Wegen Gewitter

28. Mai 2016 20:58; Akt: 29.05.2016 20:45 Print

Wassermassen überfluten Keller und Strassen

In der Schweiz kam es am Samstag vielerorts zu starken Unwettern. Am stärksten betroffen war der Kanton Bern. Das Gewitter sorgte dort für überflutete Keller.

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Ein heftiges Gewitter ist am Samstagabend über Teile der Schweiz gezogen. Im Berner Jura und Berner Seeland fiel als Folge davon bei mehreren tausend Haushalten in mehreren Gemeinden für kurze Zeit der Strom aus. Kurz nach Mitternacht war die Störung wieder behoben.

Im Versorgungsgebiet der BKW kam es zu zwei Ausfällen, wie aus einer Mitteilung des Berner Energiekonzerns in der Nacht auf Sonntag hervorgeht: Kurz nach 22 Uhr war die Unterstation Sorvilier im Berner Jura betroffen, kurz vor 23 Uhr eine Anlage im Berner Seeland. Ohne Strom waren insgesamt rund 5300 Kunden in den Gemeinden Champoz, Sorvilier, Valbirse, Loveresse, Court, Bellmund, Jens und Merzligen. Die meisten Kunden seien vor Mitternacht wieder versorgt worden, die übrigen kurz danach, hiess es.

80 Schadenmeldungen

Die Gewitter der vergangenen Nacht haben an zahlreichen Orten im Kanton Bern für überflutete Keller gesorgt. Auch wurden Bahnen und der Strom unterbrochen und vereinzelt Strassen überflutet. Die Kantonspolizei erhielt insgesamt 80 Schadenmeldungen, vor allem aus dem Raum Bern und der Region Krauchthal.

In den meisten Fällen handelte es sich um Wassereinbrüche in Gebäude, wie Mediensprecher Christoph Gnägi am Sonntagmorgen auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Doch es kam auch zu vier Blitzeinschlägen in Murzelen (Gemeinde Wohlen), Schwarzenburg, Liebefeld und Neuenegg. In Liebefeld löste der Blitz einen Dachstockbrand aus, doch konnte diesen die Feuerwehr von Köniz rasch löschen. Auch traten vereinzelt Bäche über die Ufer und Bäume kippten um. Meldungen zu Verletzten lagen der Kantonspolizei am Sonntagmittag keine vor.

Alarmstufe Rot

Der Wetterdienst «Meteocentrale.ch» hatte für Samstagabend eine Unwetterwarnung der Stufe Rot für mehrere Regionen herausgegeben. Es wurden heftige Gewitter, Hagel, Starkregen sowie schwere Sturmböen erwartet. Die Blitzaktivität sei hoch, hiess es in der Mitteilung weiter.

Auch «Meteonews» sah eine Erhöhung der Unwetter-Gefahr. Doch: «Bei uns war sie zwischen gelb und orange», erklärt Roger Perret. «Es gab Schauer und Gewitter, doch vielerorts waren diese nicht so heftig.» Es habe schweizweit verschiedene Gewitter-Zellen gehabt, die meisten befanden sich über Bern, Aargau und dem Limmattal-Gebiet. Perret: «In Bern blitze es 14 Mal und es gab rund zehn Liter Regen.»

Grosse Hagelkörner

Besonders heftig fiel das Unwetter im Kanton Bern aus. Zahlreiche Leser haben Fotos von Hagelkörnern so gross wie Pingpong-Bälle gesendet. Doch auch der Kanton Aargau blieb nicht verschont. Am stärksten dürfte es im Bereich Boswil ausgefallen sein. Für den Kanton Zürich wurden besonders starke Gewitter vorhergesagt. Das schlechte Wetter kam aus Südwest und bewegt sich in nordöstliche Richtung.

Hagel in Subingen SO:

Unwetter in Willisau:

Erdrutsche im Tessin

Im Tessin mussten nach heftigen Gewittern am Samstagabend Strassen wegen Erdrutschen gesperrt werden. Im Valle Malvaglia sitzen 250 Personen im oberen Talbereich fest.

Die Strasse zwischen Madra und Dandrio ist wegen eines Erdrutsches blockiert. Die Tessiner Polizei bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda Meldungen des Verkehrsinformationsdienstes ViaSuisse.

Die betroffenen Personen, die die Brückentage an Fronleichnam in ihren Ferienhäusern verbrachten, können nun nicht zurück ins Tal. Mit einer Öffnung der Strasse war laut Polizeiangaben vom Sonntag frühestens am Abend zu rechnen.

Auch die Strasse durch das Tal Valle di Blenio wurde wegen eines Erdrutsches gesperrt. Zwischen Ghirone und Cozzera setzte ein Erdrutsch in der Höhe von 2000 Metern etwa 80'000 Kubikmeter Material in Bewegung. Die Strasse wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt, für die Bevölkerung besteht laut der Polizei aber keine Gefahr.

Voraussicht für die nächsten Tage

Am Sonntag bleibt es laut Perret schweizweit bewölkt: «Ab und zu kommt es zu Regengüssen. Gewitter gibt es vor allem im Osten.» Den Wochenstart beschreibt er als wechselhaft: «Die Sonne ist zwar da, jedoch ist sie gegenüber den Wolken im Nachteil.» Auch würde es wieder regnen, dies aber vor allem in den Alpen. «Die Temperaturen sind bis Mitte Woche 18 bis 20 Grad.»

Verletzte in Deutschland und Frankreich

Heftige Gewitter wüten derzeit auch in Deutschland und Frankreich. 46 Menschen wurden am Samstag bei Blitzeinschlägen verletzt. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Kinder.

Buchstäblich aus heiterem Himmel schlug ein Blitz auf einem Fussballplatz im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz ein – insgesamt 35 Menschen wurden ins Spital gebracht. Drei Erwachsene erlitten beim Unglück in Hoppstätten schwere Verletzungen.

Darunter ist der Schiedsrichter des Spiels, der nach Polizeiangaben direkt vom Blitz getroffen wurde. Zeugen begannen sofort mit Wiederbelebungsmassnahmen. 30 Kinder im Alter von neun bis elf Jahren und zwei weitere Erwachsene hatten auffällige Herzfunktionen und wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Sie gelten als leicht verletzt.

Verletzte bei Geburtstagsparty

Bei einem Gewitter in einem Park in Paris wurden elf Menschen verletzt, darunter acht Kinder. Die Gruppe einen Geburtstag gefeiert, als ein Blitz einschlug, sagte ein Sprecher der Pariser Feuerwehr örtlichen Medien. Die verletzten Kinder seien zwischen 7 und 14 Jahren alt. Sechs Menschen erlitten schwere Verletzungen, fünf leichte. Alle wurden in ein Spital gebracht. Ein Kind schwebt nach wie vor in Lebensgefahr.

Die Gruppe feierte im Parc Monceau im wohlhabenden Nordwesten der französischen Hauptstadt, als es zu regnen begann. Daraufhin hätten die Opfer Schutz unter einem Baum gesucht, sagte eine Abgeordnete des Stadtrats.

Verspätete Flüge

Auch auf Deutschlands grösstem Flughafen in Frankfurt bekamen Reisende das Unwetter zu spüren, wie ein Sprecher am Samstag sagte. Es kam zu 20 Flugausfällen sowie zu Verspätungen und Umleitungen.

Vielerorts waren Strassen gesperrt, Keller voller Wasser oder Weinberge entlaubt. In einigen Strassen hatten Hagelkörner eine 30 Zentimeter dicke Schicht gebildet. In Bayern fielen bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter und Stunde. Polizei und Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

(pat/qll/sda)