Stopp der Kiffer-Studie

14. November 2017 18:36; Akt: 14.11.2017 18:44 Print

«Das gibt der Cannabis-Initiative Rückenwind»

Der Bund stoppt die Berner Cannabis-Studie, in deren Rahmen Gras legal verkauft werden sollte. Die Städte sind enttäuscht.

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Der Schweizerische Nationalfonds hatte bereits 720'000 Franken in Aussicht gestellt: Die Uni Bern suchte für eine Studie 1000 Kiffer. Sie hätten in Apotheken Gras legal beziehen können. Mit dem Pilotversuch wollten die Städte Auswirkungen einer Cannabis-Legalisierung auf den Konsum, die Gesundheit und den Schwarzmarkt untersuchen. Luzern, Zürich und Biel wollten sich dem Projekt anschliessen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt den Städten nun aber einen Korb: Es hat die Studie nicht bewilligt, weil das Betäubungsmittelgesetz einzig den Konsum zu medizinischen Zwecken zulässt. Ein Konsum zu Genusszwecken sei auch im Rahmen einer Studie illegal.

Projekte der Städte blockiert

Die Enttäuschung bei den Städten ist riesig: In einer gemeinsamen Mitteilung schreiben die Städte Zürich, Bern, Luzern, Basel und Biel, das BAG stehe einer «innovativen Weiterentwicklung der schweizerischen Drogenpolitik im Weg». Mit dem Nein zur Berner Cannabis-Studie seien auch die Forschungsvorhaben in den anderen Städten und Kantonen blockiert oder zumindest ungewiss.

Die Zürcher Stadträtin Claudia Nielsen wählt deutliche Worte: «Es ist sehr enttäuschend, dass nicht einmal eine Studie möglich ist. Die Städte haben oft diskutiert, ob es nicht gleich einen grösseren Schritt braucht.» Fakt sei, dass sich in der Stadt eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Legalisierung ausgesprochen habe. Nun sei der Gesetzgeber gefordert, um bei der Regulierung von Cannabis vorwärtszumachen.

Von einem «Schock» spricht Sandro Cattacin, Soziologieprofessor und Genfer Vertreter in der interurbanen Arbeitsgruppe Cannabis: «Damit hätte ich nicht gerechnet. Dass das BAG acht Monate gebraucht hat, um mit Nein zu antworten, ist peinlich. Ich habe gehofft, dass die Juristen den Gesetzestext weniger kleingeistig auslegen.» Indem man die Abgabe von Cannabis wissenschaftlich begleiten wolle, habe man einen Mittelweg zur sofortigen Legalisierung vorgeschlagen. Mit einer Studie könnte man die Folgen des legalen Verkaufs der Droge erforschen. Das Veto des Bundes werde der geplanten Volksinitiative für eine Cannabis-Legalisierung gehörig Rückenwind geben. Die Initianten sammeln derzeit Geld für die Unterschriftensammlung.

«Kein Kiffen durch die Hintertür!»

Das BAG würde eine Studie begrüssen und regt gleich selbst eine Gesetzesänderung an. So schlägt es vor, das Betäubungsmittelgesetz zu ändern. Den Ball nehmen die Jungen Grünliberalen auf: Nationalrätin Kathrin Bertschy will in der Wintersession einen Vorstoss für einen «Experimentierartikel» einreichen. Das heutige Gesetz sei überholt: «Es gibt keine Kontrolle über Qualität und Stärke des Cannabis, dem Staat entgehen Steuern in Millionenhöhe und kriminelle Organisationen verdienen sich eine goldene Nase», schreibt die Partei in einer Mitteilung.

SVP-Nationalrat Mauro Tuena freut sich dagegen über den Entscheid des Bundes. Er hatte beim Bundesrat gegen das legale Kiffen auf Kosten des Steuerzahlers interveniert. «Mit den Studien wollte man das Kiffen durch die Hintertür legalisieren. Ich bin froh, dass das BAG den Möchtegern-Experimenten einen Riegel geschoben hat.» Die Rechtslage sei eindeutig, auch habe das Volk eine Legalisierung mehrmals verworfen – zuletzt im Jahr 2008. Man könne eine neue Volksinitiative lancieren. Mehrfach seien Volksbegehren aber nicht zustande gekommen, weil die Initianten zu bekifft gewesen seien. Er lehne eine Legalisierung jedenfalls ab: «Ich sehe bisweilen Berufsschüler, die schon um 8 Uhr morgens kiffen. Ich will nicht, dass das zum Normalfall wird.»

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daisy Duck am 14.11.2017 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legal

    Ich habe noch nie gekifft und werde es auch nicht, aber jeder Tropfen Alkohol ist schlimmer als Gras! Ich werde der Legalisierung sofort zustimmen und das als SVP- Wähler

    einklappen einklappen
  • Ghostrider07 am 14.11.2017 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren!

    Aber alcohol an der Autobahn verkaufen ist wichtig!

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  • Saimn Zockt am 14.11.2017 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UMDENKEN

    Habe selbt zwar mit Kiffen aufgehört finde die Legalisierung trotzdem die beste Lösung. Ein sehr wichtiger Punkt wäre, für mehr Prävention bei den Jugendlichen zu sorgen, da diese sie eher vom Kiffen abhalten oder Vorsicht beibrigen, anstadt so ein lächerliches Verbot, dass nur das Gegenteil bewirkt. Ich wäre sehr froh um Aufklärung im Thema Drogen gewesen, hatte mir wahrscheinlich eniges ersparrt.. Aber bis das endlich mal ein Umdenken stat findet, dauert es noch viel zu lange, vor allem nach diesem Rückschritt..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Browns am 15.11.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Legalisation

    Nun ist klar, dass das BAG schuld ist für den Rückstand der Schweiz! Unterschreibt die Petition Leute! Es ist wichtig damit diese Spinner endlich einsehen, dass ein verbot überhaupt nichts bringt! Als ob die das alleine entscheiden könnten... pha!! Da passt nun einmal der Spruch wirklich... wir sind das Volk ! Und nicht das BAG! Ich lasse mich auf jedenfall nicht von denen bevormunden! Und das solltet ihr auch nicht! FÜR DIE FREIHEIT!

  • bire weich am 15.11.2017 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisierung ändert nichts zum Guten

    Cannabis hat eine verheerende Wirkung auf junge Leute zwischen 12 und 18 Jahren. Das wissen auch alle heute erwachsenen Kiffer, die mit dem Kraut gut umgehen können. Eine Legalisierung kommt realistischerweise ohne Altersbegrenzung (Freigabe ab 18 Jahren) nicht aus. Für die Jugend gibt es einen zusätzlichen Anreiz, das dann legale Zeug zu konsumieren. Die Repression muss noch mehr aufdrehen als heute. Noch etwas: seid ehrlich, was das Thema Alkohol betrifft. Die meisten von euch (90%) konsumieren beides.

  • Rodney McKay am 15.11.2017 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Konsum-Drohnen

    Wenn all die Stoners den Daumen ein bisschen rausnähmen, würden sie sich selbst versorgen. Aber wer lieber stoned ist und nichts reissen will, der geht heute zum Dealer und in Zukunft in die Apotheke. Konsum konsum konsum

  • Robin Roth am 15.11.2017 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst das Gras wachsen

    Kifferleichen habe ich bis dato noch nie gesehen. Alkileichen aber massig. Das einzige Problem ist die Fahrtüchtigkeit. Wer gekifft oder gesoffen hat, soll die Hände vom Steuer lassen. Sonst bin ich absolut dafür, kiffen soll jeder dürfen, der Bock drauf hat. Und nach kurzer Zeit redet sowieso keiner mehr drüber, wenns legal wird. Der Staat muss ja nicht immer an allem mitverdienen.

  • King420 am 15.11.2017 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit den Hobbygärtner?

    wen der Konsum legalisiert werden sollte. stellt sich mir nur die Frage wie es dan mit dem anbau zu eigenbedarf aussieht. Darf man dan legal so viel anbauen wie ich will, wird. Werden steuern erhoben oder darf man nur staatlich reguliertes Grass kaufen?