Abfuhr an Kolleginnen

10. September 2012 17:19; Akt: 10.09.2012 17:19 Print

FDP-Männer haben keine Lust auf Frauenquote

von Simon Hehli - In den Führungsetagen der Schweizer Konzerne sitzt nur auf jedem 20. Stuhl eine Frau. Nun mucken die FDP-Frauen auf – und ernten damit bei ihren männlichen Parteikollegen wenig Verständnis.

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Carmen Walker Spaeh und ihre FDP-Frauen wollen «differenzierte» Frauen-Quoten - Parteipräsident Philipp Müller (mitte) und seine Vorstandskollegen blocken ab. (Bild: Keystone/Jean-christophe Bott)

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Leicht gemacht haben es sich die FDP-Frauen nicht. Mehrmals betonen sie in einem «SonntagsBlick»-Artikel und in ihrem Communiqué vom Sonntag, wie sehr Quoten ihrem liberalen Weltbild widersprechen. Und doch steht die Forderung nun im Raum: Per Gesetz sollen die Öffentliche Verwaltung und Bundesbetriebe wie Post oder SBB verpflichtet werden, 30 Prozent ihrer Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Auch für die Verwaltungsräte börsenkotierter Firmen sehen die freisinnigen Frauen zeitlich befristete Zwangsmassnahmen vor – «wenn freiwillige Massnahmen nicht fruchten», wie Parteipräsidentin Carmen Walker Späh sagt.

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Zwar gehen die FDP-Frauen weniger weit als linke Feministinnen und die Zeitschrift «Annabelle», die auch für das Management grosser Firmen Quoten wollen. Dennoch überrascht die Offensive aus den Reihen des Freisinns, für den der Wirtschaftsliberalismus die Raison d’être ist. Wenig begeistert zeigt sich denn auch die nationale Führungsriege. Eine gesetzlich festgeschriebene Quote komme für ihn nicht in Frage, sagt Vizepräsident Christian WasserfallenChristian
Wasserfallen

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Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz (AVES), Bern
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. Auch er wünsche sich mehr Frauen in Führungspositionen, sagt der Berner Nationalrat, belässt es aber bei einem Appell: «Es ist die Aufgabe der Vorgesetzten, die Frauen zu fördern – und sie auch mal ins kalte Wasser zu werfen.»

Noser blockt ab, Müller schweigt

Wirtschaftspolitiker Ruedi NoserRuedi
Noser

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FROX communication AG (Noser Gruppe), Hombrechtikon
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sieht seine Parteikolleginnen auf dem Holzweg. Quoten seien gar kein Thema. «Führungspositionen sollen nicht nach geschlechterspezifischen Kriterien besetzt werden. Wer gut ist, macht so oder so Karriere.» Ein Geschäftsführer müsse nun mal 150 Prozent arbeiten und nicht 50, sagt der Zürcher Nationalrat und Informatik-Unternehmer mit Blick auf Mütter, die lieber Teilzeit-Jobs hätten. «Auch viele Männer stossen bei ihrer Karriere an eine Decke. Es ist zu einfach, wenn man sagt, das passiere Frauen nur wegen ihres Geschlechts.»

Ungewohnt wortkarg zeigt sich FDP-Präsident Philipp MüllerPhilipp
Müller

FDP-Liberale, AG
Nationalrat
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Automobil Club der Schweiz (ACS), Sektion Mittelland
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. Er wies eine Interview-Anfrage von 20 Minuten Online mit den Worten zurück, er kommentiere das Thema nicht. Der Quoten-Vorschlag werde nächste Woche an einem Treffen des Parteivorstandes mit den FDP-Frauen diskutiert, sagte er einzig. Er dürfte aus taktischen Gründen schweigen: Als wirtschaftsliberaler Rechtsfreisinniger erwärmt sich Müller prinzipiell nicht für staatliche Eingriffe wie eine Frauenquote.

Andererseits ist ihm kaum daran gelegen, seine Parteikolleginnen öffentlich zu desavouieren. Denn bisher war er auf Kuschelkurs mit den FDP-Frauen. Vor seiner Wahl zum Parteipräsidenten besuchte er im März deren Delegiertenversammlung und schmeichelte: «Hier gibt es Leben in der Bude.» Die FDP-Frauen würden vorzeigen, wie man eine gute und fortschrittliche Politik so mache, dass die Bevölkerung das auch wahrnehme.

FDP-Fraktion will nichts von Quoten wissen

Nun sind die Frauen für Müllers Geschmack wohl ein bisschen gar progressiv unterwegs. Zwar zeigt sich die Generalsekretärin der FDP-Frauen, Claudine Esseiva, vor dem Treffen mit dem Vorstand optimistisch: «Wir sind guten Mutes, dass die Parteileitung unsere differenzierte und pragmatische Haltung sieht.» Aber bei der letztjährigen Befragung durch die Onlinewahlhilfe Smartvote lehnten sämtliche Vorstandsmitglieder die Einführung einer Frauenquote bei den Verwaltungsräten börsenkotierter Firmen ab. Und als der Nationalrat 2005 letztmals über einen Vorstoss für eine bessere Frauenvertretung bei Bundesbetrieben abstimmte, kamen aus der FDP-Fraktion ganze 5 Ja-Stimmen – 28 Freisinnige sagten Nein.

Esseiva setzt ihre Hoffnungen denn auch stärker auf kommunale Initiativen als auf das nationale Parlament. Gerade in den Verwaltungen von rotgrün regierten Städten wie Zürich müsse dringend etwas passieren, fordert die Generalsekretärin. Wenn es jedoch im öffentlichen Dienst bei Lippenbekenntnissen bleibe, sei auch ein Vorstoss im Bundeshaus denkbar.

Diskriminierung ist «unliberal»

Im Vergleich zu 2005 habe sich einiges verändert: «Mittlerweile haben auch viele bürgerliche Frauen die Nase voll, dass sich in der Schweiz kaum etwas bewegt», sagt Esseiva. In den Führungsetagen der Schweizer Konzerne sitze nur auf jedem 20. Stuhl eine Frau, rechnet sie vor. «Es ist höchst unliberal, wenn Frauen massiv schlechtere Karrierechancen haben», entgegnet sie Skeptikern wie Ruedi Noser.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Frauenquote = Männerdiskriminierung, mehr gibt's dazu nicht zu sagen. – Theodor van Hooven

Schon mal daran gedacht, dass Frauen vielleicht gar nicht in die obersten Führungsetagen wollen? Wegen ein paar extremistischer Feministinnen wird sich dies wohl auch kaum ändern, da dieses Bestreben nicht in der Natur der Frau liegt. Selbst nach jahrzentelanger Manipulation an den Frauen, werden viele das Kinderkriegen vorziehen, weil dies, wie oben genannt in der Natur liegt. Managerin werden ist kein Instinkt. – Eine Frau

Soziale Völker (Ameisen, Termiten, Wespen usw.) werden von Frauen (Königinnen) regiert. Sie überleben und breiten sich aus. Männchendominierte Tierarten (Löwen usw.) sind am aussterben. Was lernen wir daraus. Leider sind die meisten Managerfrauen herrischer als die Herren oder sind für Männer eine sexuelle Demütigung. Es gibt aber auch andere, die setzen sich langsam aber sicher durch. – Dipl. Futurologe

Die neusten Leser-Kommentare

  • Janine Oberli am 12.09.2012 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Qualifizierte und karrierewillige Frauen schaffen'

    Frauenquoten sind Unsinn ! Qualifizierte und karrierewillige Frauen schaffen's auch ohne !!

  • Marco T. am 11.09.2012 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenquote=Schwachsinn!

    Was soll eigentlich dieser Schwachsinn? Wenn eine Frau sich für eine Arbeitstelle besser eignet als ein Mann bekommt sie die Stelle. Alles andere ist schlicht eine Lüge! Und warum wollen sie eigentlich eine Quote nur in den Leitenden Positionen? Die Drecksarbeit dürfen natürlich weiterhin die Männer erledigen.

  • Manuel am 11.09.2012 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Sexismus schon in der Schule erlebt

    Seid der Grundschule in den 90ern muss ich mir diese Frauen- und Mädchenbenachteiligungspropaganda anhören. Damals schon im Unterricht. Ich habe mich immer gefragt, was ich eigentlich verbrochen habe, dass schon die Mädchen damals immer massivst gefördert wurden, während es den feministischen Lehrerinnen total egal war, was aus den Jungs wird. Auch war mir nicht klar, wieso die Frauen benachteiligt sein sollen, wenn doch später nur die Jungs Wehrdienst o.ä. leisten müssen. Ich habe damals schon mit Ablehnung gegen dieses System reagiert. Ungerechtigkeit kennt kein Vergessen.

  • P-A Bertholet am 11.09.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Quotenfrau?

    Frauen in der Politik und auf Chef oder Direktion-Sessel? Ja gerne! Quoten-Frau an diese Stellen? Nein! Danke!

  • Theodor van Hooven am 11.09.2012 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Diskriminierung

    Frauenquote = Männerdiskriminierung, mehr gibt's dazu nicht zu sagen.

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