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Bundesratssitzung
25. Mai 2011 07:16; Akt: 25.05.2011 14:33 Print
Die Atom-Optionen des Bundesrates
von Lukas Mäder - Die Landesregierung entscheidet heute Mittwoch, welche Zukunft die Kernenergie in der Schweiz haben soll. Neben den drei offiziellen Szenarien steht auch ein Moratorium im Raum.

Der Bundesrat entscheidet am Mittwoch, ob beziehungsweise wann die Schweiz aus der Atomenergie aussteigt: Aufnahme des AKW Gösgen. (Bild: Keystone)
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Den Mittwochnachmittag hat sich der Bundesrat reserviert für die grosse Frage in der aktuellen Atom-Diskussion: Welche Zukunft haben AKW in der Schweiz? Grundlage für die Diskussion sind drei Szenarien, die das Bundesamt für Energie in den letzten Wochen seit dem Atomunfall in Fukushima erarbeitet hat. Daneben sind jedoch auch Zwischenvarianten vorstellbar oder gar eine Aufschiebung der Grundsatzfrage.
Bildstrecken AKW in der Schweiz und der Widerstand dagegenDer Super-GAU in TschernobylBerner Schüler protestieren gegen AKWsAKW-Gegner demonstrieren in Kleindöttingen Infografik AKW-Standorte SchweizSzenario 1: Kein Ausstieg
Die Schweiz würde keinen Ausstieg aus der Kernenergie planen. Die bestehenden fünf AKW laufen bis zum Ende ihrer Betriebszeit zwischen 2020 und 2045 weiter. Gleichzeitig würde die Planung von zwei Ersatz-Kernkraftwerken weiterlaufen. Die Bearbeitung der Rahmenbewilligungsgesuchen, die der Bundesrat nach Fukushima sistiert hatte, würde wiederaufgenommen. Geplant wäre die Inbetriebnahme eines neuen AKW Anfang der 2020er-Jahre. Allerdings hätte das Volk auch noch ein Wort mitzureden: Da das Referendum sicher ist, könnten die Stimmbürger über die Rahmenbewilligungsgesuche an der Urne befinden.
Szenario 2: Mittelfristiger Ausstieg
Der Ausstieg aus der Atomenergie würde schrittweise über mehrere Jahrzehnte erfolgen und könnte deshalb geplant werden. Die bestehenden AKW würden bis ans Ende ihrer Betriebszeit weiterlaufen und gestaffelt vom Netz genommen. Die ältesten Kernkraftwerke Beznau I und II sowie Mühleberg würden nach 50 Jahren Laufzeit etwa um 2020 stillgelegt. Die beiden jüngeren AKW, Gösgen und Leibstadt, könnten bei 60 Jahren Betriebsdauer noch bis gegen 2045 Strom liefern. In dieser Übergangsfrist könnte alternative Möglichkeiten zur Stromproduktion aufgebaut werden. Bei diesen Stromquellen könnte es sich um erneuerbare Energieformen handeln, die der Bund verstärkt gezielt fördern müsste, um den Ausbau der Wasserkraft oder um ein Gaskombikraftwerk. Letzteres würde die CO2-Bilanz der Schweiz verschlechtern und die Frage aufwerfen, ob das ausgestossene CO2 in der Schweiz oder im Ausland kompensiert werden müsste.
Szenario 3: Rascher Ausstieg
Die Schweizer AKW würden vor dem Ende ihrer Laufzeit abgeschaltet. Wann dies genau geschehen könnte, ist unklar. Im Fokus der vorzeitigen Abschaltung steht insbesondere das AKW Mühleberg, das wegen Rissen im Kernmantel und der ungenügenden Kühlwasserversorgung speziell in der Kritik steht. Die Kernkraftwerke könnten auch bei einem vorzeitigen Ausstieg gestaffelt vom Netz genommen werden, jedoch noch vor Ende ihrer regulären Laufzeit. Als kurzfristiger Ersatz für den Ausfall der AKW bietet sich das Gaskombikraftwerk Chavalon im Wallis an. Für den Standort, an dem bis 1999 ein Ölkrafwerk betrieben wurde, liegt ein Projekt vor, das in wenigen Jahren realisiert werden könnte. Das Problem des erhöhten CO2-Ausstosses stellt sich ebenfalls.
Moratorium
Der Entscheid über die Zukunft der Kernenergie in der Schweiz würde aufgeschoben. Davon betroffen wären insbesondere die eingereichten Rahmenbewilligungsgesuche für drei neue AKW. Diese würden für die nächsten Jahre hinfällig und müssten wohl neu erarbeitet werden. Die vorhandenen AKW wären vom Moratorium nicht betroffen: Sie blieben vorerst am Netz. Nachteil dieser Lösung ist, dass ein Entscheid nur aufgeschoben wird. Egal wie dieser ausfällt, leidet die Planbarkeit der Energie-Zukunft darunter: Entweder verzögern sich die Rahmenbewilligungen für neue Kernkraftwerke oder alternative Möglichkeiten zur Stromproduktion werden nicht erschlossen. In beiden Fällen leidet die Stabilität der Elektrizitätsversorgung in der Schweiz darunter.
Für welche Variante sich die Landesregierung am Mittwoch entscheidet, ist offen. Laut Medienberichten sollen die SP-Bundesrätinnen Micheline Calmy-Rey und Simonetta Sommaruga wie auch BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf für einen Ausstieg sein. Bei den bürgerlichen Männern in der Regierung, Ueli Maurer (SVP), Didier Burkhalter (FDP) und Johann Schneider-Ammann (FDP), steht offenbar eher die Beibehaltung der Atomenergie oder ein Moratorium im Vordergrund. Energieministerin Doris Leuthard (CVP) soll laut einigen Sonntagsmedien zum Szenario des mittelfristigen Ausstiegs tendieren. Die Bundesrätin aus dem Atomkanton Aargau halte sich vielmehr bedeckt, sagen andere Stimmen. Die Ausgangslage ist damit relativ offen.
Der Entscheid des Bundesrats hat zwar eine grosse symbolische Wirkung. Doch die wichtige politische Weichenstellung nimmt das Parlament im Juni vor. Dann entscheiden die beiden Kammern über mehrere Vorstösse zur Kernenergie. Darunter befinden sich auch solche, die den Atom-Ausstieg der Schweiz fordern.
Über die Ergebnisse seiner Klausursitzung vom Mittwoch wollte der Bundesrat ursprünglich am Donnerstagvormittag in Bern informieren. Offenbar aufgrund von Indiskretionen wurde die Medienkonferenz auf Mittwochnachmittag vorverlegt.
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Alle 174 Kommentare





























An die Energieministerin..
Ich unterstütze den Entscheid, würde es auch unterstützen wen die Zeitliche Fahrplan etwas verjüngt würde. Was mit etwas fehlt ist das Frau Bundesrätin Leuthard nicht benennt was sie meint. Wen sie von mehreren Projekten redet die nur darauf warten das... ..wieso die Heimlichtuerei? Wäre es so schlimm gleich von beginn an zu sagen das man -beispielsweise- vom Pumpspeicherwerk Atdorf (Schluchseewerk) redet, welches eh schon längst geplant ist?
@N.S.
Das Schluchseewerk nähe Atdorf befindet in Detschland. Sie meinten wahrscheinlich die sich im Bau befindenden Pumpspeicherkraftwerke "Linth Limmern" (Glarus, Axpo, 1480MW), "Lago Bianco" (Graubünden, REpower, 1000MW) und "Nante de Drance" (Wallis, Alpiq & SBB 900MW) welche 2015, 2016 und 2017 vollendet sein sollen.
Atomlobby
Es reden immer alle von der mächtigen Atomlobby. Meint ihr ernsthaft es gibt keine Lobbies für Solarpanels oder generell alternative Energien und Nachhaltigkeit? Die verdienen genau so Geld mit der Angst der Leute und Gesetze die vorschreiben, dass man zB Panels aufs Dach stellen muss bringt denen mächtig Kohle. Und die Preise können die ruhig hoch halten da der Staat ja die Hälfte von den Steuern subventioniert oder eben die Leute zwingt jeden Preis zu zahlen...
Glaube ich nicht
Glaube ich dir nicht, weil Photovoltaik kann eigentlich jeder Elektromonteur installieren. Produzenten für Photovoltaikmodule gibts auch genügend. Darum herrscht hier viel mehr Konkurrenz, und niemand kann die Preise hoch halten.
Strom aus Fensterscheiben
Im Paul Scherrer Institut wurden schon vor über 10 Jahren Fensterscheiben entwickelt die Strom abgeben. Wiedo werden diese nicht eingesetzt? Wurde das Patent an Ölfirmen verkauft, welche diese unter Verschluss halten bis alles Öl verkauft und verbrannt wurde?
Wie schlau?
Sclaues Kerlchen.Das ist schon seit Jahrenso,wenn du es noch nicht gemerkt hast.DU bist der erste der reklamiert,wenn kein Saft mehr aus der Dose kommt