«Geheimpapier» zeigt

15. April 2012 04:08; Akt: 15.04.2012 04:58 Print

Leuthard plant mehrere Gaskraftwerke

Der Atomausstieg der Schweiz ist beschlossene Sache, dessen Umsetzung gibt aber heftig zu reden: Nun hat das Bundesamt für Energie offenbar konkrete Pläne in der Schublade.

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Bundesrätin Doris Leuthard schlägt vor, bis 2050 vier bis sechs Gaskombikraftwerke zu bauen - und Energie zu sparen. (Bild: Keystone)

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Das Paket für den Atomausstieg ist geschnürt, der Bundesrat dürfte am Mittwoch darüber beraten. Dessen wichtigste Pfeiler sind deutliche Erhöhungen der Fördergelder für erneuerbare Energien und für die Sanierung von schlecht isolierten Gebäuden. Hinzu kommen Gasstrom und Stromimporte. Das geht aus einem vertraulichen Aussprachepapier des Departements von Energieministerin Leuthard hervor, wie die «NZZ am Sonntag», die «SonntagsZeitung» und der «Sonntag» übereinstimmend berichten.

Uneinig sind sich die Zeitungen allerdings über die Anzahl der Gaskombikraftwerke, die bis 2050 gebaut werden sollen - die Angaben schwanken zwischen vier und sechs. Zudem seien Stromimporte nötig.

Daneben will Leuthard die Fördermittel für erneuerbare Energien von heute rund 200 Millionen Franken jährlich auf über 800 Millionen Franken etwa im Jahr 2040 aufstocken. Die Stromkonsumenten sollen diese Ausgaben mit einem Zuschlag finanzieren, der bis auf 1,82 Rappen pro Kilowattstunde erhöht wird.

Sanierungen beschleunigen

Entscheidend für das Gelingen des Atomausstiegs ist laut dem Aussprachepapier auch die effiziente Nutzung von Energie. Deshalb will Leuthard vor allem die Sanierung von schlecht isolierten Gebäuden beschleunigen und die Mittel dafür von heute 300 Millionen Franken jährlich auf 600 Millionen verdoppeln.

Möglicherweise sollen auch die Kantone stärker zur Kasse gebeten werden. Zur Finanzierung der Massnahmen sollen ausserhalb des Bundesbudgets jährlich insgesamt bis zu 1,68 Milliarden Franken an Abgaben erhoben und umverteilt werden. Der Präsident der Energiedirektorenkonferenz, der Freiburger Regierungsrat Beat Vonlanthen, zeigt sich im «Sonntag» dennoch zufrieden: «Ich persönlich bin überzeugt, dass es Gaskraftwerke in einer Übergangsperiode braucht.»

Der Bau der Anlagen freut aber längst nicht alle: Umweltschützer kritisieren den CO2-Ausstoss, die Branche beklagt die mangelnde Rentabilität und fordert hinter vorgehaltener Hand gar Subventionen. Doch für viele Teilnehmer der vom Bund einberufenen Arbeitsgruppen ist die Kombination von erneuerbaren Energien und Gaskraftwerken der realistischste Weg.

(fum)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ein Gaskraftwerk ist genau gleich schlimm wie ein Atomkraftwerk. Die Folgen sind einfach weniger schnell absehbar. Gaskraftwerke als Übergangslösung, da kann man ja nur lachen. Sind die einmal gebaut, werden sämtliche anderen Bestrebungen auf Eis gelegt und wir haben die Kraftwerke auf ewig (wie es oft ist mit Provisorien). Da sollten wir so ehrlich sein und 1-2 AKW ersetzen durch sicherere AKW. Achja, und Gas dürfte mit Verknappung von Öl extrem teuer werden. – Ivo Steinmann

Das ist genau unsere grüne Politik. Träumen, träumen und nochmals träumen. Wie sollen 40% des Stroms preiswert ersetzt werden? Viel mehr Wasserkraft geht nicht mehr und Wind/Solar ist zu Teuer und in der Schweiz nicht geeignet. Ich bin überzeugt das Volk will nur einen Versorgungssicheren (CH) und bezahlbaren Atom ausstieg. Wegen den grünen laufen alte AKW s anstatt wir Sie durch ein Top modernes für die nächsten 50 Jahre ersetzten würden. Bis dann wäre wahrscheinlich auch die Waren alternative Energie bereit. – Andy Meier

Eine ausreichende Produktionskapazität an Wind-, Sonnen- und Wasserstrom aufzubauen braucht Zeit. Daher ist der Entscheid für die Gaskraftwerke als Übergangslösung absolut richtig. Ob es dann 4 oder 6 Krafwerke braucht wird sich zeigen, ist aber sekundär. Lieber etwas mehr CO2 produzieren als dann im Dunkeln sitzen! – Marc-André

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luckz am 15.04.2012 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber...

    ...wir haben ja mehr als genug Wasser und Wind z.B.? Wieso kommen da nicht Wasser- oder Windkraftwerke? Ich finde das ein bisschen schade! Wo kommt aber das ganze Gas dann her? Das ist mal eine Sache. Das Wasser und der Wind stellen sich sozusagen selbst zur Verfügung. Man sollte umweltfreundlicher handeln! Die Schweiz könnte das auch ohne Probleme. Wäre eine tolle Sache!

  • s.k. am 15.04.2012 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    umdenken macht sinn

    windmühlen und wasserkraft wäre auf die zeit wohl besser. viel energie könnte z.b. in der landwirtschaft gespart werden, wenn die kühe sich vorallem von frischem gras ernähren würden und nicht mit trockenfutter gefüttert würden.

  • Ivo Steinmann am 15.04.2012 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Gaskraftwerke sind abzulehnen

    Ein Gaskraftwerk ist genau gleich schlimm wie ein Atomkraftwerk. Die Folgen sind einfach weniger schnell absehbar. Gaskraftwerke als Übergangslösung, da kann man ja nur lachen. Sind die einmal gebaut, werden sämtliche anderen Bestrebungen auf Eis gelegt und wir haben die Kraftwerke auf ewig (wie es oft ist mit Provisorien). Da sollten wir so ehrlich sein und 1-2 AKW ersetzen durch sicherere AKW. Achja, und Gas dürfte mit Verknappung von Öl extrem teuer werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • HaRu WEBER am 16.04.2012 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zur Idee Gaswerkbau von BR DL !

    50 zu 50 steht es ob BR DL im Jahre 2050 noch lebt. 50 zu 50 ist auch die Chance ob es 2050 noch Gas gibt. Wenn wir die Zuwanderung 38 Jahre zurück extrapolieren für die Jahre bis 2050 so hätte es hier weitere 3 Mio Verbraucher mehr. Logischerweise müsste man auch diesen Grunde die Einwanderung sofort stoppen. So einfach ist das. Aber mein Slogan seit langem ist ja, unser Ländchen wird seit Jahren masslos Übernutzt.

    • Papierlischweizer am 17.04.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      Zur Idee weiter wie bisher.

      Die gängige Abkürzung für unser nördliches Nachbarland ist seit Jahrzehnten BRD. Genau so gängig ist die Annahme, dass auch Uran in den nächsten 50 Jahren zum knappen Gut werden wird. Wenn Sie die Zuwanderung der letzten 38 Jahre mit dem dadurch verbundenen Wirtschaftswachstum vergleichen, fallen eben so logisch nachvollziehbare Parallelen auf. Aus diesem Grunde muss das Wirtschaftswachstum gestoppt und ausgelagert werden, denn nicht unser Ländchen, sondern unsere wirtschaftlichen Ressourcen werden seit Jahren übernutzt.

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  • E.Gal am 16.04.2012 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Angst wegen Co2??

    ca. 6 Gaskraftwerke müssten gebaut werden um den Atomstrom zu ersetzen.....und alle sprechen über den grossen CO2-Ausstoss dieser KW. Vergesst diese Gasbohrinsel vor Schottland nicht....pro Tag stösst sie so viel CO2 aus wie die ganze Schweiz in einem Jahr. Und dies seit wie vielen Tagen jetzt???? Einfach unglaublich der Mensch! Sofortiger Ausstieg aus dem Atomstrom wäre vernünftig, denn was in 50 Jahren ist weiss niemand.

  • M. Walliser am 16.04.2012 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Solarstrom!

    Supi, und wo ist jetzt der Aufschrei der Roten und Grünen, die das CO2 noch vor einem Jahr verteufelt haben? Oder ist das sogar willkommen, da man dann das Geld wieder von den Autofahrern nehmen kann, da die CO 2-Ziele nicht ereicht werden. Ich habe einen Kollegen, der gröste Mühe hat den Strom seiner 14 kWh-Solaranlage kostendeckend zu verkaufen. Laut Werk zuwenig Nachfrage. Wie kann das aber sein, wenn alle die den Atomstrom ablehnen( ich auch) mehr Solarstrom (ich auch, und was schon jetzt moöglich ist) kaufen würden? Wenn man aber "billigen" Gasstrom herstellt, wird das Umdenken nie kommen

    • M. Walliser am 16.04.2012 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      14 kWp!

      Sorry, er hat natürlich eine 14 kWp- und nicht eine 14kW h- Anlage.

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  • Benjamin Sen am 16.04.2012 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie... -> SimCity als Weiterbildung!

    Genau das brauchen wir! Gas-Kraftwerke! Wieso nicht Kohle? Ist doch billiger... Oder Müllverbrennungsanlagen.. wir übernehmen den ganzen Müll Europas und produzieren Strom damit! Die bezahlen uns sogar dafür!! Frau Leuthard sollte vielleicht mal etwas SimCity spielen und lernen!

  • Roman am 16.04.2012 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    2000W Gesellschaft??

    Genau.. und an dieser Stelle könnte man auch gleich allen Bauherren die Bewilligung für Solarzellen für Strom und Wassererwärmung erteilen. Gibt es doch immer noch Gemeinden in denen dies noch immer nicht erlaubt ist. Das ist doch nicht normal. Wir streben doch alle die 2000W Gesellschaft an???