Handy und Spotify

02. Februar 2014 15:00; Akt: 05.06.2014 17:06 Print

Internet verdrängt bei Jungen das Radio

1,6 Millionen Franken soll Roger Schawinski für das Zürcher Jugendradio 105 hingeblättert haben – doch gerade bei den Jugendlichen verliert das Radio offenbar an Bedeutung.

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Radio-Pionier Roger Schawinski und die Crew des Jugendsenders Radio 105. (Bild: Esther Michel / SonntagsZeitung)

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Radio-Pionier Roger Schawinski musste tief in die Tasche greifen, um sich gegen seine Mitbieter durchzusetzen: Knapp 1,6 Millionen Franken soll der 68-Jährige für den Jugendsender bezahlt haben. Doch lohnt sich eine solche Investition? Anstatt das Radio einzuschalten, holen sich viele Jugendliche ihre Songs heute über Internetplattformen wie Youtube oder Spotify.

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«Musik ist ihnen sehr wichtig, aber Radio hören die Jugendlichen nur noch nebenher», sagt Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie, in einem Bericht der «NZZ am Sonntag». «Heute füllen Handy und Internet fast die ganze mediale Freizeitgestaltung der Jungen aus.» Dies belegt auch eine Studie der ZHAW, an der Süss unterrichtet. So gaben 2012 gerade mal knapp die Hälfte aller befragten Jugendlichen an, mehrmals pro Woche Radio zu hören. Zwei Jahre vorher waren es noch deutlich über 60 Prozent.

Energy-Chef: «Faszination am Radio ist ungebrochen»

Dani Büchi, Geschäftsführer von Radio Energy, bestätigt im Artikel zwar, dass das Radio generell gegen Plattformen wie Spotify etc. zu kämpfen habe. Diese könnten es aber nicht ersetzen. Der Hörer wolle weiterhin über lokale Ereignisse informiert werden, über das Wetter, den Verkehr. Zudem gebe es kein Medium, das geeigneter sei als das Radio, wenn man am Duschen oder Autofahren sei.

Bei den Jungen sei die Faszination ebenfalls ungebrochen. «Jede Woche haben wir 10 bis 20 Anfragen von Schulklassen für Führungen durchs Studio.»

Schawinski: «Spotify und Youtube sind keine Konkurrenz»

Auch für Roger Schawinski ist es «völliger Unsinn», dass sich die Jugendlichen nicht mehr fürs Radio interessieren sollen. «Aber sie wollen kein Mischmasch, sondern einen Sender der glasklar auf ihr Bedürfnisse zugeschnitten ist wie 105.» Es stimme, dass Junge generell weniger traditionelle Medien nutzten. Doch: «Das Radio kommt ihnen entgegen, weil sie es via App auf dem Handy empfangen können.» Plattformen wie Spotify oder Youtube empfindet Schawinski nicht als Konkurrenz. «Die sind ok – aber im Gegensatz zum Radio weder aktuell noch persönlich.»

Um die Zukunft seines neu erworbenen Jugendsenders macht sich der Radio-Pionier keine Sorgen – zumal dieser bei weitem nicht nur von Teens und Twens verfolgt wird. Laut Radiocontrol beträgt das Durchschnittsalter des 105-Hörers 33 Jahre. Kein Widerspruch, findet Schawinski. «Damit hat 105 das klar jüngste Publikum aller Sender.» Auch gewisse über 30-Jährige wollten schliesslich wissen, welche Musik im Trend liege oder welche Clubs besonders angesagt seien.

(ram)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erik Brenntaler am 02.02.2014 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    immer der gleiche Mist

    allgemeine Gültigkeit für mich und viele meiner Freunde: Liebe Radiobetreiber, lasst euch nicht kaufen und spielt nicht stündlich die gleichen "Hits", welche mit grossem Budget an uns Dummies ins Hirn quasi eingehämmert werden, eben,.. stündlich.... was für eine Qual in meinem Büro . . .ich muss leider hinhören

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  • Werner Rüdisühli am 02.02.2014 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Hitparade und Geschwafel

    Mein Radiokonsum beschränkt sich aufs Auto - da höre ich DRS 2 und RaBe, weil weder Hitparade noch ununterbrochenes Geschwafel irgendwelcher möchtegern-origineller Moderatoren - Hauptsache Klassik, Jazz und Kultur. Und bei der Arbeit läuft mein ganz persönliches Wunschkonzert ab iPod. Wenn die Stationen wenigstens gute Songs 120x am Tag spielen würden, und nicht nur ewig die Bschütti von Rihanna, Bieber & Co...

  • René am 02.02.2014 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche hören

    Kein Wunder gibt es immer weniger Radiohörer, wenn den ganzen Tag immer wieder die gleichen Lieder wiederholt werden und das Tag für Tag. Darum läuft bei mir Zuhause nur Internetradio ohne Dauerwerbung und nicht jeden Tag 5 mal das gleiche.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sophia_H am 03.02.2014 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    radio?

    es lebe youtube.ein radio bietet keine abwechslung.immer nur der selbe mist.

  • Simon am 03.02.2014 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Schrott

    Bei 99% aller Radiosender läuft nur Schrott! immer die selben Kommerz Songs! SRF Virus und Radio 3fach sind etwa die einzigen die man ohne Nervenzusammenbruch hören kann.

    • Jean-Pierre Wüthrich am 04.02.2014 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      Eure Meinung - das stimmt nicht

      @Simon Das was sie schreiben, dass 99 % bei allen Radiosender läuft nur Schrott ist, das stimmt nicht. Ich höre meine Lieblingsmusik, besonder über DAB+-Autoradio (SRF Musikwelle, Radio Eviva) und da gibt's abwechslungsreiche Musik.

    • Jean-Pierre Wüthrich am 04.02.2014 17:04 Report Diesen Beitrag melden

      Eure Meinung - das stimmt nicht

      @Simon Das was sie schreiben, dass 99 % bei allen Radiosender läuft nur Schrott ist, das stimmt nicht. Ich höre meine Lieblingsmusik, besonder über DAB+-Autoradio (SRF Musikwelle, Radio Eviva) und da gibt's abwechslungsreiche Musik.

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  • Hörer Paul am 03.02.2014 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder bei diesen Tagesthemen

    Wenn ich mir alle 15 Minuten anhören muss, wie eine Reporterin zusammen mit einem B-Promi auf einer Wanderung Geheimnisse austauscht, welche sich als tägliche Rasurgewohnheiten heraustellen, schalte ich nun mal zum on/off schalter...

  • ich bin am 03.02.2014 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Fans wollen

    Baba Uslender lieder spielen

  • Stefan Grünig am 03.02.2014 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Vielfalt ist gefragt...!

    Genau darum braucht es zum Radiohören ein neues, innovatives System wie DAB+ wo die Sendervielfalt gross ist und für jeden Geschmack etwas dabei ist. UKW ist heute total zugestopft mit Privatradios, welche alle genau gleich tönen: langweiliger Charts-Mainstreamsound. Für unterwegs sind Internet und Apps noch keine Alternative, da unsere Handynetze wohl zusammenbrechen würden, wenn jeder so Radiohören möchte. Es ist daher unverständlich, das R. Schawinski Radio 105 auf DAB+ abgeschaltet hat und damit die ganze Deutschschweiz im Regen stehen lässt. Die Kommentare auf Facebook sagen alles aus...

    • Jean-Pierre Wüthrich am 03.02.2014 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      ja genau - Vielfalt ist gefragt.... !

      @Stefan Grünig Ich teile Eure Meinung ganze genau. Euren Text find ich wunderbar. So muss es sein. Ich kann also auch nicht begreifen, dass R. Schwawinski Radio 105 auf DAB+ abgeschaltet hat.

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