Beruf vor Politik

03. Juni 2014 12:45; Akt: 03.06.2014 12:45 Print

Noch nie traten so viele Politiker vorzeitig zurück

Christoph Blochers vorzeitiger Rücktritt als Nationalrat hat für Aufruhr gesorgt. Er ist nicht der Einzige: In dieser Legislaturperiode traten bereits 24 Parlamentarier zurück.

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Seit 1999 nehmen die vorzeitigen Rücktritte aus den eidgenössischen Räten stetig zu. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Rücktrittsmeldungen eidgenössischer Parlamentarier häufen sich: Seit dem Beginn der laufenden Legislaturperiode im Dezember 2011 sind bereits 24 National- und Ständeräte von ihrem Amt vorzeitig zurückgetreten, wie die «Neue Zürcher Zeitung» errechnet hat. Darunter befinden sich neben SVP-Doyen Christoph Blocher der Zürcher Nationalrat Filippo Leutenegger (FDP) oder der SVP-Ständerat This Jenny. In den Achtziger- und Neunzigerjahren gab es im Schnitt nur zehn vorzeitige Rücktritte während der Legislaturperiode. Seit 1999 nimmt deren Zahl kontinuierlich zu.

Zur Erklärung der Zunahme führt die Zeitung drei Faktoren an: Rücktritte aus parteitaktischen Überlegungen würden zwar selten offen kommuniziert, spielten aber zunehmend auch bei Grossparteien eine Rolle. Nachrückende Parlamentarier sollen demnach nach einer Auswechslung während der Legislatur bei den nächsten Wahlen vom Bisherigen-Bonus profitieren können. Daneben spiele auch die Berufsplanung eine Rolle. SVP-Nationalrat Peter Spuhler beispielsweise trat von seinem Amt zurück, um sich auf die Führung der Stadler Rail konzentrieren zu können.

Politiker werden jünger gewählt

Auch politische Karrieregründe führten zunehmend zu einer vorzeitigen Beendigung der parlamentarischen Tätigkeit: Rund 40 Prozent der Politiker wechselten auf einen Exekutiv-Posten in Bundesrat, Regierungsrat oder städtischer Regierung. Das liege an der demografischen Entwicklung der Parlamentarier, die bei ihrer ersten Wahl zunehmend jünger als 40 Jahre seien. Nach drei oder vier Legislaturperioden stelle sich die Frage nach der beruflichen Zukunft. Viele fänden nicht mehr in ihren ursprünglichen Beruf zurück, sagt Daniel Vischer von den Grünen gegenüber der NZZ. Da böte sich die Fortsetzung der politischen Karriere in einer Kantons- oder Stadtregierung an.

(hvw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • IvoZH am 03.06.2014 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wann tritt Andreas Gross endlich ab?

    Hoffe, dass Sesselkleber Andreas Gross (SP/ZH - seit 1991 im Parlament) bald jüngeren Kräften Platz machen wird!

  • Bruderer am 03.06.2014 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    gutes Zeichen

    Wenn die Leute ihre privaten Aktivitäten mehr gewichten als die Politik, dann ist das ein gutes Zeichen. Das zeigt dass Leute nicht von der Politik abhängig sind und ein Leben lang am Sessel kleben müssen. Schade sieht man bei der SP keine solchen Rücktritte, wohl weil sie nichts anderes im Leben erreicht haben ausser die Politik in Bern - Genosse Berufspolitiker und Funktionäre.

    einklappen einklappen
  • sweet-sour am 03.06.2014 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Melkerinnen raus

    Es gäbe noch ein paar andere, die den Hut (respektive das Handtäschchen) nehmen könnten!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • g. bernasconi am 03.06.2014 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    ....und wann treten die BR zurueck?

    Leider habe ich von keinen Vorzeitigen oder sonstigen Ruecktritt von einen, zwei oder meinetwegen allen BR gehoert!

  • böser peter am 03.06.2014 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    wieso soll ichs...

    ausbaden, wenns denn ein anderer machen kann...

  • ristretto am 03.06.2014 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Studies

    mir wärs lieber die Studenten im Rat würden zurücktreten. Aber die leben fürstlich vom Honorar..

  • politikmüde am 03.06.2014 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut.

    Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Politiker lösen keine Probleme sondern kreieren und bewirtschaften sie. Die meisten politischen Zwangsmassnahmen führen zu einem Ungleichgewicht und somit zu weiteren Interventionen. Ein Teufelskreis. Wir brauchen dringend weniger davon!

  • R wetter am 03.06.2014 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Sesselkleber

    Es hat auch einen Haufen Sesselkleber wie Blocher die seit den 90er im Parlament sitzen. Besonders stark ist da die Zürcher SVP: Bortoluzzi, Binder, Stahl, Schibli, Mörgeli (Blocher und Kaufmann sind ja endlich gegangen und Zuppiger hat sich selber entsorgt) Ersterer brauchte ja 27 Jahre um rauszufinden, dass das Parlament für ihn Zeitverschwendung sein