Katholische Kirche

15. Februar 2017 10:07; Akt: 15.02.2017 13:33 Print

Missbrauchs-Experte vertuschte Pädophilie

Ein ehemaliger Kapuziner-Vorsteher soll die Pädophilie eines Paters verschwiegen haben. Nun sitzt er in einem Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe.

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Sagt, er habe aus einem früheren Fall eines pädophilen Priesters gelernt: Ephrem Bucher im Kapuzinerkloster Altdorf. Archivbild: Tages-Anzeiger, 2006.

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Missbrauch an Minderjährigen durch Kirchenangehörige haben weltweit Schlagzeilen gemacht. Auch hierzulande wurden zahlreiche Vorfälle enthüllt. Ende Januar hat die Schweizer Bischofskonferenz das Fachgremium «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» mit dem Ziel gebildet, Präventionsarbeit zu leisten.

Eines der insgesamt neun Mitglieder ist Ephrem Bucher, früherer Ordens-Vorsteher der Schweizer Kapuziner und heute «Guardian» des Kapuzinerklosters in Mels SG. Bucher habe in seiner Zeit als Kapuziner-Chef die Machenschaften eines pädophilen Ordensbruders vertuscht, wie der «Blick» schreibt. Der besagte Pater habe zwar zugegeben, 40 Kinder sexuell missbraucht zu haben, sei aber für seine Taten in der Schweiz nie belangt worden.

Bischöfe würden heute anders entscheiden

Warum sollte also ausgerechnet Bucher für das Fachgremium geeignet sein? Er habe eine «umfassende Ausbildung zu Fragen rund um Pädophilie» absolviert, antwortet Bucher der Zeitung. Ausserdem wisse er nun «dank dem Fall von Pater Joël, welche Fehler man nicht machen darf». Ihm sei bewusst, dass es Versäumnisse bei der Aufarbeitung der Angelegenheit um den pädophilen Pater gegeben habe.

Zweifel an der Entscheidung, Bucher ins Gremium zu holen, äussert der Präsident der Bischofskonferenz Charles Morerod. Er und seine Kollegen seien sich zum Zeitpunkt der Ernennung der Situation nicht bewusst gewesen. Heute würde man sich anders entscheiden, sagt Morerod zum Blick.

Statistik der Missbrauchsfälle in der Schweiz

Im Jahr 2010 wurden laut einer Statistik der Schweizer Bischofskonferenz 115 Fälle sexueller Übergriffe in der Schweiz gemeldet. Im Jahr 2015 waren es noch 24 Fälle gewesen.

Zu den Täterprofilen heisst es in einer Mitteilung vom Dezember, dass im genannten Zeitraum 204 Täter in Missbrauchsfälle verwickelt gewesen seien. Die Statistik erfasse das ganze Spektrum möglicher sexueller Übergriffe von anzüglichen Äusserungen und Gesten bis hin zur Vergewaltigung und Schändung.

(kat)