Rickenbach ZH

08. März 2017 18:50; Akt: 08.03.2017 18:50 Print

Bauern bekämpfen Schädlinge mit Drohnen

Bauer Thomas Widmer aus Rickenbach setzt bei der Bekämpfung von Schädlingen auf Drohnen. Doch so euphorisch wie er sind längst nicht alle.

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Hoch oben in der Luft surrt eine Drohne über einem Maisfeld. Geladen ist sie mit kleinen weissen Kugeln aus Maisstärke. Darin befinden sich Eier der Schlupfwespe. Mit diesen können die Eier des Maiszünslers, der als einer der bedeutendsten Mais-Schädlinge gilt, zerstört werden.

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Einer, der mit gefüllten Drohnen auf Schädlingsjagd geht, ist Thomas Widmer aus Rickenbach, wie der «Landbote» schreibt. Im letzten Jahr flog er 230 Hektar Land ab.

«Gigantisches Potenzial»

«Mit der Drohne brauche ich knappe vier Minuten für eine Hektare, zu Fuss würde ich 20 Minuten benötigen», sagt Widmer zum «Landboten». Das Potenzial der Schädlingsbekämpfung mittels Drohnen bezeichnet er als «gigantisch».

Aber nicht nur das: Ab diesem Frühling will Widmer auch Rehkitze im Feld aus der Luft aufspüren, um sie so vor dem Mähdrescher zu retten. Diese Massnahme schütze nicht nur die Jungtiere im Feld, sondern auch das Vieh des Landwirts Widmer. Denn gelänge ein totes Tier unbemerkt ins Futtersilo, würden ganze Herden verenden.

Schädlingsbekämpfung durch Drohnen ist ein Thema, das bereits an der Landwirtschaftsmesse Tier und Technik in St. Gallen beleuchtet wurde. Ueli Sager, Geschäftsführer der Drohnenfirma Agrair, spricht von einem «überwältigenden Feedback», das er an der Messe erhalten habe. Ihm ist aber auch bewusst: «Es braucht Zeit für einen Paradigmenwechsel.»

Auch der Zürcher Bauernverband hat sich des Themas schon angenommen. Ein mögliches Projekt, bei dem das Potenzial von Drohnen in der Landwirtschaft erforscht werden sollte, scheiterte jedoch wegen fehlender Gelder.

Nützlich in steilen Gebieten

Der Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft wird rege diskutiert. Theodor Strasser, Präsident des Weinbauvereins Zürcher Weinland, meint dazu: «Das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen.» Momentan sei es eher ein Spielzeug als eine echte Hilfe: «Eine Drohne kann derzeit nur zwischen 10 und 15 Liter Pflanzenschutzmittel tragen. Man müsste die Drohne also regelmässig neu auffüllen.» In steilen Gebieten könnte die Technik aber laut Strasser durchaus nützlich sein – beispielsweise am Schiterberg in Kleinandelfingen.

Jeannette Trüb-Brunner, die mit ihrer Familie an diesem Hang winzert, sieht den Nutzen der Technologie, sagt aber: «Vieles ist aber noch unklar, etwa die Gesetzeslage zum Gewässerschutz oder der generelle Einsatz von Drohnen im Schiterberg, der als Naherholungszone gilt.» Zudem habe der Weinbau einen emotionalen Stellenwert. Wenn man etwas Neues ausprobiere, sei das Echo jeweils gross.

Fehlende Zuverlässigkeit

Michel Guillaume, Leiter des Zentrums für Aviatik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, leitet zurzeit eine Studie, in der die technologischen Folgen von Drohnen abgeschätzt werden sollen. Er sagt: «Man wird in Zukunft einiges machen können, aber es wird seinen Preis haben.» Dementsprechend folge die Frage, ob man durch den Einsatz von Drohnen wirklich so viel Geld sparen würde.

Zudem sehe er einen Nachteil in der rund 15-minütigen Flugzeit der Drohnen und der fehlenden Zuverlässigkeit. Guillaume sagt darum: «Ich glaube, dass sich Drohnen deshalb am Ende nur für grosse, hochmoderne Betriebe lohnen werden.»

(jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PH Noser am 08.03.2017 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Technik .

    1: Bauer Thomas Widmer, Rickenbach, verwendet in diesen Fall keine Pflanzenschutzmittel sondern Kugeln aus Maisstärke mit Eier der Schlupfwespe (Trichogramma-Schlupfwespen zur biologischen Bekämpfung des Maiszünslers (Ostrinia nubilalis) zB. Andermatt Biocontrol, und das Potenzial der Schädlingsbekämpfung mittels Drohnen bezeichnet er als «gigantisch» !! Und 2: der Nachteil der nur 15-min. Flugzeit = c 3,5 ha, lässt sich mit Wechsel-Accus beheben. Immer diese Miesmacherei "Flugzeit der Drohnen, fehlenden Zuverlässigkeit". Wie bei Elektroautos, wenn nicht 500 km und tanken in 5 min. .......

  • 20 Min Tip Geber am 08.03.2017 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfragen sind etwas komisch

    Nur nebenbei für allgemein 20-Min-Umfragen... Sehr oft trifft es zu, dass keine für mich keine Möglichkeit übereinstimmt. Macht es doch simpel (nicht: ja und besitze selber eine)... weniger wichtiger Kommentar aber liked doch wenn ihr das auch so seht :)

  • Heidi am 08.03.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoll

    Gerade was Rehkitze anbelangt finde ich Drohnen sehr sinnvoll. Diese kleinen Racker sterben manchmal sehr qualvoll wenn sie in einen Drescher kommen. Die Gefahr das dann auch noch Tiere durch Vergiftung sterben, kann dadurch vermieden werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Meier am 09.03.2017 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Es sie dreht sich doch...

    Das ist ja hier ein richtiges Bauernforum. Krass. Automation und Digitalisierung wird auch im Agrarumfeld nicht halt machen dürfen. Effizienzsteigerung und Smart Farming als Stichwort. Drohnen können in Schwärmen benutzt warden, das Auffüllen und Batteriewechsel sind simple. Check für alle Neinsager:

  • bruno am 09.03.2017 04:51 Report Diesen Beitrag melden

    per subvention auch eine playstation ?

    oder doch eine xbox ? die armen bauern, mir kommen die tränen....

  • h.r. am 08.03.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dreschen/ silofutter?

    also rehkitze vor dem mähdrescher schützen, damit sie nicht ins silofutter gelangen?! hm... da hätte jemand nachhilfe in sachen landwirtdchaft nötig!

    • Flauschi am 08.03.2017 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @h.r.

      CCM wird gedruschen.

    • Gretel am 08.03.2017 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @h.r.

      Das ist einfach so, wenn der Autor nicht vom Fach ist, kann er auch nicht nachvollziehen was er für Chabis schreibt.

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  • de Kari am 08.03.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur pur

    Ich arbeite nur mit der Natur!

  • Franz Carl am 08.03.2017 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boys and their toys

    Was man mit Subventionen alles für Spielsachen kaufen kann...