Rassismus-Debatte

15. September 2017 13:12; Akt: 15.09.2017 13:15 Print

Mohren auf Wappen und «Negerschnitten»

von D. Krähenbühl - Neben dem «Mohrenkopf» im Laden gibt es in der Schweiz weitere Mohrenmotive. Zum Beispiel auf Gemeindewappen. Ist das noch zeitgemäss?

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Gemeinde Möriken-Wildegg (AG): Das Wappen mit dem Kopf des dunkelhäutigen Menschen ist schon seit 1592 überliefert und stammt ursprünglich aus der volkstümlichen Deutung des Namens Möriken Avenches (VD): Hier stammt das Wappen sehr wahrscheinlich von den Mauren, die im 9. Jahrhundert aus Spanien vertrieben wurden und danach Streifzüge nach Norditalien und in die Alpen unternahmen. Gemeinde Oberweningen (ZH): Niemand weiss, wieso die Gemeinde Oberweningen einen dunkelhäutigen Menschen im Wappen zeigt. Deshalb wurden in einem Wettbewerb die Schüler der Primarschule gebeten, Geschichten zur Entstehung des Wappens zu erfinden. Gemeinde Flumenthal (SO): Das Wappen wurde erst 1940 von der Gemeindeversammlung offiziell beschlossen. Es zeigt einen schwarzen Mann, der von Kunsthistorikern als heiligen Mauritius bezeichnet wird. Mauritius, ursprünglich aus Ägypten stammend, war der Führer einer römischen Legion und fand Ende des 3. Jahrhunderts im heutigen Saint-Maurice im Wallis einen Märtyrertod. Dies, weil er angeblich nicht gegen christliche Glaubensbrüder kämpfen wollte. Gemeinde Mandach (AG): Auch auf dem Wappen der Gemeinde Mandach zeigt sich der heilige Mauritius. Dieser sei auf dem Familienwappen der Herren von Mandach abgebildet gewesen und wurde schliesslich für die ganze Gemeinde übernommen. Die «Negerschnitte» ist eine Mandacher Dessertspezialität. Die Webseite der Gemeinde gibt an, «noch keinen passenderen Namen dafür gefunden zu haben». Laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus stellt die Bezeichnung keinen Verstoss gegen die Rassismusstrafnorm dar. Diese liegt nur dann vor, wenn einer Person oder einer Gruppe von Personen die Menschenwürde abgesprochen wird. Celeste Ugochukwu, Präsident des afrikanischen Diaspora-Rates, stösst sich an den Wappen und fordert ein Umdenken bei den Gemeinden. So seien die überzeichneten Abbildungen von Schwarzen in den Gemeindewappen nicht mehr haltbar. Diese seien genauso abgebildet, wie sie während der Zeit der Sklaverei angeschaut wurden, nämlich als drittklassige Mitglieder der Gesellschaft. SP-Kantonsrat Andrew Katumba unterstützt die Wappen hingegen. «Jeder Kopf auf einem Wappen ist ein Symbol der Stärke», sagt der Halbafrikaner. Die Gemeinden zeigten damit, dass sie stolz auf ihre Helden sei. «Den wenigsten Leuten ist bewusst, dass wir Heilige verehren, die früher dunkelhäutig waren.» Das Logo des Vorarlberger Biers Mohrenbräu, in dem das Schattenbild eines stilisierten schwarzen Mannes prangt. Die Brauerei wurde aufgrund des Logos auch schon mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Das Café Mohrenkopf im Zürcher Niederdorf. Die Liegenschaft gehört seit 1898 der Stadt Zürich und wird heute von Pächtern betrieben. Weder sie noch die Stadt finden den Namen problematisch.

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Das Komitee gegen rassistische Süssigkeiten fordert die Firma Dubler auf, ihre «Mohrenköpfe» umzubenennen. Der Name sei «eine herabwürdigende Bezeichnung für den Kopf einer dunkelhäutigen Person». Die Wortschöpfung sei ein Überbleibsel aus der Zeit der Kolonialisierung und «ganz eindeutig von Beginn weg eine rassistische Bezeichnung» gewesen.

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Auch in der Schweizer Gastrobranche kommt der Begriff «Mohr» vor. So gibt es das Restaurant Mohrenkopf in Zürich (das im Besitz der Stadt Zürich ist), das Restaurant Mohren in Willisau LU oder das Restaurant Möhrli in Bischofszell TG. In Österreich gibt es das Vorarlberger Bier Mohrenbräu, in dessen Logo das Schattenbild eines stilisierten schwarzen Mannes prangt.

Motive von Mohren bebildern auch einige Wappen von Schweizer Gemeinden. Ein Überblick.

Gemeinde Oberweningen (ZH)
Niemand weiss, wieso die Gemeinde Oberweningen einen dunkelhäutigen Menschen im Wappen zeigt. Deshalb wurden in einem Wettbewerb die Schüler der Primarschule gebeten, Geschichten zur Entstehung des Wappens zu erfinden.

Für Kaspar Zbinden, Gemeindeschreiber von Oberweningen, stand der Mohr als altes Symbol der Heraldik für den weit gereisten und weltoffenen Menschen. Zudem sei er – im Gegensatz zu anderen Abbildungen – respektvoll gezeichnet. So würde er anderswo mit Knochen in den Haaren, grossen Ohrringen oder entstellten Gesichtszügen abgebildet sein. Bedenken hat er keine. «Unser Wappen bleibt so, wie es ist», sagt Zbinden.

Gemeinde Flumenthal (SO)
Das Wappen wurde erst 1940 von der Gemeindeversammlung offiziell beschlossen. Es zeigt einen schwarzen Mann, der von Kunsthistorikern als heiligen Mauritius bezeichnet wird. Mauritius, ursprünglich aus Ägypten stammend, war der Führer einer römischen Legion und fand Ende des 3. Jahrhunderts im heutigen Saint-Maurice im Wallis einen Märtyrertod. Dies, weil er angeblich nicht gegen christliche Glaubensbrüder kämpfen wollte. Die Verehrung von Mauritius als Schutzpatron hat also eine lange Geschichte.

Gemeinde Mandach (AG)
Auch auf dem Wappen der Gemeinde Mandach zeigt sich der heilige Mauritius. Dieser sei auf dem Familienwappen der Herren von Mandach abgebildet gewesen und wurde schliesslich für die ganze Gemeinde übernommen. Was irritiert: Der Name der Mandacher Dessertspezialität wurde direkt aus dem Wappen abgeleitet. So heisst das typische Mandacher Süssgebäck «Negerschnitte». Die Webseite der Gemeinde gibt an, «noch keinen passenderen Namen dafür gefunden zu haben».

Gemeinde Möriken-Wildegg (AG)
Der Kopf des dunkelhäutigen Menschen ist schon seit 1592 überliefert und stammt ursprünglich aus der volkstümlichen Deutung des Namens Möriken. Erst 2002 wurde von der Gemeinde aus drei neuen Wappenvarianten das heutige gültige Muster ausgewählt.

Gemeinde Cornol (JU)
Auch in Cornol weiss man nicht genau, wie der schwarze Mann seinen Weg aufs Wappen der Gemeinde fand. Die Gemeindeverwaltung ist aber davon überzeugt, dass er der vielen Schwarzen gedenkt, die damals den Römern dienten.

Avenches, (VD)
Hier stammt das Wappen sehr wahrscheinlich von den Mauren, die im 9. Jahrhundert aus Spanien vertrieben wurden und danach Streifzüge nach Norditalien und in die Alpen unternahmen. Das hat bei der Bevölkerung einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen – auch auf dem Wappen von Avenches.

«Darstellung wie zu Zeiten der Sklaverei»

Celeste Ugochukwu, Präsident des afrikanischen Diaspora-Rates, stösst sich an den Wappen und fordert ein Umdenken bei den Gemeinden. So seien die überzeichneten Abbildungen von Schwarzen in den Gemeindewappen nicht mehr haltbar. Diese seien genauso abgebildet, wie sie während der Zeit der Sklaverei angeschaut wurden – als drittklassige Mitglieder der Gesellschaft. Mit roten Lippen, grossen Ohrringen und überzeichneten Gesichtsmerkmalen. «Solche Bilder prägen auch heute noch, wie Schwarze wahrgenommen werden», sagt Ugochukwu. Ausserdem bedeute es, dass die Gemeinde noch immer solche Ansichten vertritt. «So etwas ist doch heute nicht mehr vertretbar.»

SP-Kantonsrat Andrew Katumba unterstützt die Wappen hingegen. «Jeder Kopf auf einem Wappen ist ein Symbol der Stärke», sagt der Halbafrikaner. Die Gemeinden zeigten damit, dass sie stolz auf ihre Helden seien. «Den wenigsten Leuten ist bewusst, dass wir Heilige verehren, die früher dunkelhäutig waren.» Auch die Stadtpatrone Felix, Regula und Exuperantius seien dunkelhäutig gewesen. «Dass sie mit der Zeit hellhäutig dargestellt wurden, ist Geschichtsverfälschung.»

«Negerschnitte» ist nicht rassistisch

Laut der Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR kommt es bei Wappenfiguren mit Mohren oder Restaurants mit «Mohr» im Namen oft auf die historische Entstehungsgeschichte an. Es gebe Mohren auch mit Bezug auf die Heiligen Drei Könige oder das Mittelalter. In diesem historischen Kontext sei die Verwendung neutral oder positiv, zitiert die «Aargauer Zeitung» die EKR.

Die Bezeichnung «Negerschnitte» stellt laut der EKR keinen Verstoss gegen die Rassismusstrafnorm dar. Diese liegt nur dann vor, wenn einer Person oder einer Gruppe von Personen die Menschenwürde abgesprochen wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Studenin am 15.09.2017 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Übertreibt mal nicht

    Übertreibt mal nicht. Ich finde das Thema wird jetzt extra über die Medien übertrieben dargestellt. Früher hat es auch niemanden interessiert.

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  • Schwezer am 15.09.2017 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wappen

    Sind das die Probleme unserer Zeit! Dann geht es uns sehr gut.

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  • Wulline am 15.09.2017 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Diskussion wert

    Das ist keine Diskussion wert, weil niemandes Abstammung herabgesetzt wird. Typisches Beispiel, wie das Rassismusthema missbraucht werden kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bürger am 17.09.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Mohr im Hemd

    Meine Mutter macht immer einen Kuchen der heisst Mohr im Hemd ist eine Österreichische Spezialität.

  • weisser Regenwurm und stolz darauf am 16.09.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    warum glauben die so wichtig zu sein?

    Warum nehmen sich schwarze eigentlich für so wichtig, dass sie denken, bei einem Mohrenkopf denke man an sie?? Keiner, gar keiner denkt auch nur im Traum an sie. Wer Komplexe hat, muss diese in seinem eigenen Kopf ändern, und nicht die Umwelt muss sich ändern. Wenn ich bei uns so sehe, wie sich diese Leute auf der Strasse geben, hatte ich noch nie das Gefühl, die hätten Minderwertigkeitskomplexe, im Gegenteil. Was die Hänseleien als Kinder angehen, alle Kinder werden in der Kindheit irgend wann gehänselt. Das gehört zum älter werden, daran wir man stark. Ignorieren ist immer noch das Beste.

  • Silvan Suter am 16.09.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Ich bin aus der Gemeinde Mandach und unsere Gemeinde wurde 1218 gegründet und so auch die Wappe. Ich kam noch nie auf einen Rassistischen gedanken als ich die Wappe ansah. Es ist einfach nur unnötig das über die Bilder auf den Wappen gesprochen wird, wir haben ja genügend grössere Proble als die Bilder auf den Wappen.

  • Bartli am 16.09.2017 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gedanken- und Sprachpolizei

    Leute dies ist doch alles gesteuert, da nun Europäer Cafe-Latte werden sollen, was Hautfarbe angeht, wundern nun derart Aktionen gar nicht. Schaut was in DE los ist, alles Ablenkung vom wirklichen Geschehen. Wehe man schleppt hier auch noch längst bekämpfte Krankheiten mit ein.

  • steve68 am 16.09.2017 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverstand

    ...... ist verloren gegangen. Nur lächerlich. War so, ist so, bleibt so.