Heiratsstrafe

28. Januar 2016 16:45; Akt: 28.01.2016 16:45 Print

Wo die Ehe richtig teuer ist – und wo sie sich lohnt

von J. Büchi - Die CVP will die Heiratsstrafe abschaffen. In den meisten Kantonen fahren Ehepaare steuerlich aber schon heute besser als Unverheiratete.

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Lisa und Marco wohnen in Zürich, seit kurzem sind sie verheiratet. Die Anwältin und der Lehrer verdienen je 100'000 Franken pro Jahr. Als ihnen die erste gemeinsame Steuerrechnung ins Haus flattert, erschrecken sie: Für Kantons- und Gemeindesteuern müssen sie neu gut 1300 Franken mehr bezahlen als vor der Hochzeit. Die direkte Bundessteuer hat sogar um fast 2800 Franken aufgeschlagen.

Ganz anders erging es ihren Nachbarn Stefan und Kathrin: Er verdient als Banker 150'000 im Jahr, sie arbeitet Teilzeit und verdient knapp 17'000 Franken jährlich. Die beiden zahlen seit ihrer Trauung fast 3500 Franken weniger Kantons- und Gemeinde-Steuern, bei den Bundessteuern sparen sie weitere 1400 Franken.

Doppelverdiener schlechter gestellt

Ob eine Hochzeit bei den Steuern zu einer Heiratsstrafe oder zu einem Heiratsbonus führt, hängt nicht nur vom Lohn beider Ehepartner ab, sondern auch von ihrem Wohnort. Vor der Abstimmung über die Heiratsstrafe-Initiative am 28. Februar rücken diese Unterschiede in den Fokus. Die CVP will mit dem Volksbegehren all jene Eheleute entlasten, die bisher zu viel bezahlt haben (siehe Box).

Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat die unterschiedlichen steuerlichen Ausgangslagen für Ehepaare vor zwei Jahren untersucht. Fazit: In sehr vielen Kantonen zahlen Eheleute bereits heute weniger Steuern als Unverheiratete. Die höchsten Heiratsstrafen gibt es noch im Aargau und in der Waadt – allerdings nur für Doppelverdiener-Paare mit tiefen Löhnen. Auch in Zürich und im Tessin sind Ehepaare mit zwei Einkommen benachteiligt, wobei hier die mittleren und hohen Lohnklassen betroffen sind.

Dasselbe gilt für die Bundessteuer: Rund 80'000 Doppelverdiener-Paare müssen hier tiefer in die Tasche greifen. Ehepaare, bei denen ein Partner allein den Grossteil des Einkommens erwirtschaftet, profitieren hingegen schon heute in den meisten Fällen von einer steuerlichen Bevorzugung.

Flickenteppich an Regelungen

Dass es heute nicht mehr überall eine Heiratsstrafe gibt, sondern teilweise auch eine Konkubinatsstrafe, ist auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 1984 zurückzuführen. Weil die steuerliche Benachteiligung von Ehepaaren für verfassungswidrig befunden wurde, änderten die Kantone ihr Steuersystem und auch der Bund führte neue Abzüge ein. Resultat ist ein regelrechter Flickenteppich an verschiedenen Regelungen.

Sehen Sie in der Bildstrecke, ob Sie in Ihrem Kanton und mit Ihrem Lohn fürs Heiraten belohnt oder bestraft werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Appenzeller am 28.01.2016 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Warum spricht niemand von der AHV?

    Da wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wenig Paare bei den Steuern überhaupt noch benachteiligt werden. Dabei wird Benachteiligung bei der AHV erstaunlich wenig diskutiert, obwohl sie alle verheirateten Paare betrifft. Das ist die echte Ungerechtigkeit!

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  • ENU am 28.01.2016 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    -800.-

    Das ist nur der eine Teil denn bei der AHV wirds erst recht ungerecht. Rund 800.- bekommen verheiratete weniger Rente pro Monat als nicht verheiratete. Das ist doch kriminell.......oder???

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  • Peterli am 28.01.2016 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Ich finde es eine Frechheit, dass man Staatssteuern zahlen darf, obendrein auch noch Bundessteuern. Staat und Bund sind für mich das selbe. Die alte Kriegssteuer, die heute nur Bundessteuer heisst, dürfte nicht mehr existieren. Wir alle zahlen also doppelt Steuern und keinem stört das offenbar! Komisches Land!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • WillTell am 29.01.2016 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Seit langher gar nicht fair

    Einfach - Gesamt Einkommen, und Schulden für den Ehepaaren halbieren und damit den Steuersatz basieren. Das ist genau was pro-person im Durchschnitt verdient ist. Das Doppelte (wie jetzt) ist klar unrealistisch und nicht fair.

  • Martina am 29.01.2016 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Geht so nicht...

    Ha- 1. ca. 2% würden von der Steuererleichterjng profitieren, also wieder mal nur für die Reichen und Schönen, 98% würden also nichts gewinnen, wir sind such Verheiratet und Doppelverdiener. 2. In der Verfassung verankern das die Definition Ehe nur zwischen Mann und Frau gilt. Das ist eine Mogelpackung.

  • Unverheiratete am 29.01.2016 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Grafiken

    Hm, was sind denn das für gspässige Grafiken? Ich wurde leider nicht schlau daraus, welcher Kanton mich jetzt am wenigsten bestrafen würde. ;)

  • Lars&Gabriel&Tobias am 29.01.2016 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwull

    Gleich Geschlechtliche Liebe ist immer noch die aller schönste Liebe die es auf der ganzen Welt gibt es gibt wirklich gar keine Liebe die Schöner ist.

  • silvano schmid am 29.01.2016 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerzahlung verweigern!

    Alle AHV Rentner-Ehepaare, welchen 25% der Ihnen zustehende Rente gestohlen werden,sollten sich zusammenschließen und allesamt die Steuerzahlungen verweigern!!!