Tierquälerei

27. November 2017 08:32; Akt: 27.11.2017 08:56 Print

Zwei von drei Schweizern wollen Pelz verbieten

von D. Krähenbühl - 62 Prozent der Schweizer sind für ein Pelzverkaufsverbot. Die Politik diskutiert am Mittwoch zumindest ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte.

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2016 wurden 452 Tonnen Pelz in die Schweiz importiert, so viel wie seit 24 Jahren nicht mehr – nicht enthalten in der Statistik sind Pelz-Accessoires. Dass weltweit jedes Jahr über 75 Millionen Tiere für die Pelzproduktion sterben müssen, scheint aber vielen Schweizern ein Dorn im Auge. Laut einer repräsentativen Online-Umfrage des Marktforschungsinstitut GFK Schweiz mit 1000 Teilnehmern befürworten 62 Prozent ein allgemeines Verkaufsverbot für Pelz in der Schweiz. Seit 2013 gilt in der Schweiz eine Deklarationspflicht für Pelze. Gemäss Gesetz muss also immer stehen, woher das Fell stammt und wie das Tier gejagt oder gezüchtet wurde. Eine Evaluation des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) stellte gravierende Mängel bei der Umsetzung der Deklaration fest. SP-Ständerätin Pascale Bruderer sieht darum dringenden Handlungsbedarf: «Die Deklarationspflicht ist untauglich und hat die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt.» Weil die Akzeptanz für Pelze in der Bevölkerung immer mehr sinke, sei sie nicht überrascht, dass eine Mehrheit ein allgemeines Verkaufsverbot befürwortet. FDP-Nationalrat Thierry Burkart überraschen die Umfrageergebnisse nicht. Ein Importverbot oder gar ein Verkaufsverbot für Pelzprodukte zu fordern, findet er aber übertrieben, selbst wenn er nie Pelz tragen würde: «Der Bürger soll selber entscheiden können, ob er Pelzprodukte tragen will.» «Ein Verkaufs- oder Importverbot würden wir ganz klar bekämpfen», sagt Thomas Aus der Au, Vizepräsident des Fachverbands Swissfur. Ein Verkaufsverbot sei reine Polemik und würde nur die gängigen Vorurteile bedienen.

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An der Kapuze, als Bommel an der Mütze oder als Kragen am Mantel: In der Schweiz ist das Tragen von Pelz kein exklusives Statussymbol mehr, sondern weit verbreitet. Entsprechend boomt der Pelzhandel. 2016 wurden 452 Tonnen Pelz in die Schweiz importiert, so viel wie seit 24 Jahren nicht mehr – nicht enthalten in der Statistik sind Pelz-Accessoires.

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Dass weltweit jedes Jahr schätzungsweise 75 Millionen Tiere für die Pelzproduktion sterben müssen, scheint aber vielen Schweizern ein Dorn im Auge: Laut einer repräsentativen Online-Umfrage des Marktforschungsinstitut GFK mit 1000 Teilnehmern befürworten 62 Prozent ein allgemeines Verkaufsverbot für Pelz in der Schweiz.

«Zucht nur unter tierquälerischen Bedingungen profitabel»

Die Umfrage wurde im Auftrag der Tierrechtsorganisation Peta durchgeführt. Laut Frank Schmidt, Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie bei Peta, ist die Zucht von Nerzen, Marderhunden und Füchsen nur unter tierquälerischen Bedingungen profitabel. Dennoch werde jedes Jahr tonnenweise Pelz von gequälten Tieren in die Schweiz importiert. Ein Verkaufsverbot für Pelze sei deshalb schon lange überfällig, so Schmidt: «Diesem eklatanten Widerspruch beim Tierschutz muss der Gesetzgeber endlich einen Riegel schieben.»

Seit 2013 gilt in der Schweiz eine Deklarationspflicht für Pelze. Gemäss Gesetz muss also immer stehen, woher das Fell stammt und wie das Tier gejagt oder gezüchtet wurde. Eine Evaluation des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) stellte gravierende Mängel bei der Umsetzung der Deklaration fest: Seit 2014 kontrollierte der Bund rund 170 Verkaufsstellen von Pelz und Pelzprodukten. Dabei kam es in über 75 Prozent der Fälle zu Beanstandungen, in den meisten Fällen wegen einer unvollständigen Deklaration.

Untaugliche Deklarationspflicht

SP-Ständerätin Pascale Bruderer sieht darum dringenden Handlungsbedarf: «Die Deklarationspflicht ist untauglich und hat die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt.» Weil die Akzeptanz für Pelze in der Bevölkerung immer mehr sinke, sei sie nicht überrascht, dass eine Mehrheit ein allgemeines Verkaufsverbot befürwortet. Sie könne ein solches unterstützen, würde aber ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte bevorzugen, erklärt Bruderer. Denn nicht das Naturprodukt Pelz sei das Problem, sondern dessen tierquälerische Herstellung.

Die Lage sei absurd: «Die Schweiz hat einen hohen Tierschutz-Standard und setzt die Latte bezüglich Tierhaltung und Produktion im Inland aus guten Gründen hoch.» Gleichzeitig sei es aber immer noch legal, tierquälerisch hergestellte Produkte zu importieren und damit die einheimischen Regeln zu unterlaufen. «Das ist ein Missstand, den man nicht gutheissen kann», sagt Bruderer.

Deklarationspflicht muss eingehalten werden

FDP-Nationalrat Thierry Burkart überraschen die Umfrageergebnisse nicht. Ein Importverbot oder gar ein Verkaufsverbot für Pelzprodukte zu fordern, findet er aber übertrieben, selbst wenn er nie Pelz tragen würde: «Der Bürger soll selber entscheiden können, ob er Pelzprodukte tragen will.»

Mit einem Verbot kriminalisiere man die Konsumenten. Wichtig ist laut Burkart, dass die Bevölkerung über die Bedingungen der Pelzproduktion aufgeklärt werde – also mittels Deklarationspflicht. «Falls es tatsächlich zu Verstössen gegen die Deklarationspflicht kommt, muss das geahndet werden und nicht gleich ein Totalverbot verhängt werden.»

«Pelzverkaufsverbot ist reine Polemik»

«Ein Verkaufs- oder Importverbot würden wir ganz klar bekämpfen», sagt Thomas Aus der Au, Vizepräsident des Fachverbands Swissfur. Ein Verkaufsverbot sei reine Polemik und würde nur die gängigen Vorurteile bedienen.

Aus der Au wehrt sich insbesondere gegen die Vorwürfe von Peta, die Pelzproduktion würde nur mit tierquälerischen Methoden funktionieren: «Wir setzen uns vor allem in den Pelztierfarmen vor Ort für den Tierschutz ein und unterstützen das WelFur-Programm für tiergerechte Haltung in Europa.» So würden sich die Mitglieder von Swissfur stets informieren, woher die Pelze stammen, die verarbeitet und verkauft werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michi am 27.11.2017 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das selbe

    Was man vor der Kamera sagt und dann im wahren Leben macht, sind meist zweierlei. Mir fällt auf, dass vor allem bei jungen, die Mäntel mit Pelzkragen sehr gefragt sind.

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  • Stefan M. am 27.11.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    ja aber

    alles klar aber dann dürfen wir auch keine Bettdecken und Kissen mehr importieren...wie werden denn in China die Gänse/Enten gerupft? genau, denkt drüber nach

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  • AK am 27.11.2017 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Ja

    Und trotzdem haben alle Pelz an. Komisch:-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Samuel am 27.11.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    zum Nachdenken

    Ich bin gegen das Pelztragen und für ein Verkaufsverbot. Denn es kann nicht sein, das z.B. in China ein Katzenfell billiger "produziert" wird wie ein Kunstfell. Somit wird Echtfell einfach auch aus Geldgier verwendet und teilweise als synthetisch verkauft.

  • whYBother am 27.11.2017 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reine Polemik??

    Irgendwo hört es mal auf...wie kann ein Verbot, Tiere grundlos zu töten, d n Polemik sein? Irgendwo muss man ja anfangen, ein Verbot muss her!! Schämt euch, Pelzträger!!!

  • Erica am 27.11.2017 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeden Winter das...

    ...gleiche Theater über Pelz. Sehr viele Frauen die echte Pelze haben tragen sie nur an gewissen Orten. Dort halten sich Pelzgegner nicht auf. Im übrigen können viele sogenannte Pelzgegner echten von unechtem Pelz nicht unterscheiden. Zudem sind Kürschner keine Unmenschen und achten sehr darauf, wo Pelze herkommen. Was hingegen den Geschäftsleuten die aus allen Herren Ländern Waren importieren egal ist. Und wisst ihr was ihr Pelzgegner, ihr trägt ALLE dieses Zeugs und hinterfragt rein gar nichts. Ich schlüpfe jetzt in mein heissgeliebtes Kunstpelzjäckli von Zara....;-)

  • Markus H. am 27.11.2017 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer alles verbieten!

    Warum muss immer alles verboten werden? Aufklärung ja..... und dann sollen die Käufer selber entscheiden!

  • Jäger am 27.11.2017 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pelz

    Seit vielen jahren tragen die leute pelz.Es ist ein natur produkt.Und die es tragen wollen sollen es tun.Habt ihr keine andere probleme als immer mit dieses thema. Es gibt schlimmeres auf der welt.Lasst die pelzträger in ruhe.Es gibt kriege und hungersnot vergesst das nicht.