An Grenze gestoppt

12. Januar 2016 10:04; Akt: 13.01.2016 10:05 Print

Schweizerin wollte mit Sohn (4) zur Terrormiliz IS

Die 29-jährige Schweizerin Franziska S. hat versucht, mit ihrem vierjährigen Sohn Adam ins syrische Raqqa zu reisen. Die Polizei konnte sie stoppen. Mittlerweile ist sie zurück in der Schweiz.

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Die griechische Polizei verhaftete Anfang Jahr die Schweizerin Franziska S.* (29) an der Grenze zur Türkei. Mit dabei: ihr vierjähriger Sohn Adam. Offenbar hatte die Frau vor, nach Raqqa zu reisen, in die Hochburg der Terrormiliz IS.

Die Winterthurerin Franziska S. lebte seit längerer Zeit in Kairo und hatte dort den Ägypter Mahmoud A. geheiratet, den sie in Paris kennengelernt hatte. Mit ihm hat sie den gemeinsamen Sohn Adam. In einem TV-Interview sagte Mahmoud A., er habe sich vor zwei Jahren von ihr getrennt, da sich Franziska S. radikalisiert habe. Er habe damals auch die ägyptischen Behörden über die Radikalisierung in Kenntnis gesetzt.

«Bitte helft mir»

Die Schweizerin entführte im Dezember ihren Sohn nach Alexandria und Marsa Matrouh und gelangte per Schiff nach Griechenland. Dort wurde sie an der Grenze zur Türkei verhaftet, wie griechische Medien berichten.

Mahmoud A. hatte nach dem Verschwinden seines Sohnes einen verzweifelten Aufruf auf Facebook veröffentlicht. «Mein Sohn wurde am Sonntag von einer Frau entführt, die einen Niqab trägt. Es ist seine Mutter und sie hat sich radikalen Gruppierungen angeschlossen. Bitte helft mir.»

Predigten von Pierre Vogel angeschaut

Ein griechisches Gericht sprach nach der Verhaftung der Mutter ihrem Mann das alleinige Sorgerecht zu. Laut griechischen Medien gestand die Mutter, dass sie mit ihrem Sohn nach Raqqa reisen wollte. «Ich will an der Seite des IS kämpfen», soll sie gesagt haben.

Laut Mahmoud A. habe sie am Computer die Predigten des deutschen Salafisten Pierre Vogel gehört und ihm nachgeeifert. Franziska S. habe plötzlich angefangen, ihr Gesicht zu verschleiern und habe ein Kopftuch getragen. Franziska habe wahrscheinlich bereits Kontakt zu Mitgliedern des IS gehabt. Das EDA verweist in diesem Fall an die Bundesanwaltschaft (BA).

Strafverfahren eröffnet

Nach der Übergabe des Sohnes an den Vater wurde die Schweizerin laut griechischen Medien freigelassen. Die BA teilt mit, dass die Schweizerin mittlerweile in die Schweiz zurückgekehrt ist. «Sie wurde bei der Einreise angehalten und ist einvernommen worden», heisst es auf Anfrage.

Die BA habe gegen die Schweizerin ein Strafverfahren «wegen mutmasslicher Verstösse gegen das sogenannte IS-Gesetz sowie mutmasslicher Unterstützung einer kriminellen Organisation» eröffnet. Die Familie der Frau wollte sich auf Anfrage nicht äussern.

*Namen der Redaktion bekannt

(num)