Piratenpartei

15. März 2016 15:54; Akt: 15.03.2016 15:54 Print

«Angreifer könnten die halbe Schweiz lahmlegen»

von D. Pomper - Nach den gestrigen Cyberattacken warnt Marc Wäckerlin von der Piratenpartei vor wirtschaftlichen Verlusten.

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«Neben Onlineshops könnten die Zahlungssysteme von Banken ausser Betrieb gesetzt werden. Firmen könnten über längere Zeit ihre Bezahlungen nicht tätigen. Fahrplananfragen oder Ticketvorverkäufe könnten verhindert werden. Die Folge wären grosse wirtschaftliche Verluste», sagt der Vizepräsident der Piratenpartei Marc Wäckerlin.

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Herr Wäckerlin, gestern kam es zu einer verheerenden Cyberattacke auf diverse Schweizer Onlineshops, auch auf die SBB. Sind Sie erstaunt?
Nein, das verwundert mich nicht. So etwas kann jederzeit passieren. Für einen solchen Angriff braucht es nicht viel. Er ist technisch sogar äusserst primitiv. Man muss sich das so vorstellen, als ob ein Billettschalter mit tausend Leuten überrannt würde und dann zusammenbricht. Der Angreifer hat über ferngesteuerte Computer die Online-Shops lahmgelegt, indem er die Systeme überlastet hat. Es war quasi ein Internet-Flash-Mob.

Hätte es schlimmer kommen können?
Jede Website kann angegriffen und lahmgelegt werden. Die Angreifer könnten ein grosses Chaos verursachen und die halbe Schweiz lahmlegen, auch wenn sie dafür grosse Ressourcen bräuchten. Neben Onlineshops könnten die Zahlungssysteme von Banken ausser Betrieb gesetzt werden. Firmen könnten über längere Zeit ihre Bezahlungen nicht tätigen. Fahrplananfragen oder Ticketvorverkäufe könnten verhindert werden. Die Folge wären grosse wirtschaftliche Verluste.

Wie wahrscheinlich sind Angriffe auf Stromnetze oder AKWs?
Mit dieser Art von Attacke sollte nichts passieren, da nur der Zugriff von aussen betroffen ist. Das Betriebssystem eines AKW oder von Stromnetzbetreibern sollte ohnehin nicht am Internet angeschlossen sein.

Der Armee-Chef Andrée Blattmann aber hält den Krieg im Internet, den Cyberwar, «für die aktuell gefährlichste Bedrohung». Wenn es jemandem gelänge, die Kommunikations- und Stromnetze lahmzulegen, könnten die Systeme der Armee nicht mehr eingesetzt werden. Ihre Einschätzung?
«Cyberwar» ist ein dummes Schlagwort, das der Angstmacherei dient. Die Armee hat ihre Bedeutung verloren und sucht verzweifelt nach Rechtfertigung. Sicherheit muss man planen. Die Betreiber wichtiger Infrastrukturanlagen müssen ihren Sorgfaltspflichten nachkommen und ein geeignetes Sicherheits- und Notfallkonzept erarbeiten. Für grundlegende Aufgaben wie Rettungsdienste, Spitäler, und Katastrophenschutz muss es immer einen Plan B geben, wie zum Beispiel Stromgeneratoren oder unabhängige Kommunikationskanäle.

Inwiefern ist der Bund bei Cyberattacken auf Schweizer Unternehmen verantwortlich?
Der Bund kann hier nicht viel machen. Wenn schon ist es Sache der Internetprovider wie Swisscom oder Cablecom, schnell Massnahmen einzuleiten und zu helfen. Aber präventiv lässt sich nichts machen. Man kann auf solche Attacken nur reagieren. Und man muss an die Selbstverantwortung der Benutzer appellieren, sicher im Internet zu surfen um sich keine Trojaner oder Viren einzufangen, weil unsichere Computer die Basis für derartige Angriffe schaffen.

Wen vermuten Sie hinter den Attacken?
Es ist wohl kaum ein unbekannter Hacker aus der Ukraine, sondern eher jemand, der in der Schweiz wohnhaft ist und einen Bezug zu den betroffenen Onlineshops hat. Ihn dingfest zu machen, dürfte aber schwierig werden. Denn die IP-Adresse zurückzuverfolgen ist praktisch unmöglich. Wenn es Erpressungsversuche gab, wäre das ein Anhaltspunkt für Ermittlungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MR am 15.03.2016 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    old school

    jetzt wissen wir auch wieso wir in der armee noch funkgeräte vom letzten jahrhundert benutzen! die funktionnieren nähmlich auch in diesen Fällen noch.

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  • gaxu am 15.03.2016 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur

    Der Ueli oder jetzt der Parmelin sollte nicht nur in Jets Investieren. Sondern auch in Cyber abwehr. Natürlich sollten auch Firmen in Zukunft ihre Netzwrke noch besser machen und trennen.

  • Peter K. am 15.03.2016 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so - Crash garantiert

    Aber man baut das Internet weiter aus - Internet der Dinge ist jetzt der neuste Schrei. Kaum auszudenken, wenn dann der Kochherd oder der Kühlschrank oder die Waschmaschine gehackt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Willhelm Von Thannenburg am 18.03.2016 02:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachhafte Angstmacherei

    Als obs wen interessiert, dass ein Online Shop paar Stunden offline ist. Wegen dem ist noch lange nicht die halbe Schweiz lahmgelegt. Sogar noch dann nicht, wenn alle Ampeln ausgestellt werden. Der Schweizer Bürger lässt sich nicht aus der Ruhe bringen wegen ein paar wichtigtuerischen Kellerkindern, die zu viele Filme geschaut haben und nun denken, sie hätten bald die Weltmacht.

  • Lady Sun am 16.03.2016 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein absolutes Must ist es....

    etwas dagegen zu unternehmen! Los geht's!

  • Strubeli014 am 16.03.2016 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Uj dass wåre mal spannend was dann alles so abgeht..Warte gespannt darauf:)

  • Trix am 16.03.2016 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Wissen falsch angewendet!

    Wenn wir deren Wissen und Können nur für andere Zwecke brauchen dürften. Was wäre da noch alles Möglich in drr Forschung, Politik, Ausbildung, Witschaft ect

  • Blödsinn am 16.03.2016 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    IT vor!

    Floh Einstein Mauchle könnte das Problem meines Wissens lösen. Leider vertrauen wir in der Politik mit Zukunftstechnologien den Gestrigen der traditionellen Parteien.