Fachleute schlagen Alarm

18. Juni 2017 04:36; Akt: 18.06.2017 11:09 Print

Zu viele Pestizide im Schweizer Trinkwasser

Das Schweizer Hahnenburger ist gefährdet. Gemäss den Wasserversorgern weist jede fünfte Trinkwasserfassung eine zu hohe Konzentration auf.

storybild

Eine junge Frau genehmigt sich einen Schluck Wasser aus dem Wasserhahn. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer Durst hat, öffnet kurz den Wasserhahn und schon ist der Durst gelöscht. Für das überall verfügbare saubere Trinkwasser ist die Schweiz bekannt. Ein Luxus. Doch genau dieses soll gefährdet sein. Die Schweizer Wasserversorger schlagen Alarm. An jeder fünften Trinkwasserfassung würden mittlerweile zu hohe Pestizid-Konzentrationen gemessen, schreiben sie in einem neuen Positionspapier, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Und weiter: «Die festgestellte Trendentwicklung ist besorgniserregend.»

Gemäss «NZZ am Sonntag» verwenden die Bauern jährlich über 2000 Tonnen Pestizide, um ihre Ernten vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Gewisse Giftrückstände würden nicht nur in Bächen und Seen landen, sondern nachweislich auch im Grundwasser, welche die Hauptquelle für das Trinkwasser in der Schweiz ist. «Organische Pestizide, deren Abbauprodukte und andere Spurenstoffe können in der Schweiz in vielen Messstellen und auch in gewissen Trinkwasserfassungen nachgewiesen werden», warnt der Fachverband der Wasserversorger gemäss der Zeitung in einem neuen Positionspapier.

Wenn nicht vermieden werde, dass immer mehr und auch neue Stoffe ins Wasser gelangen, werde man künftig kein naturnahes Trinkwasser mehr anbieten können, so Martin Sager, Direktor des Vereins des Gas- und Wasserfaches. Ausser dieses werde zuvor für viel Geld aufbereitet, äussert sich Sager in der «NZZ am Sonntag».

Wasserversorger fordern Verbote

Als Gegenmassnahme sollen gezielte Verbote von Pestiziden helfen. Die Fachleute fordern, dass zumindest in den Schutzzonen – bisher sind nur 60 Prozent der Grundwasserzonen effektiv als solche ausgeschieden – um die Wasserfassungen den Einsatz von Pestiziden künftig komplett untersagt werden soll.

Zusätzlich soll genauer darauf geachtet werden, dass die schon geltenden Vorschriften konsequent vollzogen werden. Denn auch bei den Schutzzonen lasse das Schutzniveau häufig zu wünschen übrig, sei es wegen durchführender Strassen, der Industrie oder der Landwirtschaft.

All die gewünschten Verbesserungen und Forderungen der Wasserversorger soll der Bund nun in den Aktionsplan Pflanzenschutzmittel aufnehmen, der bald verabschiedet werden soll.

(foa)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TiniSG22 am 18.06.2017 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne brauchbares Hahnenwasser?

    Unser grösster Luxus ist unser Hahnenwasser! In nicht wenigen unserer Nachbarländer muss man sogar fürs Zähneputzen Wasser aus der Flasche brauchen... Ich unterstütze den Schutz unserer Grundwassers bedingungslos, auch wenn die Äpfel und co. dadurch teurer werden.

    einklappen einklappen
  • Verena C. am 18.06.2017 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    schon lange

    Dieses Pestizid-Verbot hätte schon längst vorgeschrieben werden, aber bis im Bundeshaus geschaltet wird dauert es.

    einklappen einklappen
  • Hr Schmidt am 18.06.2017 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Giftgemisch

    Mehrmals pro Jahr werden unterschiedliche Produkte gespritzt, imWallis sogar per Helikopter. Ist ja wohl nicht wirklich überraschend, dass das nach unten sickert und im Trinkwasser ankommt. Irgendwann ist es dann einfach zu viel. Niemand hat untersucht, welche Auswirkungen dieser Potpourri in verschiedensten Zusammensetzungen hat: in der Luft, der Nahrung und dem Wasser. Kann das Veränderungen im Gehirn hervor rufen? Vielleicht sind deshalb alle ein wenig an der Rolle...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 18.06.2017 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Landwirtschaftsamt ist am Ball

    Wundert das jemand bei diesem Pestizideinsatz in der Schweiz. Die deutschen Bauern versprühen. Ur halb so viel wie die CH Bauern.

  • TiniSG23 am 18.06.2017 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Body

    Oh nein. Jetzt trinke ich nur noch Mineral!

  • majo am 18.06.2017 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schuld sind wieder einmal die Bauern

    Auf Sportrasen, Golfplätzen, Schrebergärten und dem schönen Rasen vor dem Eigenheim da gelten andere Masstäbe. Wenn ich als Landwirt diese Hilfsstoffe einsetzte muss ich erstens rechnen ob sich das lohnt bei diesen Preisen. Wenn ich dann Chemie einsetzte wird das sehr genau apliziert mit einer Feldspritze die amtlich geprüft ist. Auf dem Golfrasen gelten diese Vorschriften nicht. Das oberste Gebot lautet dort top Rasenflächen! Herr und Frau Golfer haben doch das Recht auf einen solchen Rasen,oder? Bitte das nächste mal auf dem Rasen darüber nachdenken!

  • sleika am 18.06.2017 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krebs wg Trinkwasser

    Habe schon immer gesagt. Nicht nur die Zigarette ist Schuld an Krebs. Im Trinkwasser und der Atemluft gibt es genug Auslöser. Immer mehr Menschen bekommen Krebs, auch die, die gesund leben.

  • franz am 18.06.2017 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    es wird nicht mehr nützen

    der Boden wurden über Jahrzehnte verseucht und jetzt sind die Gifte im Grundwasser. Es wird mindest genau so lang dauern, bis sich Boden und Grundwasser erholt haben. Es gibt aber die Produkthaftung und die Haftung der Anwender. Diese müssten für die Mehrkosten aufkommen. Aber an diesen Kreis traut sich die Politik nicht.