Neue Gebührenfirma

04. Dezember 2017 05:44; Akt: 04.12.2017 05:44 Print

«Wir arbeiten trotz ‹No Billag› sehr motiviert»

von P. Michel - Mit der No-Billag-Initiative droht der Serafe AG, die die Gelder ab 2019 eintreibt, der Verlust eines Millionenauftrags. Die Firma setzt auf Zweckoptimismus.

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Den grossen Coup landete die Serafe AG im März: Das Unternehmen erhielt den Zuschlag für die Aufgabe, die Fernseh- und Radiogebühren ab 2019 einzutreiben. Sie setzte sich in der Ausschreibung gegen die Billag durch und ergatterte einen Millionenauftrag: Für sieben Jahre erhält die Firma mit Sitz in Fehraltdorf 123 Millionen Franken.

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Doch diese Gelder sind nun mit der No-Billag-Initiative, über die am 4. März 2018 abgestimmt wird, in Gefahr. Denn bei einem Ja dürfen der Bund oder durch ihn beauftragte Dritte keine Empfangsgebühren erheben. Wie geht die Firma mit der Unsicherheit um? 20 Minuten hat nachgefragt. Das Unternehmen antwortete schriftlich.

Herr Heynen*, ihre Firma treibt ab 2019 die Empfangsgebühren ein, kommt die No-Billag-Initiative jedoch durch, braucht es sie nicht mehr. Wie ist die Stimmung in der Gebührenabteilung, die im Juli die Arbeit aufgenommen hat?
Wir sind zurzeit damit beschäftigt, die technischen und personellen Ressourcen für einen nahtlosen Übergang aufzubauen. Künftig bezahlt jeder Haushalt eine Abgabe, unabhängig davon, ob er ein Empfangsgerät besitzt oder nicht. Wir sind gut unterwegs im Zeitplan und zuversichtlich, das Mandat ab Januar 2019 mit einem Personalbestand von 40 Mitarbeitenden erfolgreich starten zu können. Das Team der Serafe arbeitet sehr motiviert auf dieses Datum hin. Es ist weit mehr Motivation und Leidenschaft der künftigen Aufgabe gegenüber zu spüren als Verunsicherung.

Nochmals: Die No-Billag-Initiative bedroht ihr Geschäftsmodell als Ganzes. Was passiert für Sie bei einem Ja mit den Angestellten? Sollte sich das Schweizer Volk für die Abschaffung jeglicher Abgaben und somit gegen zahlreiche lokale Fernsehstationen und Lokalradios sowie gegen den Service Public der SRG entscheiden, dann würde sich wahrscheinlich auch die Erhebung der Abgaben erledigen. Wir konzentrieren uns aber ganz und gar auf den Aufbau der Serafe AG als neue Erhebungsstelle – und nicht auf die «No-Billag-Initiative».

Sie erhalten für die gesamte Mandatsdauer von sieben Jahren inklusive Vorbereitungsarbeiten einen Betrag von 123'070'806 Franken. Das ist viel Geld für das Verschicken von Rechnungen. Ist das gerechtfertigt?
Ja. Das Mandat für die künftige Erhebungsstelle der Radio- und Fernsehabgaben ist ein sehr komplexes. Es wurde im Auftrag des Bundes über ein öffentliches Ausschreibungsverfahren angefragt. Die Serafe AG hat ihre Offerte anhand eines detaillierten Pflichtenheftes sehr seriös kalkuliert und das Bundesamt für Kommunikation den künftigen Partner für die Haushaltabgabe ebenso professionell evaluiert.

Der Begriff «Billag» ist negativ behaftet, gerade für die Kritiker steht er sinnbildlich für eine «Zwangsgebühr». Wie wollen Sie diesem Image entgegenwirken, wenn No-Billag abgelehnt wird?
Unsere künftige Tätigkeit ist nicht mit den Aufgaben unserer Vorgängerin vergleichbar. Es steht uns auch nicht zu, das Image unserer Vorgängerin zu beurteilen. Die Serafe darf als neue Erhebungsstelle tätig sein und wir werden alles daran setzen, dass man ab Januar 2019 gut über uns sprechen wird. Das bedingt nebst der reibungslosen Abwicklung des Inkassos für die Abgabe eine klare, kundenorientierte Kommunikation, um auf Fragen von Bürgern kompetent und verständlich zu antworten.

Wie werden Sie die Gebühr nennen? «Serafe-Gebühr»?
Nein, diese Bezeichnung wäre schlicht falsch: Wir dürfen als die Schweizerische Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehabgabe tätig sein. Sie wollen einen Begriff. Bitte. Dann wohl am ehesten: «Haushaltabgabe».

*Erich Heynen ist Kommunikationschef der Serafe AG.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Miller am 04.12.2017 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ob Billag oder Serafe - Zwangsgebühren müssen abgeschafft werden. Punkt. Aus.

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  • Mr. Jr. am 04.12.2017 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eintreiber

    "die Gebühren eintreibt"... Das sagt schon alles über die Firma aus!

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  • Taschendieb am 04.12.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zahle, wenn nicht zahle trotzdem

    aha .."jeder bezahlt, ob er ein Empfangsgerät besitzt oder nicht..." Sagt mal gehts euch eigentlich noch? No Billag für mich absolut ja.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cogito ergo sum am 04.12.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adam Riese

    Also, bei 1,464 Mio./Monat würde ich auch auf Zweckoptimismus machen und sehr motiviert arbeiten.

  • Hösch am 04.12.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    JAJAJA

    Ein Grund mehr JA zu stimmen!!!!

  • Tony420 am 04.12.2017 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Liebe Serafe Mitarbeiter ich Wünsche euch viel Glück bei der Jobsuche

  • Oliver R. am 04.12.2017 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Braucht es nicht.

    Wieso wird eigentlich eine externe Firma für das Eintreiben der Zwangsgebühr benötigt? Das ganze liesse sich ohne irgend einen Aufwand über die Steuerrechnung erledigen. Ist wohl zu wenig Aufwand, oder braucht ein "Bekannter" noch einen guten Job. Ich bleib dabei: No-Billag ja, egal wie die Firma heisst.

  • Toni Proppeller am 04.12.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein TV läuft auch ohne SRF

    Wie damals bei der Autobahnvignette. Hätte man gesagt wir erhöhen die vignette um 20sfr hätte es die Abstimmung nie gebraucht. Würde man bei der NOBILLAG einen kompromis eingehen z.b 200sfr wären wahrscheindlich die meissten zufrieden. Aber einfach weiter abzocken Nein danke mein TV läuft auch ohne Srf deshalb JA zu NOBILLAG.

    • Dani am 04.12.2017 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Toni Proppeller

      Mein tv leuft schon lange ohne srf,ich schaue nur pro 7 rtl. Hystorie und netflix das sind meine sender.

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