Passivrauchschutz

24. September 2012 07:20; Akt: 24.09.2012 08:41 Print

«Anti-Tabak-Taliban wurden gebodigt»

Die Schweizer Medien sind sich uneinig, was das klare Nein zur Initiative gegen das Rauchen in Kneipen bedeutet. Die einen sehen einen ganz neuen Trend in der Schweiz. So weit wollen viele indes nicht gehen.

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Orakeln im Nebel: Was das Nein zur Initiative zum Schutz vor Passivrauchen konkret über die Dunstfrage hinweg bedeutet, darüber gehen die Meinungen im Blätterwald auseinander. (Bild: Keystone)

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Die grosse Mehrheit der Schweizer Presse begrüsst das deutliche Nein des Volkes zu einem verschärften Rauchverbot. Die Kommentatoren sehen darin eine Absage an eine übertriebene Verbotsgesellschaft. Gesiegt habe sowohl die persönliche Freiheit als auch die der Kantone, selber über Regeln zu entscheiden.

Was dies aber generell für den Schutz vor Passivrauchen und die bestehenden Rauchverbote bedeutet, darüber herrscht in der Schweizer Presselandschaft durchaus unterschiedliche Meinung.

Föderalismus vs. Schutz: 1:0

Die «Neue Zürcher Zeitung» sieht darin einen generellen Richtungsentscheid hin zu einer liberaleren Schweiz: «Die Stimmbürger haben zwar ein hohes Sensorium für gesundheitspolitische Argumente, angesichts der übertriebenen Begehren haben sie nun aber gleichzeitig Augenmass bewiesen. Die überraschend deutliche Solidaritätskundgebung einer Mehrheit von Nichtrauchern der Minderheit von Rauchern gegenüber ist ein starkes Signal, das hoffentlich über die blosse Raucher-Thematik hinausstrahlen wird. (...) Das erfreuliche Signal vom Wochenende: Die Schweiz will keine Verbotsgesellschaft.»

So weit lehnt sich der Kommentar des «Tages-Anzeigers» denn nicht zum Fenster hinaus. Doch eines zeige die Abstimmung unabhängig vom Thema klar: «Ein strenges und identisches Rauchverbot in der ganzen Schweiz - gegen diese Forderung haben sich die Schweizer gestern mit grosser Mehrheit ausgesprochen. Einmal mehr haben sie bewiesen, dass hierzulande wenig über dem Föderalismus steht und der Freiheit jedes Kantons, über Regeln und Gesetze autonom zu entscheiden.»

Für die «Basler Zeitung» ist zwar der Entscheid erfreulich, weil damit vor allem Regelhickhack vermieden werde. Doch eines steht für sie trotzdem fest: «Das war kein Nein gegen mehr Schutz vor Passivrauchen, wie das die Tabakbranche fälschlicherweise interpretiert.»

Ostschweizer Presse zeigt sich überrascht und erleichtert

Klare Worte zum Sturz einer bundeseinheitlichen Regelung zum Raucherschutz findet die «Südostschweiz»: «Gebodigt wurde das ideologische Konzept der Anti-Tabak-Taliban, die einfach nicht akzeptieren können, dass auch ungesund lebende Mitmenschen eine Existenzberechtigung haben. (...) Der nächste Schritt hin zu einer genussfeindlichen Schweiz, deren Einwohnerinnen und Einwohner fremdgesteuert ‹gesund› leben, wurde verhindert. Vorerst.» Ob zu erwarten ist, dass bestehende Verbote ebenfalls gelockert werden, darüber schweigt sich die «Südostschweiz» aus.

Den klaren Sieg für die Freiheitsrechte der Raucher hat die «Neue Luzerner Zeitung» zumindest für die Innerschweiz so durchaus erwartet: «Nirgendwo sonst war der Anteil der Skeptiker höher als in den traditionell freiheitsliebenden Urkantonen. Das zeigt, dass die Initiative (...) nicht in erster Linie als Massnahme zur Förderung der Gesundheit von Servierpersonal verstanden wurde. Sondern als Versuch, das Rauchen generell zu verbieten - und damit als ein Angriff auf die persönliche Freiheit.»

Das «St. Galler Tagblatt» indes ist eher etwas überrascht ob der klaren Ergebnisse - zumal einige Indikatoren im Vorfeld des Abstimmungssonntags etwas anderes haben vermuten lassen. Dennoch: «Vielmehr mögen sie (die St. Galler) es im eigenen Kanton offenbar gerne, wie es ist: In einer Umfrage äusserten sich fast 90 Prozent der Befragten zufrieden (...). Den Nachbarn dreinreden wollen sie aber offenbar nicht. (...) Mitgespielt haben mag auch die Furcht vor einem Ja, das den Weg für weitere Verbote bereitet.»

Romandie uneins ob gut oder schlecht

«La Liberté» sieht es recht ähnlich wie viele Tageszeitungen in der Deutschschweiz: «Mehr noch als mit der Wahrung des Föderalismus lässt sich das Scheitern der Initiative (...) durch das Gefühl erklären, den Bogen nicht überspannen zu wollen. Das seit Mai 2010 geltende Bundesgesetz bewährt sich bestens.»

Für den «Quotidien Jurassien» hat «das Volk die Eigenverantwortung bevorzugt und die beachtlichen Fortschritte in Sachen Höflichkeit, derer man die Raucher lange für unfähig hielt, anerkannt. (...) Jeder scheint in der aktuellen Gesetzgebung sein Glück gefunden zu haben.» Tatsächlich jeder? Das sieht «Le Courrier» anders: «Das deutliche Nein markiert das Ende einer Phase der Verschärfung während der letzten Jahre. (...) Die Lungen von zehntausenden von Bistroangestellten warten weiter auf bessere Tage.»

(sda)

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