Flugsicherheit

28. April 2017 15:06; Akt: 28.04.2017 20:02 Print

Piloten dürfen wieder allein im Cockpit sein

Die Zwei-Personen-Regel im Cockpit gehört ab Mai der Vergangenheit an. Die Swiss rückt von der seit zwei Jahren geltenden Vorgabe ab.

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Kaum Gefahr durch Personal: Die beiden Captains Reto Köpfli (l.) und Michael Lüthy im Cockpit des Bundesratsjet Swiss Air Force. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann)

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Die Fluggesellschaft Swiss hebt ab Mai die Zwei-Personen-Cockpit-Regel wieder auf. Eine Sicherheitsprüfung hat ergeben, dass sie eher zu neuen Gefahren als zu mehr Sicherheit führt. Dies teilte die Fluggesellschaft heute mit.

Seit dem absichtlichen Germanwings-Absturz vor zwei Jahren mussten sich in den Cockpits der Flugzeuge der Lufthansa-Gruppe immer zwei Besatzungsmitglieder aufhalten. Damals machte sich ein Co-Pilot die Sicherheitsmassnahme zunutze, dass sich die Cockpit-Tür nur von innen öffnen lässt. Er sperrte den Piloten aus dem Cockpit aus und liess das Flugzeug abstürzen.

«Die Zwei-Personen-Cockpit-Regel wurde damals nach dem Unglück auf Basis einer Sicherheitsempfehlung der EASA als Sofortmassnahme eingeführt», sagte Karin Müller von der Swiss auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. In der Zwischenzeit wurde sie wie geplant überprüft.

Dabei stellte sich heraus, dass die Regel eine neue Gefahr birgt, da mit der Regelung die Cockpit-Türe länger und häufiger offen ist. Für Attentäter ist es damit leichter, ins Cockpit einzudringen.

Grössere Gefahr durch Attentäter

«Diese Risiken sind der Hauptgrund, wieso wir die Regel wieder abschaffen», sagte Karin Müller. Eine Gefahr von ausserhalb der Swiss – also durch einen Passagier oder einen Attentäter – sei um ein Vielfaches höher, als jene, die durch Mitarbeitende ausgehe, sagt sie. «Wir haben vollstes Vertrauen in unsere Piloten», ergänzt Müller. Aus diesem Grund und in Absprache mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit hat sich die Swiss entschieden, die Regel wieder abzuschaffen. Die anderen Gesellschaften der Lufthansa-Gruppe tun es ihr gleich. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) unterstützt gemäss der Mitteilung den Entscheid der Swiss.

Psyche wird bei Anstellung getestet

«Ein Fall wie das Germanwings-Unglück ist sehr, sehr selten», sagte Müller. Die Piloten würden bereits bei der Einstellung auf ihre psychische Verfassung hin untersucht. Zudem gäbe es für Piloten psychologische Beratungs- und Unterstützungsprogramme, die sie bei Bedarf in Anspruch nehmen könnten.

Auf die erhöhte Gefahr betreffend der offenen Tür zum Cockpit wiesen seit Einführung der Zwei-Personen-Cockpit-Regel Aeropers, der Pilotenverband der Swiss, sowie die europäische Cockpit-Organisation hin. Sie forderten, die Regel abzuschaffen. Entsprechend begrüsst Aeropers den Entscheid.

Der Verband fordert jedoch, dass eine firmenunabhängige Gruppe gegründet wird, in welcher sich Piloten unter Gleichgesinnten mit gleichen Problemen austauschen können. «Wir sind derzeit daran, ein solches Angebot zu implementiere», sagte Müller.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marius am 28.04.2017 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Psyche

    als ob man die Psyche untersuchen kann, wer noch nie psychische Probleme hatte, kann das nicht nachvollziehen, es kann jeden treffen und zwar von einer Sekunde auf die andere ohne vorher anzuklopfen , merkt euch das.

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  • Ceeed am 28.04.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hätte es nie gebraucht.

    Diese Regelung entstand damals nur auf Druck der Medien. Die Regelung hat nie was gebracht. Ein Flight Attendant ist für die Sicherheit in der Kabine verantwortlich und kann vom Cockpit aus nicht viel für die Sicherheit in der Kabine ausrichten.

  • Geissenpeter am 28.04.2017 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gras ist gewachsen

    jetzt können wir wieder den Rasen mähen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandervandorn44 am 29.04.2017 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    da will man sparen

    finde ich sehr bedenklich egal aus welchem Grund ob psyche oder Terror es sollten immer zwei im Cockpit bleiben.

    • Ceeed am 29.04.2017 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandervandorn44

      was hat das mir sparen zu tun? der finanzielle aufwand ist und bleibt der selbe ;)

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  • Urs am 29.04.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Wiederholung

    Dann hoffentlich nicht, bis zum nächsten mal! Ich möchte nämlich nicht mit dabei sein.

  • [HazE]Büsi am 29.04.2017 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören!

    Bei Germanwings ist man immer noch nicht sicher ob extra abgestürzt oder nicht! Ich finde es eine Frechheit, wie der Copilot immer noch auseinandergenommen wird obwohl man immer noch keine Handfesten Beweise hat! Können wir mit 100%er Sicherheit sagen, dass der Copilot die Tür verriegelt und nicht ein tehnischer Ausfall Grund für die verriegelte Tür war? Nein? Also aufhören weiter Gerüchte zu verbreiten!

  • Sven P. am 29.04.2017 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn....

    Wenn der einzige Pilot auf die Toilette geht und sich die Türe durch eine Störung nicht mehr öffnen lässt was dann????.....

  • Dani am 29.04.2017 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Machen die nicht ne zwite tür die wird vor den wc zuerst geschlossen,dann kommen die piloten dran ganz easy,und wenn der pilot die türe zu hat die hintere aufmachen. So kann die türe lönger offen sein. Sollte doch möglichs ein.