Abschreckend

21. Mai 2016 22:36; Akt: 21.05.2016 22:36 Print

Häuser, in denen Morde geschahen, bleiben oft leer

Das Haus, in dem der Vierfachmord von Rupperswil passierte, steht bald zum Verkauf. Gebäude, in denen Menschen gewaltsam starben, bleiben aber oft unbewohnt.

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Kerzen an der Lenzhardstrasse in Rupperswil AG. Hier hat der 33-jährige Thomas N. vier Personen auf brutale Art das Leben genommen. Das Haus soll nun verkauft werden In diesem Haus nicht weit vom Tatort entfernt lebte Thomas N. mit seiner Mutter. Vermutlich wird sie nicht mehr dort wohnen können und auch dieses Haus muss verkauft werden. In diesem Haus in Würenlingen AG starben vor einem Jahr drei Menschen. Simon B. erschoss seinen Schwiegervater, seine Schwiegermutter und seinen Schwager. Mittlerweile wohnt offenbar wieder jemand dort. Ein Blick in die Sackgasse, wo der Täter beim Verlassen des Tatorts noch einen Nachbar erschoss und sich dann selbst richtete. Während in Würenlingen mit neuen Bewohnern auch das Vergessen Einzug hält, ist das Haus dieses Mannes auch acht Jahre nach dem Aufdecken seiner Tat immer noch nicht verkauft. Der hier 74-jährige Josef Fritzl wurde 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte seine Tochter 24 Jahre in einem selbst gegrabenen Verlies gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Ein Blick von oben auf das Betonhaus von Fritzl, wo er von Nachbarn, Frau und Kindern unbemerkt jahrelang ein Verbrechen beging. Die Villa Joseph Goebbels bei Berlin zerfällt stetig. Doch die Stadt will sie nicht verkaufen, weil sie befürchtet, sie würde zur Pilgerstätte von Rechtsextremen. Andere Mörderhäuser werden tatsächlich zu Pilgerstätten, wie diese Hütte in Villisca, Iowa. 1912 wurde hier eine achtköpfige Familie im Schlaf überrascht und mit einer Axt erschlagen. Der Mörder wurde nie gefunden. Nun kann man in diesem Horror-Haus übernachten - für 375 $ die Nacht.

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Das Haus im Spitzbirrli-Quartier in Rupperswil, in dem der Vierfachmord geschah, soll verkauft werden. Die Angehörigen der Opfer haben das Erbe ausgeschlagen. Sie wollen nichts mehr mit der Liegenschaft zu tun haben, mit der sie so viel Schmerz und Leid verbinden. Das Konkursamt des Kantons Aargau hat deshalb ein Verfahren eröffnet – nichts Ungewöhnliches für das Konkursamt.

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«Heute sind fast 50 Prozent der Konkurse ausgeschlagene Erbschaften», sagt Konkursverwalter Daniel Bosshard. So umgehen Sohn oder Tochter, für die Schulden des Verstorbenen aufkommen zu müssen. Der Vorteil: «Resultiert bei Verfahrensabschluss ein Überschuss, erhalten diesen die Erben zurückerstattet.»

Opferhaus in Würenlingen ist wieder bewohnt

Dies dürfte auch bei den Angehörigen der verstorbenen Familie Schauer der Fall sein. Nur: Wer kauft ein Haus mit einer so schrecklichen Geschichte?

Das Haus am Langackerweg in Würenlingen AG, wo Simon B. vor rund einem Jahr seine Schwiegereltern und seinen Schwager erschoss, wird offenbar wieder genutzt. Schon wenige Wochen nach dem Tötungsdelikt beseitigten Tatortreiniger die Spuren der Bluttat. Nun findet man unter der Adresse den Namen einer Firma.

Goebbels Villa zerfällt langsam

Wer ein Haus kauft, in dem ein Mord geschah, muss sich immer wieder Geschichten anhören und eine dicke Haut haben. Im «St. Galler Tagblatt» etwa erzählte der Käufer eines «Mordhauses» in Leutswil SG, dass er einfach ein schönes Haus mit einer traurigen Geschichte habe. Wenn ihm die Leute erzählen wollten, wie der Mann seine Frau brutal mit einem Baseball-Schläger getötet habe, höre er aber nicht so genau hin. «Ich hätte vieles rausfinden können, aber ich wollte nicht», sagte er. Der ganze Vorfall sei weit weg für ihn. «Ich könnte hier nicht leben, hätte ich die Menschen gekannt», fügte er noch an.

Andere Tatort-Häuser aber warten jahrelang auf einen Käufer. Oft auch, weil die Familie des Opfers oder Täters nicht verkaufen will. Zum Teil wird auch befürchtet, dass das Gebäude mit der schrecklichen Geschichte an den Falschen gerät. So etwa die Villa von NS-Propaganda-Minister Joseph Goebbels bei Berlin. Obwohl das 1939 erbaute Gebäude mit den 70 Räumen immer mehr zerfällt, will es Berlin nicht verkaufen. Die Stadt befürchtet, Rechtsextreme könnten daraus eine Pilgerstätte machen.

Mörderhäuser als Ausflugsziel

Das Haus von Josef Fritzl im österreichischen Amstetten, wo der lebenslang Verurteilte 24 Jahre lang seine eingesperrte Tochter missbrauchte und vergewaltigte, ist bis jetzt noch nicht verkauft worden. Den Keller, in dem Fritzl die Tochter und seine Inzest-Kinder gefangen hielt, hat man aber mit Spezialbeton ausgefüllt.

In den USA gibt es mehrere Mordhäuser, aus deren Geschichte die Besitzer nun Profit schlagen. Neugierige zahlen Eintritt, um die Tatorte zu besichtigen. In manchen kann man gar für teures Geld übernachten.

(ann)