn man statt 8000 Franken plötzlich nur noch 4400 Euro brutto verdient, kippt man aus den Latschen.» Steuern und Krankenkasse würden direkt vom Gehalt abgezogen, sodass noch 2500 Euro bleiben. Trotzdem kann Küttel noch Geld auf die Seite legen: «Wir gehen essen, ins Kino und kaufen nicht die billigsten Lebensmittel ein.»

Küttel konnte auch Wohneigentum erwerben, was in der Schweiz schwieriger gewesen wäre. «Eine 3,5-Zimmer-Wohnung kostet 300'000 bis 400'000 Euro.» Sein Fazit: «Die Schweiz hat eine höhere Qualität beim Essen, leidet aber auch unter ihrem Hochpreisniveau.» Der Wohlstand der Schweiz sei sensationell, aber auch in Süddeutschland lebe man nicht schlechter.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gigi am 21.04.2017 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht repräsentativ

    Nicht jeder Job in der Schweiz hat das hohe Lohnniveau von Zürich. Nehmt doch mal einen durchschnittlichen Lohn und vergleicht den mal.

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  • Typ am 21.04.2017 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaajaa

    Ja ist schon gut in der Schweiz verdient man am besten haahaa. Würden wir nicht für alle Produkte mehr als doppelt soviel bezahlen müssen als alle anderen Länder dann würden wir auch mehr verdienen!

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  • Walter Goetze am 21.04.2017 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebenshalungskosten Berlin

    Da hat wohl jemand die Mietkosten von 2000 in Betracht gezogen? Auch der Friseur, 13, das ist schon lange her. Einzig die Lebensmittel sind um einiges günstiger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petit am 22.04.2017 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich auch,,

    Ich auch ,, darum gehe ich einmal in der Woche nach Deutschland groß Einkaufen und Diesel tanken und Zahnarztkontrolle und und und ,, so habe ich genug um die großen Sozialabgaben in der Schweiz zu bezahlen,,, oder Liebe Eidgenossen

    • marko 32 am 22.04.2017 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Petit

      Das mache ich auch

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  • Tik am 22.04.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BDR/CH

    Geld ist nicht alles. Die Deutschen sind im Gegensatz zu Schweizer freundlicher und vor allem aufgestellt und gut drauf. Die Schweizer sind sehr arbeitsbelastet.

  • dicker Bär am 22.04.2017 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht alles Gold was glänzt

    Naja Ch sind wenn es um deutsche geht immer am hetzen... Aber selbst er das Minimum schaft und dann noch über den Lohn sich beschweren warum denn sie sind doch in Massen an den Wochenden in Deutschland und kaufen ein dann ist der lebenstandart in der Schweiz auch besser wenn man es so machen kann... Ansonnsten lebt man an der armutsgrenze oder man hat Schulden ohne Ende

  • Angel in blue Jeans am 22.04.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaltmiete

    Kaltmiete in D. Das heisst ohne Heizkosten. Die kommen noch dazu. Und oft ist für Küche ohne Kühlschrank und ohne Gasherd. Die nimmt man nämlich mit.

    • Funky am 22.04.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Angel in blue Jeans

      ....sowie Waschmaschine und Trockner und Renovieren muss man meistens auch selber.

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  • Cavi33 am 22.04.2017 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig einmal mehr

    Die Verkäuferin mit 50k Euro in Zürich würde ich gerne sehen, das heisst der Arbeitgeber der diesen Jahreslohn dann wirklich zahlt. Oder muss man da 200Std im Monat arbeiten?