Im Visier der Behörden

23. Februar 2014 09:12; Akt: 23.02.2014 09:52 Print

Auch Schweizer kauften Bilder nackter Kinder

Rund 150 Personen aus der Schweiz haben Filme eines kanadischen Kinderporno-Verleihs bestellt. Obwohl sie sich dabei nicht strafbar machten, sind Experten alarmiert.

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Grenzbereich: Filme, die nackt spielende Buben zeigen, sind nicht verboten. (Bild: Keystone)

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Im Rahmen der Operation «Spaten» stellten kanadische Ermittler Unmengen an kinderpornografischen Fotos und Videos sicher. Aus mehr als 50 Ländern hatten Pädophile über den Anbieter Azov-Films Videos geordert. Auch aus der Schweiz. Das zeigen Recherchen der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Hierzulande haben 154 Personen Videos bestellt. 306 verschiedene Filme gelangten so in die Schweiz. Die Bundespolizei sichtete das Filmmaterial und kam zum Schluss: Die Filme enthalten keine verbotenen Inhalte. «Es sind weder sexuelle Handlungen noch Fokussierungen auf Geschlechtsteile zu sehen», begründet Stefan Kunfermann, Sprecher des Bundesamtes für Polizei (Fedpol).

Wo beginnt der Missbrauch?

Es handle sich ausschliesslich um Filme, in denen 10- bis 16-jährige Knaben nackt spielen. Doch wo beginnt der Missbrauch? Und was ist natürlich daran, wenn nackte Kinder für ein paar Euros vor laufender Kamera raufen? Vertieft mit Kinderpornografie befasst hat sich Rechtsanwalt Lukas Bürge. «Die Filme liegen wohl im Grenzbereich», sagt er.

Seiner Ansicht nach hätten die Strafverfolgungsbehörden durchaus Ermittlungen aufnehmen und gegebenenfalls eine Untersuchung eröffnen können. Und zwar, weil die Buben vor laufender Kamera ohne Einwirkung wohl nicht nackt miteinander gespielt hätten und die Videos auf eine sexuelle Aufreizung des Betrachters angelegt sind. Bürge: «Das Problem in der Schweiz ist, dass längst nicht alles, was sexuell anzüglich ist, auch strafbare Kinderpornografie ist.»

20'000 Pädophile in der Schweiz

Schätzungen zufolge ist etwa ein Prozent der Männer pädophil – das sind rund 20'000 in der Schweiz. «Es gibt kein Profil für Pädophile. Zu uns kommen Personen zwischen 20 und 70», sagt Monika Egli-Alge. Sie ist Chefin des Forensischen Instituts Ostschweiz (Forio), wo sich Pädophile beraten und therapieren lassen können.

«Nicht alle, die eine Pädophilie haben, missbrauchen Kinder», sagt sie. Ob Filme, wie sie die Bundespolizei gesichtet hat, sogenanntes Einstiegmaterial für spätere Übergriffe auf Kinder ist, sei schwer zu sagen. «In der Arbeit mit Männern mit einer Präferenzstörung haben wir aber eine klare Haltung: Bereits solche Videos sind Fälle von Kindsmissbrauch.» Gerade auch deshalb, weil Pädophile dazu neigen, ihre Neigung herunterzuspielen.

Keine Straftat

Solche Videos seien aber keine Bagatelle und können Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Doch da die 154 Personen keine Straftat begangen haben, hat die Polizei sie auch nicht überprüft. Somit ist unklar, ob sich auf deren Rechner allenfalls noch harte Kinderpornografie befindet.