Reform des Finanzsystems

09. November 2016 13:28; Akt: 09.11.2016 13:54 Print

«Krisensicheres» Vollgeld wäre zu riskant

Das Finanzsystem würde mit der Annahme der Vollgeld-Initiative nicht sicherer, sagt der Bundesrat. Im Gegenteil.

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Der Bundesrat lehnt die Vollgeld-Initiative ab. Bei einer Annahme würde die Schweiz zum Experimentierfall für unerprobte Reformen, warnt er. Er sieht erhebliche Risiken für die Schweizer Wirtschaft.

Im heutigen System schaffen Banken dauernd neues, fiktives Geld – sogenanntes Buchgeld – indem sie Kredite vergeben. Gemäss den Initianten stehen hinter dem Guthaben auf einem Bankkonto also kaum echte Franken, sondern bloss ein Versprechen der Bank auf echte Franken. Zudem bereitet fiktives Buchgeld in ihren Augen den Boden für Finanzblasen.

Die Initianten stören sich auch daran, dass die Schaffung von Geld heute typischerweise mit der Begründung neuer Schulden verbunden ist. Das soll die Initiative «Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank! (Vollgeld-Initiative)» ändern.

Trügerischer Schutz

Zum einen soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Monopol zur Ausgabe von Buchgeld erhalten. Die Initiative sieht die Schaffung von Zahlungsverkehrskonten bei den Geschäftsbanken vor, die vollständig durch Notenbankgeld finanziert sind. Daher kommt der Begriff Vollgeld. Diese Konten wären gegen Ausfallrisiken und Bankruns vollständig geschützt.

Um bei der Schaffung von Geld neue Schulden zu vermeiden, würde die Nationalbank Geld ohne Gegenleistung dem Bund, den Kantonen oder den Bürgerinnen und Bürgern übertragen.

Der Bundesrat glaubt nicht, dass das Finanzsystem dadurch sicherer würde. Finanzsektor und Volkswirtschaft dürften durch eine Annahme der Initiative insgesamt geschwächt werden, schreibt er in der am Mittwoch veröffentlichten Botschaft.

Warnung vor Turbulenzen

Das Gewinnpotenzial der Banken würde abnehmen, der Druck auf die Margen nähme zu. Der Bundesrat weist auch darauf hin, dass sich die Initiative nur auf Sichteinlagen bezieht. Andere Anlageformen wie Sparkonten mit einer Bezugsfrist oder Termineinlagen seien weiterhin Risiken ausgesetzt. Bankenkrisen wären nach wie vor möglich, schreibt er.

Die Regierung warnt auch vor den Risiken, wenn die Schweiz im Alleingang eine weitgehend unerprobte Umgestaltung des Geld- und Währungssystems wagen würde. Es sei mit Verwerfungen im Finanzsektor und negativen volkswirtschaftlichen Auswirkungen zu rechnen.

Die Stabilität des Banken- und Finanzsystem wird laut der Regierung heute auf anderem Weg erreicht: Einlagen auf Bankkonten seien bis zu einem Betrag von 100'000 Franken geschützt. Banken würden durch die Finanzmarktaufsicht Finma beaufsichtigt, für systemrelevante Banken gälten besondere Bestimmungen. Der Bundesrat empfiehlt daher, die Vollgeld-Initiative abzulehnen. Einen Gegenvorschlag will er dazu nicht ausarbeiten.

(rub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klammheimlich am 09.11.2016 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die glaubwürdigen Politiker

    Was für eine Überraschung! Der Bundesrat lehnt die Vollgeld Initiative ab!! Natürlich tut er das, es würde bedeuten das faktisch das Buchgeld abgeschafft wird. Die Spareinlagen der Bürger würden sicherer. Der Staat könnte weniger Kredite aufnehmen und würde weniger abhängig von den Banken. Das Leben auf Pump würde schwieriger. Der Staat müsste Haushalten. Die Banken müssten ihre Sicherheiten massiv erhöhen. Es bedeutet aber auch, dass all jene die ihr Geld sicherer anlegen möchten das genau bei Schweizer Banken deponieren würden. Dies würde natürlich den Franken aufwerten, was ja bek.....

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  • Vollgeldianer am 09.11.2016 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Bankengeld ist Bschiss!

    Weder der Bundesrat, noch Economiesuisse oder die SNB vermögen zu erklären, wie sicheres Vollgeld ein unsicheres Finanzsystem zur Folge haben sollte. Das ist einfach nur Angstmacherei, nichts weiteres! Dabei ist es ganz einfach: Nur die Nationalbank soll unseren Schweizer Franken herstellen. Die Geldschöpfung der privaten Banken ist Betrug! Wir können ja schliesslich auch nicht selbst Geld machen, und ihn dann Schweizer Franken nennen, oder?

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  • Klammheimlich am 09.11.2016 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    2 Teil

    ....bekanntlich um JEDEN Preis vermieden werden muss. Es wäre vermutlich fatal für die meisten (Spitzen)Politiker und natürlich auch für die Parteien, wenn sie ihre Geldgeber einschränken müssten. Auch die Nationalbank wird kaum daran interessiert sein, dass Sie für jeden Franken der im Umlauf ist mit Noten und Münzen bürgen müsste!

Die neusten Leser-Kommentare

  • MadMax am 11.11.2016 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unbegrenztes Wachstum?

    Durch das Schuldgeldsystem und die stets steigende Zinslast ist die Wirtschaft gezwungen stets weiter zu wachsen, bis sie zusammenbricht. Kontinuierliches Wachstum ist deshalb auch nicht die Lösung des Problems, sondern stellt das Problem selbst dar... Unbegrenztes Wachstum gibt es jedoch in der Natur nicht und jedes System, welches unbegrenz wachsen würde, ist dem Tod geweiht. So auch ein Wirtschafts-, rsp. Finanzsystem. Mit dem Vollgeldsystem reicht es absolut aus, soviel zu machen wie letztes Jahr! Es muss also weniger geboxt werden und wir müssen uns nichts gegenseitig wegnehmen.

  • Vollgeldbefürworter am 10.11.2016 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Widerspruch

    Der Bundesrat weist auch darauf hin, dass sich die Initiative nur auf Sichteinlagen bezieht. Andere Anlageformen wie Sparkonten mit einer Bezugsfrist oder Termineinlagen seien weiterhin Risiken ausgesetzt. Das bedeutet doch, dass der Bundesrat zugibt, dass die Initiative die Risiken erheblich verringert, oder nicht?

  • simon08/15 am 10.11.2016 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    verweigerung und behauptungen

    der bundesrat tut was er will. es ist ihm egal, was das volk will. die argumentation heute ist unfug, wie es schon immer war. es wird angst gemacht, ohne auch nur den hauch eines beleges. lieber bundesrat, wenn ihr so weitermacht, wirds ziemlich heftig. ihr seht ja, trump wurd präsident. und meine lieben, eure stühle sind sehr wackelig. ich würde genau jetzt aufpassen. wenn ihr weiterhin den volkeswillen als egal betrachtet, wird sich das rächen. arbeitsverweigerung bestrafe ich mit lohnsperre. falls ihr weiterhin arbeitsverweigerung betreibt, wird euch die gesamte lebenslange rente gestrichen

  • Alex Schneider am 10.11.2016 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Geldschöpfung gemäss realem Wachstum

    An der Vollgeldinitiative wird kritisiert, dass nicht klar sei, wie die Zentralbank sinnvoll entscheiden könne, um wie viel die Geldmenge in einer bestimmten Periode zunehmen soll. In der Geldmengentheorie war lange klar, dass inflationsfreies Wachstum langfristig nur mit einer Geldmengenerweiterung gemäss dem realen Wachstum einer Volkswirtschaft möglich ist. Mit einer Vollgeldreform erlangt die Nationalbank wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge und kann damit Blasenbildungen, Inflation und überbordendes Wachstum direkt verhindern.

    • Käser am 10.11.2016 13:16 Report Diesen Beitrag melden

      Interessante Frage!

      Hr.Schneider, soweit richtig, doch durch die Geldschwemme von FED und EZB ist die freie Marktwirtschaft vom Kapitalismus überwunden worden oder ermordet worden. Das bringt die SNB in die Situation mehr Geld zu drucken als das reale Wachstum ist zum Schwächen des Fr. mit Investitionen und Dollar und Euro-Werte. Die Frage ist was passiert, wenn die SNB das nicht macht und der FR. härter und härter wird. Würden wir dann weniger arbeiten müssen, weil alles spot billig importiert werden kann? Dann bräuchten wir auch weniger Arbeitsplätze und weniger Zuwanderung.

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  • butzimaa am 10.11.2016 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen die Bankendiktatur

    Es ist genau umgekehrt: Das heutige System ist marode und wird bald zu einem grossen Chlapf führen mit Rieseninflation, Arbeitslosigkeit, zusammenbrechenden Finanzmärkten und Kriegen. Die Schweiz hat die Möglichkeit mit dem Vollgeld den Staaten der Welt zu zeigen, dass die Währung so sicherer wird und damit auch die Bankendiktatur zu brechen.