Bahn-Fernverkehr

27. Februar 2017 05:35; Akt: 27.02.2017 10:23 Print

Geheime Karte zeigt, wie rentabel SBB-Linien sind

Welche Bahnstrecken profitabel sind, stellt ein Dokument der SBB dar. Als dieses im Internet auftauchte, intervenierte die Bundesbahn.

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Wie rentabel sind die verschiedenen Fernverkehr-Verbindungen, die die SBB in der Schweiz betreibt? Antwort auf diese Frage gibt eine Karte, die bei einem Anlass für SBB-Mitarbeiter gezeigt wurde. Aus dem Dokument geht hervor: Am meisten Geld verdient die SBB mit den Direktverbindungen Zürich – Bern und Lausanne – Genf.

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Würden Sie es begrüssen, wenn die SBB im Fernverkehr Konkurrenz bekäme?
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Doch was die Karte zeigt, soll geheim bleiben. Als der Kaderverband des öffentlichen Verkehrs (KVÖV) das Dokument auf seiner Website veröffentlichte, intervenierte laut der «SonntagsZeitung» Jeannine Pilloud, Chefin Personenverkehr bei der SBB, beim KVÖV. Die Karte verschwand daraufhin aus dem Netz.

SBB-Sprecher Raffael Hirt teilt 20 Minuten dazu auf Anfrage mit: «Der KVÖV hat das Dokument irrtümlich publiziert und nach einem Hinweis der SBB wieder entfernt.» Es handle sich lediglich um ein internes Dokument, das einen aktuellen Planungsstand darstelle und deswegen nicht für die Öffentlichkeit gedacht sei.

Karte entkräftet Vorwürfe der SBB an Konkurrenz

Worin liegt für die SBB das Problem, wenn Informationen zur Rentabilität der einzelnen Strecken an die Öffentlichkeit gelangen? Gemäss «SonntagsZeitung» zeigen die Daten, dass der SBB-Fernverkehr auch dann nicht gefährdet würde, wenn ein Teil der Strecken künftig nicht von der SBB, sondern von der BLS Löschbergbahn betrieben würde.

Zu den entsprechenden Konzessionsgesuchen der BLS hiess es vonseiten der SBB, die BLS betreibe «Rosinenpickerei». Ein Argument, das die Geheimkarte entkräftet: Es zeigt, dass die Strecken von Interlaken via Bern und Olten nach Basel sowie via Olten, Aarau und Baden zum Flughafen Zürich nur mässig rentabel und auf Teilstrecken gar defizitär sind.

SBB soll Transparenz schaffen

BLS-Sprecher Hugo Wyler sagt zur «SonntagsZeitung», die Informationen, die unter Verschluss gehalten werden sollen, zeigten, «dass die SBB die Rosinen behält». Die BLS fordere «vollständige Transparenz über die Verkehrsdaten». Nur so seien die Spiesse für das Konzessionsgesuch gleich lang.

Kritik an der SBB äussert auch Natalie Rickli (SVP), die die Verkehrskommission des Nationalrats präsidiert: «Solche Verschleierungsaktionen schaden immer.» Die SBB gehöre der Allgemeinheit. «Sie soll jetzt auch im eigenen Interesse Transparenz schaffen.»

«Sicht auf Abschnitte erlaubt keine Rückschlüsse»

Dies fordert auch Kurt Schreiber, Präsident der Organisation Pro Bahn, die die Interessen der Bahnkunden vertritt: «Diese Daten gehören auf den Tisch. Es gibt keinen Grund, sie der Öffentlichkeit zu verheimlichen.»

Anders sieht man dies bei der SBB. Sprecher Hirt sagt, das Fernverkehrsangebot in der Schweiz basiere auf «einem Gesamtkonzept, das rentable und unrentable Linien austariert»: «Eine Sicht auf einzelne Abschnitte erlaubt keine Rückschlüsse zur Profitabilität des Gesamtnetzes. Deswegen machen wir die Rentabilität einzelner Linien nicht öffentlich.»


(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stupsi01 am 27.02.2017 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geheim

    Muss ja unheimlich geheim sein wenn sie hier auf 20min landet..

  • Verfasser am 27.02.2017 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die geheime Schweiz

    Es soll alles geheim bleiben was die Öffentlichkeit kritisiert. Das ist bei der Swisscom, Post, SBB und auch bei den öffentlichen Ausgaben des Bundes so. Wer etwas zu verheimlichen hat, schafft kein Vertrauen in der Bevölkerung.

  • Blueyonder am 27.02.2017 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unrentabel?

    Im FV ist das ganze Tessin unrentabel? Würde mich Wunder nehmen wie das berechnet wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Swagetti Chabonara am 27.02.2017 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welche Autobahnen?

    Wäre der Personentransport vollkommen liberalisiert, also auch die dazu notwendigen Investitionen, so gäbe es wohl auch einige Autobahnen nicht und in den meisten Dörfern hätten wir noch Schotterpisten.

  • 31er am 27.02.2017 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis 

    Zur Umfrage: Mir ist eigentlich ziemlich egal ob sich die Qualität steigert. Aber etwas sollte ganz sicher nicht mehr steigen und zwar dieser Preis. Und das würde der Fall sein wenn endlich mal Konkurrent mitmischt.

  • Redlef am 27.02.2017 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz dieser Bericht

    völlig falscher Ansatz. Frage. wo wohnen wir und wo sind di Arbeitsplätze. wollen wir eine Stadt mit 8 mio. Einwohner oder gehts auch um Lebensqualität und wir dafür gerne Billette zahlen. Thema Grundversorgung der Bevölkerung sollte dann auch noch diskutiert werden. Aber eben. es geht nur ums Geld!

  • Michel am 27.02.2017 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die SBB...

    soll doch die nicht rentablen Strecken nicht mehr Bedienen!! Mal sehen wer diese möchte und wie jeder zur Arbeit kommt ohne Auto !!

  • Melco am 27.02.2017 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Gewinn

    Nicht gerade viel grün. Privat wäre man schon lange Pleite.

    • loquito am 27.02.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Melco

      Die Sbb ist rentabel... das wenige Grün reicht. Private Firmen würden einfach nur die Grünen Strecken bedienen... DANKE SBB

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