Vorsicht Lockangebote

01. Dezember 2011 15:31; Akt: 01.12.2011 16:47 Print

Grössere Brüste zum Dumpingpreis?Grössere Brüste zum Dumpingpreis?

von Jessica Pfister - Auf der Plattform Dein Deal konnten User eine Brustvergrösserung zum halben Preis erwerben. Ärzte und Patientenschützer sind entsetzt und warnen vor «unseriösen Angeboten».

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Für einige Frauen mag das Angebot verlockend klingen: Eine Brustvergrösserung ohne Skalpell und ohne Implantate, sondern ambulant, mittels Injektion der Substanz Macrolane. Auf der Gutschein-Plattform Dein Deal konnten interessierte Userinnen am Mittwoch die entsprechende Behandlung erwerben - für 1799 statt 3750 Franken. Anbieter ist der Dermatologe Adrian Krähenbühl, Leiter des DermaEsticLaserCenter in Biel. Einen ähnlichen Deal publizierte die Konkurrenz-Plattform Groupon im September. Dort versprach Dr. Kish Aesthetic Center in Zürich einen perfekt geformten Busen - allerdings per operativem Eingriff - für 5900 statt 14 000 Franken.

Dass Gutschein-Plattformen neben vergünstigten Nachtessen, Schneeferien in den Bergen oder Massagen neu auch medizinische Eingriffe anpreisen, stösst der Patientenschützerin Margrit Kessler sauer auf: «Ich finde solche Angebote unmöglich», sagt die Präsidentin der Stiftung für Patientenschutz gegenüber 20 Minuten Online. Gerade beim neusten Deal zweifelt Kessler auch an der Seriosität des Angebots. «Wenn plötzlich ein Dermatologe Brustvergrösserungen vornimmt, kann doch etwas nicht stimmen.» Sie empfiehlt allen Frauen, solche Lockangebote zu vermeiden. «Sonst besteht die Gefahr, dass aus dem Preisrabatt von 50 Prozent schnell mal eine Preisvervierfachung wird.»

«Medizinische Angebote auf Gutschein-Plattformen lehnen wir strikt ab»

Kritik übt auch Stephan Hägeli, Geschäftsführer der unabhängigen Beratungsstelle für plastische Chirurgie Acredis. «Medizinische oder kosmetische Angebote auf Dein Deal oder Groupon lehnen wir strikt ab», sagt Hägeli. Ärzte, die auf solchen Plattformen für ihre Angebote werben, seien kritisch zu beurteilen.

Noch weiter geht Yves Brühlmann, plastischer Chirurg und Vorstandsmitglied der Schweizerischen
Gesellschaft für Plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. «Solche Aktionen und die Bewerbung sind einfach unverschämt», so Brühlmann. Dreist sei zudem, dass der Arzt bei der - sowieso umstrittenen Makrolane-Behandlung - jeweils nur 50 Milliliter der Substanz injiziert. Die Patientin merke aber erst ab 80 bis 120 ml eine Veränderung. «Hier von Brustvergrösserung zu sprechen ist reine Abzockerei», so Brühlmann. Er werde die Problematik im Vorstand diskutieren, um zu sehen, was juristisch machbar sei.

Bei der Gutscheinplattform Dein Deal, die zum Ringier-Konzern gehört, hält man medizinische Angebote für vertretbar. «Bevor wir einen Deal anbieten, klären wir immer die Qualität und Seriosität des Anbieters ab», sagt Geschäftsführer Amir Suissa auf Anfrage. Eine Salesperson besuche beispielsweise den Arzt und mache sich vor Ort ein Bild. «Gerade bei ärztlichen Deals sind wir sehr strikt», so Suissa. Ausserdem werde der Deal rechtlich abgesichert, indem ein Rücktrittsrecht bestehe und jeweils - gerade auch bei ärztlichen Eingriffen - auch ein Vorgespräch stattfinde. Bei der aktuellen Brustvergrösserungs-Aktion habe der Arzt Dein Deal aktiv für die Bewerbung angesprochen.

«Deal war zu wenig attraktiv»

Dem widerspricht allerdings der betroffene Arzt, Adrian Krähenbühl. «Das Ganze hat Dein Deal initiiert», sagt der Dermatologe auf Anfrage. Für ihn selbst sei das Angebot ein Marketingtool, was in der ästhetischen Medizin durchaus üblich sei. Krähenbühl gibt zwar zu, dass eine Injektion von 50 ml nur ein Zückerchen sei, von einer Brustvergrösserung könne man aber allemal sprechen. «Die Behandlung führt im Normalfall ein plastischer Chirurg in unserem Center durch», so Krähenbühl. Er selbst könne die Methode grundsätzlich auch anwenden.

Gelohnt hat sich das Deal-Angebot für das Ärztezentrum in Biel nicht. Gerade mal eine Person hat den Gutschein am Mittwoch gekauft. Allerdings haben die Verantwortlichen bei Dein Deal das Angebot am Mittwochnachmittag bereits gestoppt - statt wie vorgesehen um Mitternacht. «Einerseits war der Deal zu wenig attraktiv, andererseits haben die User schlecht auf das Angebot reagiert», so Susann Rickenbacher. Ein Blick auf die User-Kommentare zeigt auch, dass die Mehrheit das Angebot als unseriös bezeichnet. «Ich finde dieses Angebot echt unangebracht», so eine Bemerkung. Besser angekommen ist die Brustvergrösserung auf der Konkurrenzplattform Groupon. Elf Deals wurden für die operative Methode verkauft.

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  • Sonja am 02.12.2011 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    50 ml = Brustvergrösserung?

    Lest mal das Angebot richtig!!! 50 ml Macrolane. 50 ml sind 0.5 dl, also ein halber Deziliter = praktisch nichts. Wie kannman von so einer Menge von einer Brustvergrösserung sprechen, oder?

  • Tomi Birchli am 02.12.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    40% für Deindeal

    Von den verbleibenden 1800.- nimmt sich deindeal noch 40% Komission (740.-). Somit verdient der Anbieter noch 1000.- statt 3750.- entsprechend sollten die Erwartungen sein. Gilt für alle Deals.

  • Vincmister am 02.12.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Rufschädigend für ein Unternehmen

    Diese Portale wie Dein Deal, Day Deal etc. haben es auch in unserem Unternehmen versucht, das da jemand vorbei kommt wäre mir neu. Bei uns lief alles rein Telefonisch oder per mail. Wir haben von Anfang an gleich abgelehnt, da dies einem Unternehmen mehr schadet als es bringt. Die sogenanten Kunden die versprochen werden sind nur Schnäppchenjäger die in der Regel auch nie wieder kommen, da sie genau nur dieses Angebot 1 malig ausnützen. Als Unternehmen hat man so nur Umtriebe für nichts.

    • Wiwi am 02.12.2011 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      Ihr habt ja abgelehnt?

      Wenn ihr ablehnt ist doch klar, dass keiner vorbeikommt. :)

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