Phishing

10. Mai 2015 09:01; Akt: 10.05.2015 12:00 Print

«Cybercrime hat eine völlig neue Dimension»

Die Fälle von Kreditkartenbetrugs über das Internet nehmen laufend zu. Jetzt hat die Bundesanwaltschaft in zwei Pilotfällen ermittelt.

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Der Aufwand für die strafrechtliche Aufarbeitung von Phishing-Vergehen sei «unverhältnismässig gross», sagt Bundesanwalt Michael Lauber: (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Wegen Diebstahls von Kreditkartendaten im Internet sind in den letzten Jahren 240 Strafanzeigen bei der Bundesanwaltschaft (BA) eingegangen. Die sogenannten Phishing-Anzeigen werden wöchentlich mehr. Die BA setzt auf Prävention und Abschreckung.

«Ich habe entschieden, dass wir in zwei Pilotfällen umfangreiche Ermittlungen einleiten», sagte Bundesanwalt Michael Lauber in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». «In den übrigen Fällen leiten wir erste Schritte ein und verwalten sie sauber.» Der Aufwand für die strafrechtliche Aufarbeitung von Phishing-Vergehen sei «unverhältnismässig gross».

Ressourcen begrenzt

«Cybercrime hat eine völlig neue Dimension», sagte Lauber. Täter würden sich nicht an Landesgrenzen halten, die Strafverfolgung dagegen sei nach dem Territorialitätsprinzip organisiert. Zudem würden die Kriminellen sehr schnell und unter wechselnden Identitäten arbeiten.

In einem der beiden konkreten Fälle seien 2014 zwei Hauptverdächtige in Thailand verhaftet worden. Sie sitzen nun in der Schweiz in U-Haft. Ihnen und drei Mitbeschuldigten wird Phishing zu 30'000 Kreditkarten vorgeworfen, wovon 1200 Schweizer Kunden betroffen sind. «Allein hier beläuft sich der Schaden auf 2,7 Millionen Franken.»

Dass lediglich in zwei Fällen ermittelt wird, begründet Lauber mit den begrenzten Ressourcen der BA. Es sei daher «nicht ausgeschlossen», dass dutzende Phishing-Täter unbehelligt blieben.

Anzeigen gegen ausländische Hacker

Lauber führt weiter ins Feld, dass es in keinem Gesetz stehe, wer in der Schweiz für die Verfolgung der Internetkriminalität zuständig sei. Laut einem Entscheid des Bundesstrafgerichts aus dem Jahr 2013 muss die BA bei Phishing-Fällen ermitteln.

Er habe sich am letzten Montag mit den zuständigen kantonalen Behörden auf eine vorläufige Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen geeinigt. Diese präzisiere die Umsetzung der besagten Gerichtsentscheide. So bearbeite die BA künftig drei Phänomene von Cybercrime, in erster Linie Phishing. Im verlaufe des Jahres werde er nun vier Stellen für Phishing-Spezialisten ausschreiben, die ihm vom Parlament bewilligt worden waren.

Angesprochen auf das Problem der Cyberspionage in der Schweiz sagte Lauber, es lägen der BA Anzeigen vor wegen verbotener politischer oder militärischer Spionage durch Hackerangriffe anderer Geheimdienste. «Und wenn es Anzeigen und konkrete Hinweise gibt, nimmt die Bundesanwaltschaft Ermittlungen auf.» Näheres sagte er nicht dazu.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DB aus Winti am 10.05.2015 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig neu?

    Diese "Völlig Neue Dimension" ist etwa so neu wie das Internet.

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  • Hans E. am 10.05.2015 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Neue Dimension? Da ist der Bund ja wirklich früh aufgewacht. Schon diese Aussage "Täter würden sich nicht an Landesgrenzen halten" lässt mich nur den Kopf schütteln. Kriminelle halten sich nicht an die Ladesgrenzen? LOL. Es wäre auch mal an der Zeit das was gegen Rufschädigung, Mobbing, das Hochladen von Bilder/Videos fremder Personen und dem Anderen was getan wird. Meistens sind diese Täter innerhalb der Landesgrenzen...

  • sMami am 10.05.2015 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UBS 3D Secure

    Habe gerade heute eine Pishing Email erhalten. Ich müsste meinen 3 D Secure Code neu eingeben. Die Seite auf die ich geleitet wurde sah aus, wie echt. Sehr professionell!!! Aber da ich KEIN UBS Kunde bin, ist es eindeutig eine Pishing Email. Aber es wundert mich also nicht, dass man da drauf rein fällt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland am 11.05.2015 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein kleiner Tip

    Zu Ihrer Information. Man kann Hacker im Ausland nicht einfach finden oder anklagen. Es ist doch keine Person dahinter, dass sind Netzwerke. Noch ein Tip für unsere Cyberpolizisten. Nicht suchen, finden lassen.

  • Tim Schmidt am 11.05.2015 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung wäre der erste Schritt zur Besserung

    Aufklärung wäre der erste Schritt zur Besserung,denn es kann nicht sein,dass die Menschen noch immer nicht wissen dass solche Schreiben IMMER per Post kommen und nicht per E-Mail.Diesen Problemen sollte sich die Politik widmen. Es kann doch nicht sein,dass in einer Gesellschaft in der das Internet einen immer höheren Stellenwert einnimmt der Informatik Unterricht in der Schule von 2 auf 1 Stunde pro Woche reduziert wird.

  • Martin Lüssi am 11.05.2015 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kapitullation

    kommt mir irgendwie vor wie eine Kapitullation vor der organisierten Kriminalität....nun ich erhalte zwar auch laufen dubiose E-Mails....die ich alle aber grundsätzlich ungelesen lösche....da hilft es wirklich nur wenn man laufend auf der Hut ist...

  • Roland Freyenmuth am 11.05.2015 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Verschlafen

    Für die Bundesanwaltschaft ist das neu.....? Kaum zu glauben, so verstaubt kann diese doch sein, dass sie alles verschlafen haben.....!

  • Online Shopper am 10.05.2015 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PayPal

    Benutze sehr oft die Kreditkarte Online mit PayPal. Hatte noch nie Probleme.