Falscher Bombenalarm

20. September 2017 09:19; Akt: 20.09.2017 09:19 Print

Koffer vergessen – das kann richtig teuer werden

Wer seine Tasche oder seinen Koffer stehen lässt, kann für den ausgelösten Bombeneinsatz belangt werden. Das kann mehrere tausend Franken kosten.

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Im Bahnhof Aarau hat ein Mann vergangenen Freitag einen Koffer hinter einem grossen Aschenbecher deponiert und dann vergessen. Er ist ohne das Gepäckstück in den Zug gestiegen, wie die Befragung des 51-Jährigen ergab.

Kostenersatz bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit

Nun erwägen Polizei und Staatsanwaltschaft, ihm die Kosten für den dadurch ausgelösten Bombenalarm samt Sondereinsatz aufzuerlegen. «Im Aargauer Polizeigesetz steht, dass besondere polizeiliche Leistungen kostenpflichtig sind und vom Verursacher oder Störer bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit Kostenersatz verlangt werden kann», sagt Sprecher Roland Pfister.

Derzeit werde untersucht, ob dies im Fall des Kofferbesitzers möglich sei. Pfister: «Es gilt abzuwägen, ob das Verhalten des Mannes fahrlässig war oder nicht.» Zahlen müsse der Mann alles, was über einen ordentlichen Einsatz hinaus gehe. Zu Zahlen kann die Kapo noch keine Angaben machen.

Polizei stellte schon einmal Rechnung

Einen Anhaltspunkt gibt aber ein Fall aus dem Jahr 2014, als ein Mann aus Birrhard beim Wandern in den Bergen eine Granate fand und mit nach Hause nahm. Als ihm klar wurde, dass diese scharf war, informierte er die Blindgängerzentrale. Den Sprengkörper deponierte er derweil auf einem verlassenen Bauernhof in der Nähe einer Schule.

Zur Sicherung wurden darauf Einsatzkräfte der Polizei und Armee aufgeboten. Schule und Strassen wurden vorübergehend gesperrt und die Granate mit einem Spezialanhänger der Armee abtransportiert. Dem Wanderer wurde danach von der Kantonspolizei eine Rechnung für den Einsatz gestellt. «Diese betrug einige wenige tausend Franken», sagt Sprecher Pfister.

Am Flughafen gibt es 40 Franken Busse

Mit Fällen herrenloser Gepäckstücke ist der Flughafen Zürich immer wieder konfrontiert. Die Einsatzabteilung Bomb Squad der Kantonspolizei Zürich ist deshalb während den Betriebszeiten des Flughafens immer auf Piquet. «Den Aufwand für Einsatzstunden und Sachkosten trägt die Flughafen Zürich AG», sagt deren Sprecher Philipp Bircher. Noch nie habe man diese Kosten auf zivilrechtlichem Weg eingefordert.

Eine Busse droht dem Besitzer des Koffers aber, wie Sprecher Ralph Hirt von der Kantonspolizei bestätigt. «Ist das Sicherstellen des herrenlosen Gepäckstücks mit Umständen wie Bombsquad oder Absperrung verbunden, erhält der betroffene eine Busse von der Stadt Kloten in Höhe von 40 Franken.»

SBB kennt keinen vergleichbaren Fall

Die SBB hingegen kann sich zu diesem Thema nicht äussern. Sprecher Daniele Pallecchi: «Mir ist kein ähnlicher Fall bekannt, in dem ein Gepäckstück einen Bombenalarm bei der SBB ausgelöst hat.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Silie am 20.09.2017 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Was früher

    noch gelöst wurde, indem man den Koffer einfach auf's Fundbüro brachte, geht heute anscheinend ohne Bombenräumkommando nicht mehr. Schöne neue Zeiten..

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  • G. U. Fere am 20.09.2017 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    weit haben wirs gebracht

    unser Superstaat - zuerst öffnet er alle Grenzen, zahlt Hasspredigern den Lebensunterhalt, und nachher zocken sie uns ab, wenn einer einen Koffer abstellt, als ob das ein Verbrechen wäre. Wie war es einst schön in unserem Land...

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  • Anna am 20.09.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisblödsinn

    Gaht's no? Kann ja mal vorkommen, dass man was vergisst. Die Polizei wird schon von unserem Geld bezahlt und ist für solche Sachen da. Vor 20 Jahren wäre ja auch nicht gleich der ganze Bahnhof abgesperrt worden, sondern der Koffer einfach ins Fundbüro gebracht worden. Mal ganz ehrlich, wieviele Kofferbomben hatte die Schweiz schon? Mir fällt dazu nichts ein. Die heutigen Attentäter lassen auch nicht irgendwas rumstehen, die tragen alles bei sich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jurist am 21.09.2017 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch!!

    Jemandem Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz beweisen zu können, der einen Koffer vergisst ist praktisch unmöglich! Höchstens wenn der Koffer die Form von Sprengstoff Stangen hat...! Bitte auf dem Boden bleiben. Logisch muss die Polizei alles überprüfen und wer sich z.B. so einen Scherz erlaubt soll auch knallhart dafür büssen. Aber wer einen Koffer wirklich vergisst würde vor JEDEM Gericht recht bekommen!!

  • Adi am 21.09.2017 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Polizei Polizei !!!

    Bei mi hat mal einer die Polizei gerufen, weil ich mit meiner Drohne rumgeflogen bin. Die Polizisten haben nur den Kopf geschüttelt als der gute Man argumentierte, dass dies Belästigung sei und sein Hund erschrecke.

  • Seeländer am 20.09.2017 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    typisch Aargau

    Das ganze ist eigentlich nicht nachvollziehbar,aber als ich Aarau gelesen habe,nicht erstaunlich

  • Tim am 20.09.2017 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soso

    Fahrlässig werden bestraft. Warum werden die Banken, Bundesräte nicht bestraft wenn sie fahrlässig handeln? Kann mir das jemand erklären?

  • Benno Brown am 20.09.2017 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Natel Nummer auf Koffer?

    Vieleicht müssen wir dann noch die Natel Nummer ersichtlich auf den Koffer anbringen. Immerhin würde Mann dann schnell informiert, dass wir den Koffer liegengelassen haben. Wäre doch eine Win-Win situation. "Koffer Vergessen? Ich kann ihn entschärfen: 07X XXX XX XX"