Tamedia-Nachbefragung

26. September 2017 05:44; Akt: 26.09.2017 05:44 Print

Junge und Frauen liessen Rentenreform abstürzen

Innenminister Alain Berset gelang es nicht, die Frauen und Jungen auf seine Seite zu ziehen. Sie lehnten die Altersvorsorge 2020 deutlich ab.

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Nach mehr als 20 Jahren ohne Reform scheiterte am Wochenende auch die Altersreform 2020 vor dem Volk – obwohl Bundesrat Alain Berset (SP) landauf, landab für den Kompromiss geweibelt hatte.

Nun zeigt die Tamedia-Nachbefragung im Detail, wie das Nein zustande gekommen ist. Zwei Befunde stechen ins Auge: Sowohl die Jungen als auch die Frauen verweigerten dem Bundesrat ihre Gefolgschaft.

Männer hätten Ja gestimmt

So stimmten nur 42 Prozent der Frauen der Reformvorlage zu, der am Sonntag gut 47 Prozent der Stimmbürger zustimmten. Würden nur Männer abstimmen, hätten dagegen beide Vorlagen das Volksmehr geschafft. Die markante Differenz bei den Geschlechtern deuten die Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen als Opposition der Frauen gegen die Erhöhung des Rentenalters.

Für die Reform setzte sich Natascha Wey, Co-Präsidentin der SP-Frauen, ein. Der hohe Nein-Anteil der Frauen überrascht sie nicht. «Der Widerstand gegen die Erhöhung des Frauenrentenalters war gross, trotz der AHV-Erhöhung und den Verbesserungen für Teilzeitarbeitende.» Für einige sei der Kompromiss zu weit gegangen. Bei der Neuauflage der Reform werde man darum auf substanzielle Kompensationen zugunsten der Frau beharren.

Nur 43 Prozent der Jungen für die Reform

Auch bei den jüngeren Stimmbürgern fielen die AHV-Vorlagen durch: Nur 43 Prozent der 18- bis 34-Jährigen stimmten der Reform und der Mehrwertsteuervorlage zu. Deutlich stärker war die Unterstützung bei den über 50-Jährigen und bei den Rentnern. Letztere nahmen die Rentenreform mit 53 Prozent Ja an.

Erfreut über das Resultat ist Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen: «Es zeigt, dass sich die Jungen mit der Vorlage auseinandergesetzt haben. Sie haben erkannt, dass es widersinnig ist, die AHV auszubauen, wenn die demografische Entwicklung in eine andere Richtung zeigt.»

Auch die Jungen seien bereit, ihren Preis zu bezahlen. Aber: «Sie brauchen die Sicherheit, dass ihr Opfer auch dafür sorgt, dass sie irgendwann eine Rente bekommen. Das war bei der abgelehnten Vorlage nicht der Fall.»

SVP-Wähler stimmten fast geschlossen Nein

Offensichtlich gewirkt hat die Kampagne der bürgerlichen Gegner: 84 Prozent der SVP-Wähler und 61 Prozent der FDP-Wähler legten ein Nein in die Urne. Bei der CVP-Basis folgten 2 von 5 Wählern ihrer Partei nicht und stimmten Nein. Bei SP und Grünen lehnten gut 25 Prozent der Wähler die Rentenreform ab.

Akademiker sagten eher Ja

Die Umfrage zeigt zudem einen klaren Stadt-Land-Graben. Städter haben die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Reform der Altersvorsorge angenommen (55% bzw. 53% Ja). Auf dem Land lag der Ja-Stimmen-Anteil markant tiefer (47% bzw. 43% Ja).

Gut kam die Reform der Altersvorsorge bei Personen mit einem Uni-Abschluss an: 63 Prozent der Akademiker sagten Ja. Stimmbürger, die eine Lehre oder ein Handelsdiplom als höchsten Abschluss haben, waren skeptischer: 60 Prozent stimmten Nein.

Einigkeit bei der Ernährungssicherheit

Das wuchtige Ja zum Bundesbeschluss über die Ernährungssicherheit lässt sich leicht erklären: Es fand bei den Wählern aller Parteien eine deutliche Mehrheit.

10’050 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 22. und 24. September online an der Tamedia-Nachbefragung zu den eidgenössischen Vorlagen vom 24. September teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1.7 Prozentpunkten. Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lars Meier am 26.09.2017 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Anderer Grund - Geldverschwendung

    Ich jung, Akademimer habe nein gestimmt, weil z.B beide Vorstandsmitglieder des ISZR keine Steuern zahlen und KK Prämien zahlen, WIR tun es. Ein radikaler Iman aus Biel? WiR haben ihn die letzten 10 Jahre finanziert. Ich weiss, das hat zwar nichts mit der AHV direkt zu tun. Aber solange unser Sozialstaat so dermassen ausgenutzt wird auf UNSERE Kosten, denke ich scgon gar nicht darüber nach die AHV zu sanieren. Das Geld ist zu genüge vorhanden.

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  • Aline am 26.09.2017 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neinsager

    Und was aendert dass fuer Berset wenn er nun diese Statistik hat ? Er muss so oder so an die Arbeit und mal was gescheites bringen. Den wie sagt man so schoen ? Ohne Fleiss kein Preis. Solange unser Staat unsere Steuergelder ins Ausland, ins Asylwesen verschleudert, Leute wie den stinkfaulen und kriminellen Iman aus Biel ueber 10 Jahre mit 600000 Fr fuer's Nichtstun unterstuetzt solange stimme ich dass Gegenteil was der Bundesrat vorschlaegt. Berset wird nach Abgang lebenslaenglich eine Rente in 5stelligem Betrag erhalten und dafuer sollte ich ein Jahr laenger arbeiten (habe mit 15 angefangen und duerfte somit ein 50 jaehriges Jubileeum feiern - was nicht noetig ist - schliesslich habe ich fast 50 Jahre eingezahlt und dem Staat ein paar Steuerzahler vor die Tuer gestellt). Und dass will dann Berset auf dem Ruecken der Frauen austragen und seelenruhig mit seiner hohen Rente auf der faulen Haut liegen ? Da ist er alles andere als glaubhaft ! Zuerst mal in die Haende spucken und an die Arbeit - und es muss schon ein Wunder passieren dass ich einmal ja stimme. Auch die Welschen sind Neinsager.

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  • James am 26.09.2017 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    keine Gleichberechtigung

    Das bedeutet also, dass junge Frauen keine Gleichberechtigung wünschen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ribert am 27.09.2017 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Fair ist

    Dass die jungen und Frauen nach dem nein in Zukunft die Zeche auch bezahlen muessen

  • RF am 27.09.2017 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Gleichberechtigung ist nicht gefragt

    Die Frauen wollen gar keine Gleichberechtigung. Die Umfrage vom August 2017 zeigt das ganz deutlich. Ein Mann sollte nicht weniger als 80% arbeiten. Je weniger dass ein Mann arbeitet je mehr muss eine Frau oder Partnerin arbeiten gehen. Das wollen sie auf gar keinen Fall.

    • nachdenkliche am 27.09.2017 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RF

      laut einer studie müssen männer, die sich frauenfeindlich äussern etwas kompensieren. lassen sie mich 3 mal raten was es bei ihnen ist :) wenn sie neue argumente liefern oder auch fragen beantworten dürfen sie ruhig schreiben... sonst eher nicht.

    • RF am 27.09.2017 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nachdenkliche

      Ich habe schon viele Argumente geschrieben aber von ihnen kommt nichts gescheites. Sie sollen beim Thema bleiben und nicht persönlich werden.

    • Nachdenkliche am 27.09.2017 22:09 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Argumente mehr

      Lieber rf, wie sie meinen aber auch anderen Kommentaren entnehmen können liefern sie ständig die gleichen Argumente welche alle widerlegt wurden. Sie liefern keine neuen Argumente und geben auf Fragen keine Antworten, lassen aber nichts anderes stehen als ihre Meinung. Dazu habe ich auch nur eine Studie zitiert (halt nicht aus St. Gallen ;) ) aber wenn sie sich angesprochen fühlen muss es wohl ein wahrer Kern haben. Bitte reflektieren Sie ihre Aussagen ( denn sie sind schon in sich nicht stimmig z. B. Teilzeit).

    • Nachdenkliche am 27.09.2017 22:11 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag

      Nachtrag: Dazu lassen Sie jegliche Differenzierung in der Diskussion aus (was im übrigen auch nicht nett ist). Da muss man sich nicht wundern denn so wie man in den Wald ruft...

    • Nachdenkliche am 27.09.2017 22:30 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag zum Nachtrag

      Von mir konnten Sie viel gescheites lesen unter anderem auch dass ich bereit bin (unter den geschrieben Umständen sogar bis 67 zu arbeiten. Diese Aussage vermisse ich bei ihnen. :) Dazu hätte ich noch etliche Argumente: Z. B. dass Frauenartikel von der Haarbürste über Rasierer, Dusch und Shapoos alle teurer sind als die für Männer. In Japan werden Frauen welche ihre Tage haben entweder bezahlter Urlaub gegeben oder bekommen ein Boni wenn sie (trotz der Schmerzen und Unannehmlichkeiten arbeiten gehen. von Mutterschaftsurlaub (nicht nur 14W) wie in andren Staaten zu schweigen.

    • Nachdenkliche am 27.09.2017 22:37 Report Diesen Beitrag melden

      im übrigen auch für Vaterschaftsurlaub

      PS. Ich wäre auch für den Vaterschaftsurlaub. Nur dass das nicht wieder von vorne los geht.

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  • Stöff am 27.09.2017 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfragenwahnsinn!

    Fehlprognose jagt Fehlinterpretation. Immer und immer wieder. Niemand, ausser die weltfremden Politiker, interessiert sich dafür und trotzdem wird auch in dieser Branche fleissig Steuergeld verprasst.

  • RF am 27.09.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja nicht zu viel arbeiten

    Die Frauen machen das ganz raffiniert. Selber ja nicht zu viel arbeiten damit man bei einer Scheidung so viel wie möglich Alimenten und dann noch das alleinige Sorgerecht für die Kinder bekommt.

    • nachdenkliche am 27.09.2017 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RF

      habe gedacht dasd das nicht stimmt? Aha sie sehen einen fehler ein. schon ein anfang. aber sie würden ja nicht in teilzeit gehen nicht wahr?;)

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  • RF am 27.09.2017 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger als 80% soll er nicht arbeiten

    Die meisten Frauen wollen zwar einen Mann, der sich um Familie und Haushalt kümmert. Aber weniger als 80% soll er nicht arbeiten, finden die meisten. Und einen Hausmann wollen sie schon gar nicht.